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04. Juli 2012 01:56 Uhr
Kriminalität
Freiburger Spezialität: Taschenklau aus dem Fahrradkorb
Die Sache ist ganz einfach:Ein Griff in den Fahrradkorb einer Radlerin, die zum Beispiel an einer Ampeln wartet. Meist merkt sie erst am Ziel, dass die Handtasche fehlt – und kann keine Hinweise auf den Dieb geben.
Die Polizei spricht inzwischen von einer Serie und vermutet, dass sich die Täter gezielt Freiburger Radfahrer vornehmen. Rund 170 Korbklau-Fälle haben die Freiburger Beamten seit Mitte Dezember gezählt, also im vergangenen halben Jahr im Schnitt fast jeden Tag einen.
50.000 Euro betrage der Gesamtschaden, sagt Polizei-Pressesprecher Karl-Heinz Schmid. Davon entfallen etwa 15.000 Euro auf Bargeld, der Rest auf Wertgegenstände wie Handys oder Brillen. Bestohlen werden vor allem ältere Frauen, die Handtaschen oder auch Rucksäcke im Fahrradkorb stehen haben. Der Täter ist vermutlich meist zu Fuß unterwegs, verschwindet mit der Tasche an einen ruhigen Ort und entnimmt dort Geld und Wertsachen.
Im Frühjahr hat die Freiburger Polizei eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, Hinweise gibt es bisher aber kaum. Ein Phantombild, das mit der Hilfe von Zeugen eines Falles angefertigt wurde, brachte nichts. "Bisher ist auch keine Systematik erkennbar", sagt Schmid, "die Diebstähle finden an allen Wochentagen und zu jeder Tageszeit statt, und sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt."
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Opfer bittet die Polizei um schnelle Meldung unter der Nummer 110: "Wir versuchen dann, sehr schnell starke Kräfte in die Fahndung hineinzubringen."
Auch in anderen Städten gibt es einzelne Fälle, zuletzt etwa in Schopfheim und Konstanz. "Aber eine solch massive Serie ist spezifisch für Freiburg", sagt Schmid. Er vermutet, dass sich ein Täter oder auch eine Gruppe in den vergangenen Monaten auf diese Form des Freiburger Taschendiebstahls spezialisiert hat: Weil hier die Auswahl an Radfahrern groß ist. "Und weil man sehr sorglos mit seinem Eigentum umgeht", sagt Schmid.
Beim Freiburger Fahrradhändler Hild ist von der Diebesserie bisher wenig zu merken: "Die Leute machen sich eher Sorgen, dass der Korb selbst geklaut wird", sagt Tobias Hauser, Abteilungsleiter für Zubehör. Weniger anfällig seien Körbe an der Lenkstange oder Satteltaschen. Und Handtaschen im Gepäckträger-Korb könnten mit Spanngummis oder Regenhauben gesichert werden.
"Ich sage meinen Kunden schon seit Jahren, dass man darauf aufpassen muss", meint auch ein Verkäufer beim Fahrradhändler Extratour. "Das war in Barcelona schon immer so – jetzt finden wohl auch auf Freiburgs Straßen viele Lerneffekte statt."
Schon ein Taschenriemen, der über den Sattel gezogen wird, sei ein Schutz, sagt Schmid. Daher ärgert er sich besonders über die Freiburger Serie: "Kaum ein Delikt ist leichter zu verhindern."
Autor: Thomas Goebel



