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04. März 2011 20:02 Uhr

Regenerative Energien

Freiburger Stadtbetriebe sind atomstromfrei – fast

Wie grün ist die Green City, wenn es um ihre Eigenbetriebe und Unternehmen geht? Die Grüne Alternative Freiburg hat herausgefunden: Sie beziehen fast alle zu 100 Prozent Ökostrom – mit einer kleinen Ausnahme.

  1. Freiburger Stadtbetriebe sind atomstromfrei – fast. Foto: Fotolia.com - m.schuckart

Im vergangenen Oktober verabschiedete der Gemeinderat mit großer Mehrheit eine Resolution gegen verlängerte Laufzeiten bei Atomkraftwerken. Bei dieser Gelegenheit hatte die Grüne Alternative Freiburg (GAF) beantragt, die Stadtverwaltung solle überall dort, wo sie es beeinflussen kann, auf "atomstromfrei" umschalten. Damals wurde dieser Antrag abgelehnt mit der Begründung, er sei unnötig: Atomstromfrei sei die Stadt bereits. Nun zeigt sich: Das stimmt – fast.

Auf Anfrage der GAF hat die Stadtverwaltung den Strombezug für ihre Gebäude, alle Eigenbetriebe, städtische Unternehmen und auch Unternehmen mit städtischer Beteiligung aufgelistet. Diese Liste zeigt: Fast alle beziehen ihren Strom zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen, und zwar in bunter Tarifvielfalt von "Regiostrom" bis "Öko 100".

Wer tanzt aus der Reihe?

Aus dem Rahmen fällt lediglich die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF): Sie bezieht noch einen kleinen Teil Atomstrom. Wie das? ASF-Chef Michael Broglin: "Für den Betriebshof St. Gabriel gilt noch ein alter Tarif. Derzeit wird verhandelt, um ihn umzustellen." Aber, darauf weist Michael Broglin auch hin: Die ASF produziert mit ihren Anlagen – der Mikrogasturbine auf der Deponie und der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Betriebshofes – 50 Prozent mehr Strom aus regenerativen Energiequellen, als das Unternehmen insgesamt verbraucht. Im Vergleich steht Freiburg ökostrommäßig nicht schlecht da. Die Stadt Braunschweig etwa bezieht erst seit diesem Jahr zu 100 Prozent Ökostrom, vorher zu 60 Prozent. In Karlsruhe wird 23 Prozent Atomstrom verwendet, Heidelberg bezieht zu 80 Prozent Ökostrom.

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Freiburg ist darüber hinaus Anteilseigner des regionalen Energieversorgers Badenova. Zwar bekommen Privatkunden seit 2008 ausschließlich Ökostrom, doch verkauft Badenova an Industriebetriebe und Großabnehmer einen Strommix, der immer noch Atomstrom enthält. Im Jahr 2009 etwa bestand der Badenova-Gesamtstrommix aus 49,5 Prozent erneuerbaren Energien, 41,9 Prozent fossilen und anderen Energieträgern und 8,6 Prozent Atomstrom.

Würde man nur Geschäftskunden betrachten, betrüge der Atomstromanteil 18 Prozent. Ein Rechentrick, findet GAF-Stadträtin Monika Stein: "Die atomstromfreien Tarife werden geschaffen, indem ein größerer Anteil an Atomstrom in andere Tarife gespeist wird." Das zeige, dass die Abhängigkeit des "Konzerns Stadt" von der Atomenergie viel höher sei als gedacht. GAF-Stadtrat Coinneach McCabe: "Es ist nicht glaubwürdig, einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie zu fordern, wenn man selbst diese Energie bezieht und Handel mit ihr treibt."

Das Problem wird sich allerdings von selbst erledigen: Spätestens 2015, hat Badenova vergangenes Jahr erklärt, will der Stromanbieter komplett auf Atomstrom verzichten – auch für Großkunden.

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Autor: Philipp Gärtner und Simone Lutz