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02. Dezember 2013 19:39 Uhr

Siegesdenkmal

Für das neue Motel One in Freiburg müssen einige Betriebe weichen

15 Millionen Euro investiert die Kette Motel One in Freiburg. Dem geplanten Hotel am Siegesdenkmal mussten etliche Betriebe weichen – bald auch noch ein Traditionsgeschäft. Das schließt nach 93 Jahren.

  1. Der Bürobau an der Ecke Habsburgerstraße / Friedrichring und auch das kleinere, rot gestrichene Haus der Familie Stilz links daneben werden abgerissen. Dafür entsteht ein Budget-Hotel mit 210 Zimmern. Foto: Thomas Kunz

Rund 15 Millionen Euro als Investitionssumme waren veranschlagt für das neue Motel-One-Gebäude an der Ecke Habsburgerstraße / Friedrichring. Dahinter steckt einmal mehr der Freiburger Immobilienentwickler Peter Unmüßig. Dann gab es Probleme mit der Genehmigung. Unmüßig erwarb in der Folge das benachbarte Geschäftshaus der Familie Stilz hinzu. Deren Laden schließt nun demnächst – nach 93 Jahren. Viele andere Mieter sind schon weg. Was Unmüßig der Stilz-Deal gekostet hat, bleibt geheim. Die Verhandlungen waren aber wohl hart.

"Der Herr Unmüßig ist hier auf dem Stuhl gesessen und hat mir ein Angebot für das Haus gemacht", erzählt Gisela Stilz und zeigt auf das Sitzmöbel neben ihr. Die 86-Jährige arbeitet noch immer im Geschäft, das ihre Schwiegereltern 1920 eröffnet haben. Sie tut dies seit rund 60 Jahren.

Der Laden der Familie Stilz war kein Schnäppchen

Auf Unmüßigs erste Offerte hin habe sie nur lachen können, berichtet die zart gebaute Dame. So komme man wohl nicht zusammen, habe sie gesagt. "Wir mussten ja nicht verkaufen – und er brauchte das Haus unbedingt für das Hotelprojekt", schildert sie die Ausgangssituation des Immobilienpokers, der sich ein halbes Jahr hinzog. Am Ende stand ein Notartermin – über den Kaufpreis verliert die gewiefte Geschäftsfrau indes kein Wort. Gemeinsam mit ihrem Sohn Dieter Stilz (66) führt sie den Laden im Erdgeschoss des Friedrichrings 3, wo es Elektrogroßgeräte für den Haushalt zu kaufen gibt.

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Die zwei verbliebenen Mitarbeiter – zu Hochzeiten seien es einst sieben gewesen – müssen sich nach dem 20. Dezember eine neue Arbeit suchen. Dieter Stilz selbst braucht eine neue Unterkunft. Er ist der letzte verbliebene Bewohner des Hauses, das in den Obergeschossen eine Anwaltskanzlei und drei Wohnungen beherbergt hat. Gisela Stilz lebt schon seit längerer Zeit woanders. "Bis 20. Dezember haben wir noch Räumungsverkauf", erzählt sie. Dann sei endgültig Schluss. "Das tut schon ein wenig weh", schiebt sie etwas zerknirscht hinterher. Peter Unmüßig hatte zu dem Stilz-Deal gesagt: "Ein Schnäppchen ist das nicht gewesen."

Pläne drohten zu kippen

Am Montag hat laut Stadtverwaltung die erneute Offenlage des Bebauungsplans für das Projekt begonnen. Die Verwaltung hatte die ersten Pläne Unmüßigs abgelehnt. Mit dem Kauf des Stilz-Hauses ist das als K.-o.-Kriterium geltende Abstandsproblem zum Nachbargrundstück vom Tisch – und auch die nötige Hotel-Tiefgaragenzufahrt über den Röderhof dürfte, so Gisela Stilz, für Unmüßig planungstechnisch nun in trockenen Tüchern sein.

Ansonsten sind laut Firma Unmüßig alle Mieter weg. Der Buchclub habe Freiburg ganz den Rücken gekehrt, der Computerladen habe Insolvenz angemeldet, die Ergo-Versicherung sei umgezogen (in die Konrad-Goldmann-Straße 8), ebenso das Jura-Repetitorium Alpmann & Schmidt (in die Wentzingerstraße 19). Wenn nun alles glattgeht, sollen laut Unmüßig die Bauarbeiten für das Budget-Hotel mit 210 Zimmern im Juli beginnen.
Motel One

Im Jahr 2000 wurde das erste Motel One in München eröffnet. Die Hotelkette ist mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien, Großbritannien und Österreich vertreten. Aktuell hat sie 45 Hotels, knapp 10.000 Zimmer und beschäftigt eigenen Angaben zufolge mehr als 1000 Mitarbeiter.

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Autor: Holger Schindler