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11. März 2009 19:28 Uhr
Drama in Winnenden
Freiburger Lehrer suchen offensiv das Gespräch
Der Amoklauf in der Realschule von Winnenden ist am Tag danach auch an Freiburger Schulen Gesprächsthema Nummer eins. Die Hansjakob-Realschule will offensiv an das Thema rangehen. Derweil befürchtet das Regierungspräsidium Nachahmungstäter.
Im Laufe des Nachmittags traf die Nachricht von dem Amoklauf am Mittwoch bei verschiedenen Schulleitern ein. "Natürlich hat man da ein ungutes Gefühl, man ist ja nie vollkommen sicher", sagt Fridolin Schwörer, Rektor der Hansjakob-Realschule im Stadtteil Stühlinger. Er will das schockierende Ereignis von Winnenden am heutigen Schultag offensiv angehen und sein Lehrerkollegium dazu auffordern, das Thema im Unterricht aufzugreifen. Dies könne für manche Schülerinnen und Schüler auch ein Anlass sein, sich zu öffnen: "Da kann man Befindlichkeiten sehen, Sensibilität wecken", sagt Schwörer. Eigentlich ist der Schulleiter davon überzeugt, dass es an der Hansjakob-Realschule keinen potenziellen Amokläufer gibt. "Wir haben alle Schüler im Blick, wir kennen unsere Schüler, davon gehen wir zumindest aus." Was in den Köpfen der Jugendlichen vorgehe könne man aber nicht wissen. Das Thema Gewalt sei an seiner Schule immer präsent. Dem begegne man mit gewissen Regeln und einer Schulkultur: "Es geht darum, jeden Wert zu schätzen, aber auch Grenzen aufzuzeigen."
Für den Fall der Fälle liegt an der Hansjakob-Realschule wie an allen anderen Schulen im Land ein Kriseninterventionsplan bereit. "Das ist eine Riesenmappe mit Telefonnummern, Checklisten und Arbeitshilfen", sagt Martin Voßler, Pressesprecher der Schulabteilung im Regierungspräsidium (RP). Seit Juni 2006 seien diese Krisenpläne in Baden-Württemberg Pflicht. Enthalten sind auch Verhaltenstipps während eines Amoklaufs: Zum Beispiel sollen Schüler und Lehrer sich im Klassenzimmer verbarrikadieren und Deckung suchen.
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Beim Kriseninterventionsteam des RP, dem Voßler neben Psychologen und Pädagogen angehört, ist man am Donnerstag in erhöhter Alarmbereitschaft. "Es kann natürlich Trittbrettfahrer geben", sagt Voßler. Davon abgesehen rechnet er mit Anrufen von Schulleitern und Lehrern, die wissen wollen, ob und wie sie das Thema heute im Unterricht besprechen sollen. Antworten darauf wollte der RP-Sprecher gestern noch nicht liefern: "Wir warten ab, was das Kultusministerium empfiehlt." Für gestern Abend war ein entsprechendes Informationsschreiben an alle Schulen des Landes angekündigt. Kleinere Einsätze hatte das Krisenteam des RP in den vergangene Jahren immer wieder, zum Beispiel beim Brand im Rieselfeld oder bei tödlichen Autounfällen von Schülern. Das ging es darum, Mitschüler psychologisch zu betreuen. Neben dieser Nachsorge geht es auch um Vorsorge, nämlich zu verhindern, dass es zu solchen Katastrophen wie in Winnenden kommt. "Wir sind inzwischen sehr sensibilisiert", sagt Voßler. Etwa wenn Parolen mit drohendem Charakter auf Schulwände geschrieben werden: "Solchen Sachen gehen wir nach, da wird viel abgefangen." Zudem lernen Lehrer Verhaltensauffälligkeiten bei Schülern zu deuten. Voßler: "Aber ausschließen können wir leider nichts."
Gleichzeitig geht es aber auch darum, Angst und Panik zu vermeiden. "Vielleicht machen wir doch einen lebensgefährlichen Job", hat sich Heinz-Werner Brandes, Leiter der Wentzinger-Realschule im Stadtteil Mooswald, gefragt, als er gestern aus dem Radio von dem Amoklauf erfuhr: "Das macht einen schon nachdenklich." Bedroht fühle er sich aber nicht. Und um keine schlafenden Hunde zu wecken, werde er heute eher zurückhaltend mit dem Thema umgehen.
Autor: Heike Spannagel
