Demo

Freiburgs Landwirte demonstrieren mit ihren Traktoren in der Innenstadt

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 20. Mai 2017 um 15:07 Uhr

Freiburg

Ungewohnter Anblick: Knapp 50 Fendts, Deutz’ und John Deeres brummen durch Freiburg. Bauern demonstrieren gegen den geplanten Stadtteil Dietenbach: Er bedrohe ihre Existenz.

Samstagmittag, 13.30 Uhr vor dem Freiburger Konzerthaus. Eine junge Frau brettert auf einem alten roten Bulldog um die Ecke. Sie kommt vom Kunzenhof in Littenweiler und will die Demo gegen den geplanten Stadtteil Dietenbach unterstützen.

Der Konvoi fährt gerade von Freiburg-St. Georgen an, vorbei an einer Schar Fahrradfahrer, die ebenfalls auf sie wartet – ein Traktor nach dem anderen, schmale Fendts, riesige John Deeres, ein Unimog. Die Polizei zählt 48 Fahrzeuge. Sie ziehen am Hauptbahnhof vorbei, auf Plakaten steht "Green City?", "Raus aus unseren Äckern", "Rettet Dietenbach".

Neuer Stadtteil gegen Wohnungsnot

Die Stadt Freiburg leidet unter Wohnungsnot und will einen neuen Stadtteil im Westen bauen. Dadurch verlieren Landwirte Acker- und Wiesenfläche. Auf rund 167 Hektar im Gewann Dietenbach sollen einmal 12.500 Menschen wohnen.

Die rund 60 Radler applaudieren und schließen sich mit dem Kunzenhof-Traktor an. Der Demonstrationszug stoppt auf dem Friedrichring. Die Polizei hat abgesperrt und leitet den Verkehr für die dreiviertelstündige Kundgebung um.

Flächenfraß und Nachhaltigkeit

Die Redner kritisieren Flächenverbrauch. Landwirtschaftliche Böden würden zubetoniert, Höfe sterben, sagt der Opfinger Bauer Erwin Wagner und fordert ein Umdenken in der städtischen Baupolitik: "Das Zauberwort heißt Nachhaltigkeit."

Gabriel Hugoniot vom Naturschutzbund Nabu meinte, Freiburg brauche gar keinen neuen Stadtteil. Martin Linser von der Bürgerinitiative "Pro Landwirtschaft", die die Demonstration organisierte, sagte, dass es nur einen Mangel an günstigen Wohnungen gebe: "Luxuswohnungen haben wir genug." Georg Löser vom Verein Ecotrinova und Freiburger Klimabündnis hält Alternativen wie zum Beispiel Nutzung von Leerstand, ökosozialem Stadtumbau und "Zusammenrücken" für ausreichend. Er kritisierte, dass es kaum Ersatzland für die Bauern gebe, und rief: "Stoppt Bauen auf der grünen Wiese!"