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06. März 2009 16:46 Uhr

Die nächste Großbaustelle

Freiburger Kronenbrücke soll abgerissen werden

Es geht um den wichtigsten Verkehrsknoten der Stadt: Die Kronenbrücke über die Dreisam soll komplett abgerissen und neu gebaut werden. So steht es in Unterlagen der Verwaltung, die der Badischen Zeitung vorliegen.

  1. Muss ersetzt werden: Die Kronenbrücke zwischen Innenstadt und Wiehre. Der Volksmund nennt das Bauwerk „Elefantenklo“. Foto: Ingo Schneider

Auf bis zu neun Millionen Euro Kosten taxiert das Rathaus das Großprojekt. Die Brücke ist nach dem Urteil von Experten in einem "kritischen Zustand" und nicht in der Lage, die Straßenbahn zu tragen, die künftig über die Brücke zum Rotteckring rollen soll. Die Verwaltung verweigerte am Freitag jede Stellungnahme zu dem brisanten Thema.

Es steht nicht gut um die Kronenbrücke: Das Bauwerk, das aus zwei 1969 fertig gestellten Brücken besteht, weist nach einem Bericht des Garten- und Tiefbauamtes "erhebliche Schadensbilder" auf. Es gibt Risse im Beton, Rost im Stahlbeton, dazu dringt Wasser von der Fahrbahn in die Hohlkästen des Bauwerks ein. Laut einem Gutachten ist der Zustand der Brückenbauwerke so schlecht, dass innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre eine grundlegende Sanierung notwendig ist. Mindestkosten: 2.5 Millionen Euro. Eine Obergrenze könne im Moment nicht genannt werden, heißt es. Das Kostenrisiko ist offenbar groß. Fest steht wohl: Auf die Stadt kommt so oder so ein dicker Brocken an Ausgaben zu – unabhängig von der Stadtbahnplanung. Die Brücken-Sanierung müsste vollständig aus Eigenmitteln finanziert werden.

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Die Verwaltung hat nach diesen Erkenntnissen nun fünf Varianten untersuchen lassen, wie das neueste und von Stund’ an größte Freiburger Brücken-Problem gelöst werden könnte. Darunter fällt beispielsweise auch der Vorschlag, im frei gebliebenen Oval zwischen den bestehenden Brücken eine neue separate Stadtbahnbrücke zu bauen.

30.000 Fahrzeuge rollen täglich über die Brücke

Diese Variante ist aber ebenso verworfen worden wie drei andere Vorschläge. Das Urteil der Verwaltung steht: "Aus technischen wie wirtschaftlichen Gründen gibt es zur Planung einer neuen Kronenbrücke für Stadtbahn und Individualverkehr keine Alternative". Schon am 31. März soll der Gemeinderat das Garten- und Tiefbauamt mit der Planung der neuen Brücke beauftragen. Baubeginn soll 2012 sein. Die Straßenbahnlinie auf dem Rotteckring wird durch den Neubau 15 Monate später kommen.

Nach derzeitigem Stand würde die neue Brücke auf der Achse Wertmann- und Kronenstraße 35 Meter breit werden. Die Stadtbahn bekommt einen eigenen Gleiskörper, es wird Radfahrstreifen und durchgehende Gehwege geben. Für den Fahrzeugverkehr sind, wie bisher, Abbiege- und Geradeausstreifen vorgesehen. Die Brückenlager des neuen Bauwerks sollen auf die geplante Trasse für den Stadttunnel abgestimmt werden.

Der dritte Brückebau seit 1903

Der Abriss würde rund 2,5 Millionen Euro kosten, der Neubau wird auf 4,5 bis 6,5 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt kann auf Zuschüsse hoffen. Zudem würden für die neue Brücke geringere Kosten für den Unterhalt anfallen als für das marode Altbauwerk. Täglich fahren über die Kronenbrücke zwischen der Innenstadt und dem Stadtteil Wiehre mehr als 30 000 Kraftfahrzeuge, dazu queren viele Radfahrer und Fußgänger an dieser wichtigen Nord-Süd-Verbindung. Die erste Brücke an dieser Stelle ist am Pfingstsonntag 1903 eröffnet worden – die Friedrichsbrücke, die dann vor 40 Jahren eine Doppelbrücke ersetzte. Übrigens: Erst im vergangenen Jahr sind die Fahrbahnbeläge saniert worden.

Einer, der sich nun bestätigt sehen darf, ist FDP-Stadtrat Patrick Evers. Der erklärte Gegner der Rotteckring-Stadtbahn hat immer behauptet, die Brücke würde die Straßenbahn nicht tragen können. "Von der Verwaltung ist immer abgewiegelt worden", klagt Evers. "Das ist ein politischer Skandal", eröffnet er die Diskussion um das Thema.

Autor: Joachim Röderer