Sanierung

Freiburg: Stromtrassen können nicht unter die Erde gelegt werden

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 29. März 2017 um 15:09 Uhr

Freiburg

Die Deutsche Bahn und Netze BW wollen in Freiburg das Hochspannungsnetz sanieren. Technisch könnten die Leitungen teilweise unter die Erde verlegt werden – doch das ist für die Stadt zu teuer.

Insgesamt geht es um rund 25 Kilometer Leitungen und etwa 60 Masten. Unterdessen ist in der Stadt eine Diskussion darüber entbrannt, ob die oberirdischen Leitungen teilweise unter die Erde verlegt werden könnten. Denn die Trassen sind bei Planungen für neue Häuser und Wohnungen im Weg. Technisch wäre das zumindest bei den Netze-BW-Leitungen kein Problem. Doch die Stadtverwaltung winkt ab: viel zu teuer.

Die 110-Kilovolt-Hochspannungstrassen von Deutscher Bahn und Netze BW bilden einen Teil des Freiburger Stromnetzes (siehe Info-Box). Sie stammen aus den 1950er Jahren und sind sanierungsbedürftig. Die Bahn will bis 2026 die Trasse von Karlsruhe bis Haltingen runderneuern und sowohl Leitungen als auch Masten austauschen. Voraussichtlich ab 2019 wird Freiburg an der Reihe sein. Einen genauen Zeitplan gibt es nach Auskunft eines Bahnsprechers noch nicht, auch über die Kosten könne er noch nichts sagen.

Planungen für Wohngebiete sind eingeschränkt

Etwas weniger aufwändig sind die Arbeiten der Netze BW: Deren Trasse soll nur ausgebessert werden. Was genau gemacht werden müsse, werde derzeit geprüft, sagt Unternehmenssprecher Ralph Eckhardt: "Voraussichtlich müssen an den Masten einzelne Stahlstreben getauscht und die Fundamente saniert werden." Losgehen sollen diese Arbeiten Mitte 2018. Auch die Netze BW kann die Kosten noch nicht beziffern.

Da direkt neben Hochspannungsleitungen aus Sicherheitsgründen nicht gebaut werden darf, schränkt das die Planungen für neue Wohngebiete ein. Zuletzt kochte das Thema im Gebiet Haid hoch, als ein Rahmenkonzept für die zukünftige Entwicklung erarbeitet wurde. Aber auch andere Bereiche in Freiburg sind betroffen, darunter der neue Stadtteil Dietenbach. Einige Stadträte forderten das Rathaus deshalb im Bauausschuss auf, sich ernsthaft mit dem Thema auseinander zu setzen. Doch die Stadtspitze winkte sofort ab: Es habe intensive Untersuchungen gegeben, sagte Baubürgermeister Martin Haag. "Das ist kostenmäßig nicht darstellbar", ergänzte Stadtplanungsamtschef Roland Jerusalem. Allein die Netze-BW-Trassen im Gebiet Haid unterirdisch zu führen, würde rund sieben Millionen Euro kosten.

Neue Optionen für den neuen Stadtteil Dietenbach

Beim Stadtteil Dietenbach tun sich unterdessen neue Optionen auf. Eventuell können die Hochleitungen von Bahn und Netze BW dort gebündelt werden, oder die Leitungen der Netze BW kommen unter die Erde und die Bahn nutzt die Trasse der Netze BW. Bis zum Sommer soll ein entsprechendes Gutachten vorliegen.
Hochspannung

In Freiburg kommen mehrere überregionale Stromtrassen auf verschiedenen Spannungsebenen an. Die Höchstspannungsleitungen mit 380 und 220 Kilovolt werden von der Transnet BW (einer Tochter des Energieversorgers EnBW) betrieben.

In den kommenden Jahren saniert werden sollen die 110-Kilovolt-Leitungen (siehe Grafik): Für diese ist die Netze BW verantwortlich (ebenfalls eine EnBW-Tochter), außerdem gibt es eine Trasse der Deutschen Bahn für die Stromversorgung der Züge. Für den Endverbraucher wird der Strom in acht Umspannwerken transformiert. Weiterhin gibt es im Stadtgebiet vom örtlichen Energieversorger Badenova 682 Trafostationen, 25 Schalthäuser, 12 Transformatoren (von 110 auf 20 Kilovolt), 696 Transformatoren (von 20 auf 0,4 Kilovolt) und die Verbundleitwarte in der Ferdinand-Weiß-Straße, über die das Netz überwacht und gesteuert wird. Der Stromtransport zu den Haushalten verläuft unterirdisch. Dazu existieren 680 Kilometer Mittelspannungsnetz (20 Kilovolt) und 1800 Kilometer Niederspannungsleitungen (400 Volt).