Sanierungsbedarf

Freiburgs Tunnel und Brücken bröckeln – doch das Geld fehlt

Beate Beule

Von Beate Beule

Do, 18. November 2010 um 10:55 Uhr

Freiburg

Bröckelndes Sicherheitsrisiko: Mehr als die Hälfte der Freiburger Brücken, Mauern und Tunnel sind so marode, dass sie dringend saniert werden müssen. Doch dafür fehlt das Geld. Auch rechnet manch einer damit, dass alles noch viel schlimmer ist.

Vermutlich ist sogar noch mehr kaputt, denn bislang hat die Stadtverwaltung erst rund ein Drittel aller Bauwerke untersucht. Um den weiteren Verfall zu verhindern, müssten jährlich sechs Millionen Euro investiert werden. Bislang sind pro Jahr jedoch nur 1,3 Millionen vorgesehen. Dabei gibt es schon jetzt einen Sanierungsstau von 20 Millionen Euro.
Interaktive Karte: Marode Brücken in Freiburg

Knapp 900 Ingenieurbauwerke gibt es in Freiburg, 410 davon sind Brücken. Erst seit einigen Jahren werden diese systematisch überprüft, davor gab es nur stichprobenartige Untersuchungen. Inzwischen schaut das städtische Garten- und Tiefbauamt (GuT) jedes halbe Jahr die Bauwerke an, alle drei Jahre wird die Unterseite inspiziert und alle sechs Jahre gibt es eine große Hauptuntersuchung, bei der jeder Rostfleck und jeder Riss dokumentiert wird.

Je mehr man sucht, desto mehr Schäden entdeckt man jedoch auch. Bereits Anfang des Jahres gab es deshalb jede Menge Hiobsbotschaften. Der Waltersbergsteg im Stadtteil Herdern musste sofort gesperrt werden, weil das Tragwerk so kaputt ist, dass es ohne Vorankündigung zusammenbrechen könnte. Auch der Deichelweihersteg und die Brücke in der Bürgerwehrstraße (beides Wiehre) entpuppten sich als völlig marode. Bei der Brücke Breisacher Straße über die Güterbahn können nur mit Hilfe von stützenden Stahlpfeilern die nächsten Jahre überstanden werden. Dann wird sowieso wegen der Stadtbahnlinie zur Messe neu gebaut.

Ganz so schlimm sieht es um den Großteil der anderen Ingenieurbauwerke in der Stadt nicht aus. Die schlechteste Note bekamen nur 1,5 Prozent der untersuchten Bauten. Kritisch wird es jedoch bereits ab einer Note von 2,5: Was im Schulnotensystem noch gut klingt, ist bei der vierstufigen Skala der Ingenieurbauwerke lediglich ausreichend: Kurzfristig muss hier dringend etwas getan werden. 45,7 Prozent der Freiburger Bauwerke fallen in diese Kategorie. Weitere 8,7 Prozent befinden sich in einem "kritischen Zustand" (ab Note 3,0).

"Da tickt eine Zeitbombe", Thoma
Mit diesem Ergebnis steht Freiburg nicht alleine da: In anderen süddeutschen Städten sieht es ähnlich aus. Bis Anfang nächsten Jahres will die Stadtverwaltung nun eine Prioritätenliste erstellen, nach der die Schäden abgearbeitet werden sollen. Dazu müsste die Verwaltung jedoch deutlich mehr Geld ausgeben als bislang: Allein um den weiteren Verfall der Brücken aufzuhalten, wären zusätzlich 4,7 Millionen Euro notwendig – dabei wackeln aufgrund der Haushaltslage schon die derzeitig vorgesehenen 1,3 Millionen Euro. Hierin ist der aktuelle Sanierungsstau von 20 Millionen Euro noch nicht eingerechnet.

"Da tickt eine Zeitbombe", sagte Grünen-Stadtrat Helmut Thoma in der jüngsten Sitzung des gemeinderätlichen Verkehrsausschusses, in der die Ergebnisse vorgestellt wurden. Jahrelang sei zu wenig getan worden, sagte SPD-Stadträtin Gabi Rolland: "Und jetzt steht man vor dem dicken Ende." FDP-Stadtrat Sascha Fiek plädierte dafür, trotz aller Sparvorgaben nicht dabei zuzuschauen, wie die Bauwerke weiter zerfallen. Denn dann werde die Schadenssumme nur immer größer – womit auch nichts gewonnen sei.

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