Immer mehr Einsätze

Freiburger Feuerwehr erreicht die Grenze ihrer Kapazität

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 02. Februar 2018 um 16:30 Uhr

Freiburg

In Freiburg gibt es so viele Feuerwehrleute wie nie zuvor. Doch gleichzeitig steigt auch die Zahl der Einsätze stark an – fast 800 Einsätze waren es im vergangenen Jahr. Die Einsatzkräfte arbeiten am Anschlag.

Fast 800 Mal rückte die Freiwillige Feuerwehr im Jahr 2017 aus, gut 300 Mal handelte es sich um Fehlalarm (siehe Infobox unten). Die Zahlen in der Bilanz sind teils deutlich gestiegen, erklärte Vize-Stadtbrandmeister Achim Müller bei der Wehrversammlung. Die Männer und Frauen leisteten über 60.000 Stunden in Einsätzen, Ausbildung und Sicherheitswachen. Vor fünf Jahren war es nicht mal die Hälfte. Zu den Einsätzen zählte eine Explosion in Gutleutmatten, ein Unwetter im August, ein Brand im Hochhauskomplex "Max und Moritz" und im Tunnel.

Verdopplung der Einsatzzeiten in nur fünf Jahren

Zum ersten Großeinsatz eilten die Helfer direkt von der letzten Wehrversammlung: Brand in der Zahnklinik. Der nächste war das Feuer im Solarinfocenter, das Labor befindet sich noch immer im Wiederaufbau. "Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können", dankte Institutsleiter Andreas Bett der Feuerwehr und schenkte ihr ein Solarmodul, das Bilder der Löscharbeiten widerspiegelt.

"Eine Aufstockung der beruflichen Kräfte wird notwendig sein." Reiner Ullman, Chef der Freiwilligen Feuerwehr
"Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir die 500er-Marke geknackt", sagte Müller. Doch die Stadt wächst, die Zahl der Touristen, der Unwetter, der Brandmelder. Dazu kommt, dass die Feuerwehr immer häufiger im Verkehr feststeckt, erklärte Reiner Ullmann, der Chef der Freiwilligen: "Eine Aufstockung der beruflichen Kräfte wird notwendig sein."



Stadtbrandmeister fordert mehr Hauptberufliche

Das System aus beruflichen und ehrenamtlichen Kräften könne verbessert werden, sagte Gesamtkommandant Ralf-Jörg Hohloch. Aber es funktioniere: "Ohne Sie wäre ich nichts", dankte er den Ehrenamtlichen. Bürgermeister Otto Neideck zufolge muss das Augenmerk auf dem Ausbau der beruflichen Feuerwehr und Technik liegen. Nach Kritik vor einem Jahr bekommt die Feuerwehr eine Vorfahrtschaltung an kritischen Ampeln und ein Berater prüft interne Abläufe. Zudem ist ein Ausbildungszentrum von Stadt- und Landkreis in Planung.

Neideck zollte allen Respekt, "die freiwillig in brennende Häuser und Unwetter rennen". Es war seine letzte Wehrversammlung vor dem Ruhestand, einige Gäste waren extra gekommen, selbst aus Innsbruck. "Das ist kein Abschied, ein Feuerwehrmann ist man ein Leben lang", sagte Neideck. Er erhielt Standing Ovations und eine Ehrenmitgliedschaft.

Mehr als 50 Millionen Euro Investitionen unter Neidecks Leitung

Wie er kritisierte Oberbürgermeister Dieter Salomon Angriffe auf Einsatzkräfte und versicherte: "99,9 Prozent der Menschen in Freiburg wissen zu schätzen, was Sie leisten." Er lobte Neidecks Leistung: In den 15 Jahren, die er für die Feuerwehr Verantwortung trug, fiel der Umbau der Hauptfeuerwache, die Integrierte Leitstelle, der Bau von Gerätehäusern, drei weitere sollen bald folgen – alles in allem eine Investition von über 50 Millionen Euro für Feuerwehr und Sicherheit, sagte Salomon. Otto Neideck habe die Situation entscheidend verbessert. "Es war ihm ein Herzensanliegen."
Die Feuerwehr in Zahlen

Einsätze: Die Freiwillige Feuerwehr rückte im Jahr 2017 zu 791 Einsätzen aus (+118 im Vergleich zum Vorjahr), 309 davon waren Fehlalarme (-33).
Leute: 502 Aktive (+9), davon 21 Frauen; 205 in der Jugend (+31), 60 im Musikzug (0), 198 in der Ehrenabteilung (0).
Leistung: 61 082 Stunden im Einsatz und (mit Abstand am meisten:) in Ausbildung (+8739 im Vergleich zu 2016)

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