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08. November 2013 18:32 Uhr

Flickwerk

Freiburgs Flüchtlingsheime sind in sehr schlechtem Zustand

Händeringend sucht die Stadt nach Standorten für Flüchtlingsheime. Die bestehenden sind derweil in erbarmungswürdigem Zustand – und sanieren allein reicht da längt nicht mehr.

  1. Im Wohnheim an der Hammerschmiedstraße, 1992 eröffnet, wohnen zurzeit 208 Flüchtlinge. Foto: thomas kunz

  2. Wohnheim an der Hammerschmiedstraße Foto: Thomas Kunz

  3. Wohnheim an der Hammerschmiedstraße Foto: Thomas Kunz

  4. Wohnheim an der Hammerschmiedstraße Foto: Thomas Kunz

  5. Wohnheim an der Hammerschmiedstraße Foto: Thomas Kunz

  6. Wohnheim an der Hammerschmiedstraße Foto: Thomas Kunz

"Die Gebäude haben ihren Lebenszyklus überschritten", sagt Werner Hein, Leiter des Amts für Wohnraumversorgung. Die Stadt kümmert sich um notdürftigste Reparaturen, müsste jedoch die Behelfs- durch Neubauten ersetzen.

Schimmlige Bäder, feuchte Wände, morsche Holzkonstruktionen, kaputte Böden und Fenster, die Mängelliste in den Flüchtlingsheimen ist lang. In denkbar schlechtem Zustand sind alle. Dabei handelt es sich um Behelfsbauten – einfache Holzgebäude, die Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre errichtet wurden und nur für eine zehn- bis 20-jährige Nutzung gedacht waren. Länger halten die viel beanspruchten Gebäude nicht, sagt Hein.

Rund 190 Flüchtlinge leben über die Stadt verteilt in Wohnungen. Daneben gibt es vier Flüchtlingsunterkünfte: an der Bissierstraße in Betzenhausen, der Hammerschmiedstraße in Waldsee, der Hermann-Mitsch-Straße im Industriegebiet Nord und an der Straße Hagelstauden in St. Georgen. Demnächst eröffnet werden soll noch ein provisorisches Wohnheim am Schlangenweg in Herdern. Die Unterkunft Hagelstauden, wo derzeit 38 Flüchtlinge wohnen, soll – sobald es Ersatz gibt – geschlossen werden.

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Die Sammelunterkunft Bisserstraße gehört als einzige dem Land, das seit 2011 100.000 Euro in die Instandhaltung der sieben Gebäude steckte. 300.000 Euro gibt die Stadt 2013 und 2014 jeweils für Sanierungen in den Heimen an der Hammerschmied- und Hermann-Mitsch-Straße aus, vor allem für die sanitären Anlagen. Werden diese saniert, müssen für die Dauer der Bauarbeiten Badcontainer aufgestellt werden, pro Gebäude vier. Bei den Planungen, sagt Hein, habe er die 300.000 Euro-Grenze für 2013 schon überschritten, auch wenn noch nicht alle Arbeiten ausgeführt sind.

Abgesehen davon hat die Stadt für alle ihre Flüchtlingsheime ein Instandsetzungsbudget von lediglich 69.000 Euro. Eine echte Modernisierung der Gebäude an der Hermann-Mitsch- und Hammerschmiedstraße würde zwischen 4 und 5,3 Millionen kosten. Doch eine Generalsanierung in dieser Größenordnung ist nicht mehr wirtschaftlich, räumt Hein ein. Sinnvoll wären Abriss und Neubau.

Massivbauten statt Fertighäuser?

Die Stadt würde lieber in langlebiger Massivbauweise neu bauen; die städtische Wohnungsgesellschaft Stadtbau könnte die Gebäude errichten und anderweitig vermieten, wenn die Flüchtlingswelle irgendwann abebbt. Das Problem: Auf den Grundstücken Hammerschmied- und Hermann-Mitsch-Straße gibt es nur Baurecht für Fertighäuser. Für Massivbauten müssten der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erstellt werden. "Wir sind da noch im Planungsprozess", sagt Roland Meder, Büroleiter von Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Er kann deshalb auch noch nichts zu den Investitionskosten sagen.

Klar ist: Massivhäuser sind in der Anschaffung teurer, dafür aber langlebiger. "Sie kosten nicht mehr als eineinhalb mal so viel wie Container", kalkuliert Architektin Nicole Graf vom Amt für Wohnraumversorgung. Ein Wohncontainerkomplex für 70 Personen kostet zirka 1,7 Millionen Euro, zur Miete mit späterem Kauf gar 2,2 Millionen. Wenn man alle Unterkünfte neu errichtet, sind also etliche Millionen fällig. "Das klingt nach einem Langzeitprojekt", sagt Werner Hein.

Für das Heim an der Bissierstraße will das Land seine Zuständigkeit abgeben. Die Stadt muss dort deshalb auf eigene Kosten neue, größere Gebäude errichten, möglicherweise schon ab 2014. Allerdings nur Fertighäuser, da das Land das Grundstück irgendwann braucht. Eingeweiht wird im Dezember ein Wohnheim an der Mooswaldallee. Eine weiteres errichten will die Stadt an der Wiesentalstraße, wenn das Regierungspräsidium Baurecht erteilt – Nachbarn hatten Widerspruch eingelegt. Man sei zuversichtlich, sagt Hein. Vom Tisch ist vorerst der Standort Rankackerweg, dort muss die Stadt ein langwieriges Bebauungsplanverfahren anstoßen. Nicht zuletzt deshalb ist sie auf Provisorien wie am Schlangenweg angewiesen.

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Autor: Frank Zimmermann