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19. Juni 2009

9 auf einen Streich

Freiburgs Partnerstädte präsentieren sich

Auf dem Rathausplatz können sich die Freiburger ihren Partnerstädten nähern – noch bis Samstag

  1. Junge Tänzerinnen aus der Partnerstadt Lviv. Foto: Michael Bamberger

Österreichisches Kuh-Design aus Innsbruck, iranische Emailkunst aus Isfahan und US-amerikanische Cranberrys mit Vanilleeis aus Madison: Im großen Zelt auf dem Rathausplatz zeigen seit gestern Vertreter aus den neun Partnerstädten ihre Besonderheiten. Auch die beiden befreundeten Städte Wiwili und Tel Aviv präsentieren sich noch bis Samstag, 20. Juni. Die BZ ging zum Auftakt auf Entdeckungstour.

Innsbruck

Kuhbussi gefällig, vielleicht vom Tiroler Grauvieh? So jedenfalls heißt das Bierdeckel-Quartett der bedrohten Nutztierarten, das die junge Designerin Viola Hofer mitgebracht hat – dazu gehört das "Tiroler Grauvieh". Es ist gutmütig und witterungsbeständig. "Und sie haben schöne Augen!", sagt Viola Hofer. Die Milch des besonderen Rindviechs wird zu einer speziellen Schokolade verarbeitet, mit so kuriosen Geschmacksrichtungen wie Boskop-Apfelschnaps oder Gebirgshonig.

Guildford

Jennifer Jordan aus der britischen Partnerstadt Guildford empfiehlt das Wandern in der Hügellandschaft von Surrey, die die südwestenglische Stadt umgibt. Wer etwas Ausgefalleneres sucht, kann auch mit Lamas auf Tour gehen. Und wandert Frau Jordan auch selbst? "Zu alt und zu dick", lacht die Engländerin.

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Besançon

"Die Lebensqualität", das ist die Besonderheit der französischen Partnerstadt, sagt schnell und überzeugt Dominique vom dortigen Touristenbüro. Denn die Stadt mit ihren vielen Cafés und Bars sei nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Erinnert irgendwie an Freiburg. Und mit den Festungsanlagen Vaubans besitzt sie auch noch ein Weltkulturerbe.

Madison

Mehr Sonnentage als Freiburg genieße die Stadt Madison im US-Staat Wisconsin, weiß Rick Berg. Deswegen wolle sie, ähnlich wie Freiburg, auch einmal Solarstadt werden. Trotz der Sonne hat die nordamerikanische Stadt bis vor wenigen Jahren kein öffentliches Freibad gehabt. Das ist in Madison auch nicht so wichtig: Rund um die Stadt liegen fünf große Seen, und der Lake Michigan ist keine Tagesreise weit entfernt. Für Amerikaner sozusagen "next door", direkt nebenan.

Matsuyama

"Das Meer", da ist sich Manabu Daimon
ganz sicher, ist das, was Matsuyama ausmacht. Angeln ist folglich ein beliebtes Hobby der Bewohner der japanischen Partnerstadt Freiburgs auf der Insel Shikoku. Einfach an die Küste fahren, die von der Stadt höchstens eine halbe Stunde entfernt ist, sich hinsetzen, den Sonnenuntergang beobachten – und vielleicht angeln. Ans Meer sitzen und nachdenklich sein. "Vielleicht ist deshalb Matsuyama auch eine Stadt der Haiku-Dichter", mutmaßt Daimon. Der berühmte Dichter Shiki Matsuoka ist ein Sohn der Stadt.

Lviv/Lemberg

Etwa jedes dritte ukrainische Mädchen ist in einer Folklore-Tanzgruppe, schätzen die jungen Damen am Stand von Lviv. Sie verweisen auch stolz darauf, dass es in Lviv jedes Jahr mehr als einhundert Festivals gibt. Einen Eindruck vom traditionellen Tanzen und Singen vermittelten die Mädchen der Gruppe "Pannochka", die schwingend und klatschend über die Bühne flogen. Drei bis viermal die Woche proben sie dafür nach der Schule.

Granada

Morgens Skifahren und abends an den Strand, tropische Früchte und Kaviar aus der Region – was Daniel Galan von der südspanischen Stadt verspricht, klingt mindestens so verlockend wie Schwarzwald, Dreisamufer und Spargel.

Isfahan

Es wirkt wie ein kleines Signal der Völkerverständigung: Der Stand aus dem iranischen Isfahan befindet sich ausgerechnet neben jenem aus dem israelischen Tel Aviv. Zwei Länder, die sowohl miteinander als auch innenpolitisch Konflikte haben. "Wir schultern nicht die Weltpolitik, sondern wollen gegenseitig die Lebenswelten der anderen vermitteln", erklärt Bernd Braumandl vom Freundeskreis Freiburg-Isfahan. Trotz der Unruhen nach den Wahlen im Iran sei es möglich gewesen, einen Künstler nach Freiburg einzuladen. Dieser verkauft nicht nur wunderschönes Email-Geschirr, sondern malt der Reporterin spontan eine filigrane Blume auf ihren Schreibblock.

Padua

Giorgio Salvan aus der norditalienischen Stadt Padua ist eigentlich Winzer. Viel lieber erzählt er aber Geschichten über seine Stadt. Etwa die, dass für die Juden der Stadt ganz spezielle sogenannte "ökumenische" Salami hergestellt wurden. Diese enthielten nicht Schwein, sondern Gans. Und für die Hülle der Salami wurden keine Schweinedärme, sondern die Haut der Gänsehälse verwendet.

Wiwili

In der kleinen 12 000-Einwohner-Stadt in Nicaragua haben die meisten Menschen keine Türen an ihren Häusern. Man finde deswegen viel leichter Zugang zueinander, erzählen die Mitglieder vom Freiburg-Wiwili-Verein begeistert. Das Überbrücken von Gegensätzen finde sich überall im Alltag: Als mit Freiburger Unterstützung eine Trinkwasserleitung verlegt wurde, arbeiteten dabei Polizisten in Uniform direkt neben Gefangenen.

Treffen der Partnerstädte: heute und morgen von 10 Uhr bis 18 Uhr auf dem Rathausplatz Freiburg statt. Neben den Ständen der Partnerstädte gibt es buntes Bühnenprogramm, zum Beispiel mit dem Flötisten Toru Tenda aus Matsuyama (Freitag,12 Uhr), dem israelischen "Ensemble Beryozke" (Freitag, 16 Uhr) oder einer Poesie-Lesung mit Alwyn Marriage aus Guildford (Sonntag, 14 Uhr). Das detaillierte Programm auf http://www.freiburg.de
Ein Fotoalbum von der Präsentation: www.badische-zeitung.de/fotos

Autor: Doreen Fiedler und Philipp Schnee