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13. Februar 2009
"Freiburg – zu teuer und ein bisschen zu studentisch"
BZ-Interview: Thomas Gsella, Dichter und FC-Bayern-Hasser, erklärt, warum er anstatt in Freiburg lieber in Aschaffenburg wohnt
16 Jahre lang war Thomas Gsella Redakteur beim Satiremagazin "Titanic", zuletzt war er von 2005 bis 2008 Chefredakteur. Im Herbst vergangenen Jahres war dann Schluss, der dichtende Redakteur machte dem Nachwuchs Platz – gut und überfällig sei dieser Schritt gewesen, sagt er. In seinem Wohnort Aschaffenburg widmet er sich nun ganz der Poesie. Mit dem 51-jährigen Gsella sprach Frank Zimmermann.
BZ: "Wenn Bayern wieder Meister wird, / dann hör ich auf zu dichten / und werde kühl und ungeniert / die ganze Welt vernichten. / Kurzum: Wenn Bayern Meister wird, / dann kommt auch meine Stunde. / Dann wird der Globus ausradiert, / und ihr geht vor die Hunde. Drum macht, dass es ein andrer wird. Sonst lass ich’s Schreiben bleiben / und werde kühl, doch passioniert / euch allesamt entleiben." Herr Gsella, diese Verse haben mich als Bayern-Fan ins Mark getroffen.Thomas Gsella: Ich bin in Essen geboren, aus lauter Gram über die Entwicklung von Rot-Weiß Essen – die sind ja mittlerweile in der vierten Liga – habe ich dieses Gedicht geschrieben. Es ist ja auch ziemlich langweilig in der Bundesliga – immer gewinnt Bayern. Das war ich leid, deswegen dieses bedrohende Gedicht.
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Gsella: Mich interessiert der Fußball nicht mehr ganz so. Ich bin jetzt ja viel älter als die Spieler und teilweise auch als die Trainer. Ich gucke auch keine Sportschau mehr, nur noch Champions League und Welt- und Europameisterschaften.
BZ: Schade, jetzt wollte ich Sie nach Ihrem Eindruck vom SC Freiburg fragen.
Gsella: Die sind in der zweiten Liga, oder?
BZ: Ja. Tabellenführer.
Gsella: Ach. Die haben doch diesen Trainer nicht mehr...
BZ: Volker Finke. Der ist jetzt in Japan.
Gsella: Die Freiburger haben mir aber immer gut gefallen, das muss ich schon sagen. Die haben immer schön gespielt.
BZ: Sie schreiben auch Gedichte über Städte. Gibt’s auch eines über Freiburg?
Gsella: "Noch sinnloser als Düsseldorf, / noch stinkender als München, / umringt von Dummheit, Sumpf und Torf, / von München kaum drei Stündchen, / und schlimmer als das Teufelswerk, / als Bochum in Westfalen, / liegt tief in Baden-Württemberg, / der Urgrund aller Qualen, / wie fürchterlich auch Bielefeld, heißt Gießen auch vertieren, / das Schönste ist es auf der Welt, / in Freiburg zu studieren."
BZ: Ihr früherer "Titanic"-Kollege Oliver Maria Schmitt hat über Freiburg gesagt: "Die Stadt, die niemals schläft, andere sagen, die Stadt, die niemals aufgewacht ist." Was ist Ihr Eindruck von der Stadt?
Gsella: Man hat die Stadt als Ökohimmel im Gedächtnis. Meine Frau und ich wollten vor ein paar Jahren sogar mal nach Freiburg ziehen, aber dann war es uns doch viel zu teuer und ein bisschen zu studentisch.
BZ: Sie haben sich dann aber für Aschaffenburg entschieden. Warum das denn?
Gsella: Wir sind da hingezogen, weil Freunde von uns da hingezogen sind. In Frankfurt [Sitz der "Titanic"-Redaktion, die Red.] gibt es keine bezahlbaren Wohnungen mit Garten, wo die Kinder spielen können. Und der Drogenstrich ist in Aschaffenburg nicht ganz so nah. Aschaffenburg ist eine schöne Stadt, mit alten Gässchen und einem Schloss. Zu langweilig, um ewig dort zu leben, aber ideal, solange die Kinder zur Schule gehen.
BZ: Gibt es Druck von außen, wenn Sie politisch zu unkorrekt sind?
Gsella: 35 Ausgaben durften nicht mehr ausgeliefert werden in den fast 30 Jahren Titanic, aber die Klagen haben uns nicht das Genick gebrochen – und beim Schreiben haben sie uns nicht beeinflusst. Wenn Klagen folgen, dann muss man halt in den sauren Apfel beißen. Wir haben aber auch eine Anwältin, die jedes Heft vorher durchliest und uns darauf hinweist, wenn sie gerne Wörter ersetzt hätte. Wenn es uns einleuchtet, ersetzen wir dann "Arschloch" durch "Kretin". Aber wenn wir es genauso haben wollen, dann lassen wir es auch darauf ankommen.
Thomas Gsella rezitiert heute, 20 Uhr, im BZ-Haus, Bertoldstraße 7, Gedichte.
Autor: fz
