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26. Juni 2012 09:00 Uhr

Kriminalitätsbekämpfung

Freiburger Polizeichef fordert mehr Beamte und mehr Prävention

Viel zu viele Straftaten und viel zu wenig Polizei – deshalb fordert der Freiburger Polizeichef nun Stadträte dazu auf, mehr für die Prävention zu tun. Gleichzeitig appelliert er ans Land, mehr Polizisten nach Freiburg zu schicken.

  1. Freund klarer Worte: Heiner Amann, der Chef der Freiburger Polizeidirektion. Foto: privat

Freiburg hat im vergangenen Jahr den Spitzenplatz in der Kriminalitätsstatistik im Land noch einmal ausgebaut. Allein die Gewalttaten in der Altstadt haben um 30 Prozent zugenommen. Heiner Amann, der Chef der Freiburger Polizeidirektion, war gestern am späten Nachmittag im Hauptausschuss des Gemeinderates und fand deutliche Worte. Die Stadt müsse noch mehr in Prävention investieren. Ein Problem sei aber die zu geringe Personaldecke bei der Polizei. 880 Beamte hat die Polizeidirektion, vergleichbare Großstädte bringen es laut Amann auf 20 Prozent mehr.

"Die Motivation hört auf, weil die Leute ausgebrannt sind." Heiner Amann
Mit ernsten Mienen verfolgten die Gemeinderäte die Ausführungen des Leitenden Kriminaldirektors. Die Arbeitsbelastung der Polizeidirektion liege 30 bis 50 Prozent über vergleichbaren Dienststellen im Land. Die stärkste Last trage das Polizeirevier-Nord. "Die Motivation hört auf, weil die Leute ausgebrannt sind", berichtete Amann mit Verweis auf einen hohen Krankenstand. Die Hoffnung auf eine Personalaufstockung durch das Land ist eher gering: "Mit 100 Beamten mehr ließe sich etwas machen." Amann wollte das Problem nicht an der neuen Landesregierung festmachen, Freiburg sei seit 20 Jahren in Sachen Polizei unterversorgt. Die heutige Situation ist laut Amann "ein Erbe der Vergangenheit".

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Oberbürgermeister Dieter Salomon pflichtete bei: "Es ist dramatisch." Aber auch er kennt die Sparziele der Landesregierung. Dass Personal fehlt, mache sich eben auch auf der Straße in Freiburg bemerkbar. Zu Fuß oder im Auto ohne konkreten Anlass auf Streife zu gehen, gebe es so gut wie nicht mehr, erklärte der Polizeichef auf eine Frage von Stadtrat Michael Moos (Unabhängige Listen).

Freiburg ist die kriminellste Stadt im Land – mit Abstand

Um 1,9 Prozent hat 2011 die Zahl der Straftaten in Baden-Württemberg zugenommen, in Freiburg um 4,1 Prozent. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl hat Freiburg eine um 20 Prozent höhere Kriminalitätsbelastung als Mannheim als Zweiter in der Tabelle, Polizeichef Amann rechnete das auf eine Fußball-Bundesligatabelle um: "Es wäre so, als hätte der SC Freiburg als Erster 15 Punkte Vorsprung auf Bayern München."

Hoch ist die Zahl der Diebstähle, ebenso jene der Gewaltdelikte, darunter auch Körperverletzungen. Die Werte in der Altstadt erreichten neue Höchststände. Während das Bermuda-Dreieck auf einem hohen Niveau in etwa gleich blieb, gab es mehr Straftaten beim Zu- und Abgang zur Vergnügungsmeile, also im Bereich Johanneskirche oder auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Die Zeit, in der es am meisten knallt, ist morgens zwischen 4 und 6 Uhr. 59,8 Prozent der Tatverdächtigen, die in der Altstadt in Gewaltdelikte verwickelt sind, sind alkoholisiert. Auch diese Zahl ist – trotz aller Präventionsarbeit – ein neuer Höchstwert.

Salomon: Neuer Antrag auf begrenztes Alkoholverbot

Renate Buchen (SPD) lenkte den Blick auf das in den Regierungsfraktionen derzeit in der Diskussion stehende Alkoholverbot. Heiner Amann begrüßt diese Variante – im Zusammenspiel mit erweiterter Prävention, mehr Polizeipersonal und damit -präsenz, Beteiligung der Gastronomie plus dem Faktor Zeit: "Wir müssen in den Köpfen etwas verändern." OB Salomon bekräftigte, dass Freiburg einen erneuten Antrag auf ein begrenztes Alkoholverbot stellen wird – falls sich Mehrheiten finden – zunächst im Landtag, der die Grundlage schaffen muss, und dann auch im Gemeinderat.

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Autor: Joachim Röderer


19 Kommentare

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Egon Mayer

Registriert seit: 30.06.2010

Kommentare: 1485

26. Juni 2012 - 07:04 Uhr

Nicht erst durch die Kriminalstatistik rächt es sich, dass Bund und Land die Steuergelder lieber in prestigeträchtige Projekte stecken, als ihren Hoheitspflichten nachzukommen. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken, bis sich die Damen und Herren Politiker darauf besinnen, was ihre eigentlichen Aufgaben sind.

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Johannes Hermann

Registriert seit: 06.06.2012

Kommentare: 177

26. Juni 2012 - 07:23 Uhr

Eigentlich ist es ein Treppenwitz. Vielleicht sollte der Polizeichef erstmal in seiner eigenen Behörde aufräumen. Vier kurz hintereinander folgende Vorfälle, in denen Poliziebeamte straffällig werden, ist für eine kleine Stadt wie Freiburg eine ganze Menge. Mal abgesehen davon dass dies anzunehmender Weise nur die Geschichten sind, die sich wirklich gar nicht mehr anders deichseln ließen, wird die Dunkelziffer dessen was wirklich noch ist, wesentlich höher liegen. Allenthalben hört und liest man immer wieder, wie einige Beamte glauben, einen Freibrief für Beleidigungen, brutale Übergriffe etc. zu haben, den anscheinend werden sie ja entsprechend geschützt.

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Pius Schäfer

Registriert seit: 08.07.2011

Kommentare: 77

26. Juni 2012 - 10:12 Uhr

Es wäre doch für die Öffentlichkeit von Interesse sind die Täter immer wieder die gleichen Personen oder Personengruppen. Wenn es bekannt ist dass der Schwerpunkt am Frühenmorgen zwischen 4-6 Uhr ist, warum kann die Polizei nicht selbst Präventiv tätig sein und in dieser Zeit Präsents zeigen ?

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Luzian Löffler  

Luzian Löffler

Registriert seit: 12.02.2010

Kommentare: 407

26. Juni 2012 - 10:35 Uhr

Herr Herrmann: Können Sie uns für Ihre Behauptungen bitte Quellen und Nachweise liefern?

Wo "hört und liest man immer wieder, wie einige Beamte glauben, einen Freibrief für Beleidigungen, brutale Übergriffe etc. zu haben, den anscheinend werden sie ja entsprechend geschützt."

Insbesondere würde mich interessieren, wo in Freiburg "brutale Übergriffe" stattfinden und durch wen sie "entsprechend geschützt werden".

Danke vorab.

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

26. Juni 2012 - 10:45 Uhr

@ Herr Löffler: Ach, lassen Sie es doch gut sein. Das sind die üblichen Stammtisch-Parolen wei "Alle Beamte sind faul, alle Zahnärzte fahren Porsche, alle Bauern sind duch Subventionen vermögend und alle Müllmänner sind ausländer welche ein "Schweine-Geld" bekommen"..... So ist es auch bei Herrn Herrmann mit der Polizei. P.S.: Ich kenne 2 Bauarbeiter, welche den Führerschein durch Trunkenheit innerhalb von 2 Wochen verloren haben (berechtigt). Ich käme aber nie, wie Herr Herrmann, auf die Idee zu behaupten, alle Handwerker fahren besoffen Auto ;-)

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Luzian Löffler  

Luzian Löffler

Registriert seit: 12.02.2010

Kommentare: 407

26. Juni 2012 - 10:48 Uhr

Vermutlich haben Sie Recht, Herr Basket.

PS.: Ich trage zwar einen seltenen Vornamen... fühle mich aber doch sehr männlich! ;)

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

26. Juni 2012 - 10:56 Uhr

@ HERR Löffler: Entschuldigen Sie bitte vielmals, ist korrigiert ;-) .

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Johannes Hermann

Registriert seit: 06.06.2012

Kommentare: 177

26. Juni 2012 - 11:51 Uhr

@Luzian Löffler
z.b. in diesem Blatt . Ihre weitere Frage betreffend, ist dies durch das Wort "anscheinend" eine Mutmassung, die ebenda sich aus Gelesenem entsprechend weiter Verfolgten zusammen mit eigenen Erlebnissen ergibt, bzw. resultiert. Reicht das?

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Johannes Hermann

Registriert seit: 06.06.2012

Kommentare: 177

26. Juni 2012 - 11:55 Uhr

@Michael Basket
Ich sprach von einigen, nicht verallgemeinernd von allen und meine nicht "grundsätzlich". Insofern ist Ihr Beispiel mit den Handwerkern irrelevant.

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

26. Juni 2012 - 12:02 Uhr

@ Herr Herrmann: Sie schrieben "(...) wird die Dunkelziffer dessen was wirklich noch ist, wesentlich höher liegen. Wenn jemand WESENTLICH schreibt, kann er sich hinterher nicht damit rausreden einige gemeint zu haben...... Aber schön, dass Sie nun wieder zurückrudern.

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Luzian Löffler  

Luzian Löffler

Registriert seit: 12.02.2010

Kommentare: 407

26. Juni 2012 - 12:19 Uhr

Herr Herrmann, nein das reicht sicherlich nicht.
Sie reden von "brutalen Übergriffen" der Polizei und beziehen sich auf Freibrug, die man "immer wieder lesen könne".
Dafür sollten Sie schon Quellen nennen können, so Sie Ihre Glaubwürdigkeit nicht herabsetzen wollen.
Ihre angegebenen "eigenen Erlebnisse" wären da wohl sicherlich auch von Bedeutung.

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Johannes Hermann

Registriert seit: 06.06.2012

Kommentare: 177

26. Juni 2012 - 12:41 Uhr

@Michael Basket
@Luzian Löffler
Lesen Sie doch bitte die hier in dieser Zeitung veröffentlichten Artikel. Da erfahren Sie alles, was Sie gerne wissen möchten. "wird die Dunkelziffer dessen was wirklich noch ist, wesentlich höher liegen" = ebenda Annahme, resultierend aus ebenda bereits erwähntem und ebenda selbst Erlebten - ich habe nicht geschrieben, dass die Dunkelziffer höher liegt. Im übrigen ruder ich nicht zurück, sondern zeige Ihnen nur die klitzekleinen Unterschiede in der deutschen Sprache auf, mit entsprechender Wirkung.

Was das selbst Erlebte betrifft. Darüber kann ich hier leider nicht schreiben, dass würde der Zensus egal ob wahr oder unwahr sofort löschen.

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

26. Juni 2012 - 12:51 Uhr

@ Herr Herrmann: Mein Kommentar bezieht sich allein auf das von ihnen geschriebene, nicht auf die Berichterstattung der BZ. Schade das Sie darauf nicht eingehen. Ich kenne übrigens Polizisten die , wenn sie einen eigenen Fehler gemacht haben und diesen erkennen, sich einfach entschuldigen und das Falsche richtig stellen. Die versuchen nicht sich dauernd irgendwie herauszureden mit irgendwelchen Spitzfindigkeiten à la "hab ich doch gar nicht so gemeint"..... Übrigens: wenn Ihnen unangemessen Gewalt angetan wurde, habe sie sicher Strafanzeige gestellt. Hierüber können Sie gerne die BZ informieren, die sich mit Sicherheit dafür interessiert. Die BZ geht solchen Geschichten gerne und gründlich nach, und das ist gut so!

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Philipp Weingardt

Registriert seit: 16.07.2010

Kommentare: 131

26. Juni 2012 - 12:51 Uhr

"Mit 100 Beamten mehr ließe sich etwas machen."

z.B. ? was genau "ließe sich machen" ???

[ed.]

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Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

26. Juni 2012 - 13:08 Uhr

Freiburg ist eine GRÜNE Stadt, ist eine UNIstadt, ist eine KULTURstadt,
ist eine UMWELTstadt, ist keine ARBEITERstadt,
ist keine INDUSTRIEstadt, also eine Stadt mit überwiegend gut
gebildeten Einwohnern!
Woher kommt diese hohe Kriminalrate?
Hier fehlt gründliche Ursachenforschung!

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Luzian Löffler  

Luzian Löffler

Registriert seit: 12.02.2010

Kommentare: 407

26. Juni 2012 - 13:13 Uhr

Herr Herrmann, ich lese seit vielen Jahren (fast) alle in der BZ veröffentlichten Artikel, jedenfalls die mein Interessensgebiet betreffenden.

Ihre propagierten angeblichen "brutalen Übergriffen", die "man immer wieder" lesen könne und Ihre sonstigen reißerischen Andeutungen, sind mir allerdings fremd.

Aber lassen wir das jetzt.
Ich werde Ihre Beiträge künftig entsprechend einordnen.

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Martin Bitdinger

Registriert seit: 21.04.2012

Kommentare: 206

26. Juni 2012 - 17:09 Uhr

Zuwenig Polzei ist lachhaft.
Vernünftig einsetzen.
Wenn ich schon jeden zweiten Tag in der Zeitung lese, daß das "Ergebnis" nächtlicher Strassenkontrollen wieder mal EIN "alkoholisierter" Fahrer mit ca. 0,8 Promille war, während schwere Straftaten meist nur Dank "Kommisar Zufall" aufgeklärt werden, dann sagt das alles.

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Peter Grieshaber

Registriert seit: 20.05.2012

Kommentare: 140

26. Juni 2012 - 19:28 Uhr

100 Polizisten kann ich auch nicht auftreiben. Aber zwei Jungs vom GVD hocken jeden Abend ab 22 Uhr am Tunnelausgang gemütlich im Blitzwagen und jagen Schwerverbrecher, die mit 36 Km/h unterwegs sind, während in der Stadt der Punk abgeht.

@Pommerenke: was für ein Bild haben Sie eigentlich von Industriearbeitern? Hätten Sie erwartet, dass die krimineller sind als die GRÜNbürger? Gehen Sie mal in sich, das kann nicht ihr Ernst sein.

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Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

27. Juni 2012 - 19:26 Uhr

Herr Grieshaber, bin ich von Ihnen missverstanden worden?
Ich selbst bin ein Arbeiterkind, also kann es so von mir nicht gemeint worden sein.
Damit wollte ich nur die "gebildete Oberschicht" locken, da die für
Kriminalität fast immer das arbeitende Volk zum Maß nimmt.
Haben Sie mich jetzt richtig verstanden?

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