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30. September 2009
Freiburger Betriebe wenig familienfreundlich
Umfrage der Projektstelle "Familienfreundliche Betriebe in Freiburg" fördert viel Potenzial zutage / Angebote hängen von der Zahl der weiblichen Führungskräfte ab.
Familienfreundlich würden sich viele Freiburger Betriebe gerne nennen, um zu zeigen, dass sie ihre Mitarbeiter darin unterstützen, den Balanceakt Familie und Beruf hinzubekommen. Doch obwohl der Bedarf riesig ist, wird das Potenzial längst nicht ausgeschöpft. So das Ergebnis einer Umfrage der städtischen Projektstelle "Familienfreundliche Betriebe in Freiburg".
Bei insgesamt 119 Betrieben mit zusammen rund 37 000 Beschäftigten wurde per standardisiertem Fragebogen der Ist-Zustand und das Ziel in Sachen Familienfreundlichkeit abgefragt. Viele Firmen, hat Felicitas Boerner, Verantwortliche für das bei der Freiburg Wirtschaft Touristik Messe (FWTM) angesiedelte Projekt, festgestellt, hätten bereits familienfreundliche Angebote. Doch oft seien Unterstützungswünsche geäußert worden, da vielfach die Informationen über Umsetzungs- oder Fördermöglichkeiten fehlten. Als wichtigste familienfreundliche Struktur wird von den befragten Betrieben eine flexible Arbeitszeit angesehen, noch vor der Kinderbetreuung. Fast ein Viertel der Unternehmen (23 Prozent) kann sich vorstellen, Lebensarbeitszeit oder Sabbatical einzuführen, ein Fünftel erwägt die Ausbildung in Teilzeit.Werbung
In rund 44 Prozent der Betriebe können Mitarbeiter nach der Elternzeit Wiedereingliederungsmaßnahmen nutzen. Wie sehr dies an Bedeutung gewinnt, zeigt die Tatsache, dass ein Drittel der Firmen erwägt, solche Wiedereinstiegsprogramme neu anzubieten.
"Die Motivation für mehr Familienfreundlichkeit ist hoch", sagt Boerner. Rund 37 Prozent der Unternehmen geben an, mit solchen Angeboten Mitarbeiter binden und halten sowie neue qualifizierte Beschäftigte gewinnen zu wollen. Am wenigstens verbreitet sind bei den befragten Betrieben Angebote zum Familienservice und der Kinderbetreuung. Lediglich etwas mehr als ein Drittel hat überhaupt entsprechende Programme und übernimmt zum Beispiel die Kosten für die Kinderbetreuung ganz oder teilweise oder hält Belegplätze in Kitas oder bei Tageseltern vor. Betriebliche Kinderbetreuungsangebote haben nur vier Prozent. Doch auch hier findet langsam ein Umdenken statt, ebenso wie beim Thema pflegebedürftige Angehörige. Bisher beraten fünf Prozent der befragten Betriebe in einem solchen Fall und helfen bei der Suche nach einem Pflegeplatz, drei Prozent bieten betrieblich unterstützte Pflege an. Ein interessanter Aspekt der Umfrage: Ob und in welchem Maße eine Firma familienfreundliche Angebote vorhält, hängt stark davon ab, wie hoch der Frauenanteil der Beschäftigten, insbesondere der weiblichen Führungskräfte, ist.
Um den Betrieben die gewünschte Unterstützung geben zu können, reagiert die Stadt Freiburg mit neuen Angeboten wie der eingerichteten Projektstelle, einem umfangreichen Informationspaket im Internet und der Veranstaltungsreihe "Zukunft gestalten – Standortfaktor Familienfreundlichkeit", die am 30. November beginnt und Unternehmen Wege zur Familienfreundlichkeit zeigen will. "Das Thema wird uns immer mehr beschäftigen", erklärt Oberbürgermeister Dieter Salomon den neu gesetzten Fokus. "Denn auch Investoren werden verstärkt darauf achten, ob die Stadt jungen Familien ein lebenswertes Umfeld und berufliche Perspektiven anbietet."
Autor: Claudia Füßler
