Entscheidung

Freiburger Gemeinderat stimmt für Infotafeln am Siegesdenkmal

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 22. Februar 2018

Freiburg

Das Siegesdenkmal soll Infotafeln bekommen - das hat der Freiburger Gemeinderat mehrheitlich beschlossen. Über den möglichen neuen Namen für den Platz soll am 20. März abgestimmt werden.

FREIBURG-INNENSTADT (sh). "Es sind ja schon einige Schlachten ums Siegesdenkmal geschlagen worden – politisch, mein’ ich", sagte Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach und eröffnete damit im Gemeinderat die Abstimmung über die Erläuterungstafeln am Dienstagabend. Details des Textes hatten die Fraktionen schon im Vorfeld ausgefochten, jetzt beschloss der Rat mehrheitlich, dass das Denkmal um drei Bodenplatten ergänzt wird, Kosten: 8000 Euro.

An die kontroverse Debatte, ob das Siegesdenkmal nach dem Umbau des Platzes eingangs der Kaiser-Joseph-Straße wieder aufgestellt wird, erinnerte Maria Viethen. "Die Mehrheit hat dafür votiert", sagte die Grünen-Fraktionschefin. Mahnen und Andenken müsse einen Ort haben sowie alles versucht werden, um Krieg zu vermeiden. "Wir alle wollen einen Kontrapunkt setzen mit dem Namen des Platzes", sagte Viethen. Darum soll es aber erst in der Sitzung am 20. März gehen, hoch im Kurs steht "Europaplatz".

Holbeinpferd und Anregung zur Sachbeschädigung

Diesmal ging es nur um Tafeln und Text, die erklären sollen, wie das Siegesdenkmal entstand und wie diskutiert wurde, daran erinnerte Carolin Jenkner von der CDU-Fraktion. Die sei froh, "wenn jetzt dann ein Schild da drankommt". Türkan Karakurt von der SPD-Fraktion stellte fest, dass in der Stadt und in Schulen über die Victoria diskutiert wird, die erstmals nach dem Deutsch-Französischen Krieg vor der Karlskaserne aufgestellt wurde. "Das zeigt, dass dieses Mahnmal schon seine Funktion erfüllt." Es erinnere an Opfer und Schmerz durch Krieg.

Atai Keller (Unabhängige Listen) kritisierte, dass es wieder ins Zentrum gesetzt wurde: "In Zeiten immer mehr bedrohlicher Kriegsszenarien mutet es anachronistisch an." Er bemängelte, dass ein Wettbewerb der Kunstkommission übergangen wurde, der indes zu spät gekommen war. "Wir werden keine Ruhe geben, eine Veränderung des Denkmals herbeiführen zu wollen", kündigte Keller an. Die Tafeln seien nur ein Trostpflaster. "Seit neuestem wohl auch Heilmittel für Fehlentscheidungen", sagte er in Anspielung auf den Synagogenbrunnen.

Nachdem JPG die prominente Aufstellung nicht verhindern konnte, sprach sich die Fraktion für die Tafeln aus. Die befand Klaus-Dieter Rückauer (Freiburg Lebenswert/Für Freiburg) für notwendig, bat aber darum, von Bodenplatten abzusehen. Von Kirchbach zufolge soll der Text barrierefrei lesbar sein.

Die Menschen könnten sich auch ohne Erläuterung eine Meinung bilden, meinte der Freie Wähler Johannes Gröger: "Sie sind nicht so dumm." Weniger wäre manchmal mehr. Nikolaus von Gayling forderte dazu auf, aus dem "martialischen Denkmal" ein Kunstwerk zu machen. Der Liberale formulierte eine "Anregung zur Sachbeschädigung": Er würde sich freuen, wenn Kinder die Victoria anmalten wie das Holbeinpferdchen.