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02. Februar 2012 11:47 Uhr

Tierschutz

Stadttheater verzichtet auf Einsatz von lebenden Vögeln

Erst ist der Schwan davongeflogen, in der Oper "Lohengrin" – dann entspann sich eine Debatte um den Einsatz von lebenden Tieren im Freiburger Stadttheater. Jetzt folgen Konsequenzen.

  1. Auftrittsverbot – auch für Hühner Foto: Kunz

Das Theater Freiburg wird ab sofort keinen lebenden Schwan mehr in der Wagner-Oper "Lohengrin" auftreten lassen. Grund für seine Entscheidung ist ein Vorfall in der Vorstellung am vergangenen Donnerstag – der zweiten von sechs Aufführungen –, als der von einer professionellen Tiertrainerin betreute Vogel von der Bühne flatterte und unverletzt im Orchestergraben landete. Auch ein Auftritt von 25 lebenden Hühnern, die in einer Szene von Elfriede Jelineks "Winterreise" (Premiere ist am Samstag) auftreten sollten, wurde gestrichen. Nach dem Vorfall mit dem Schwan sei das Risiko zu groß, dass die künstlerische Intention der Szene – die Darstellung von Unkontrollierbarkeit – nicht aufgehe, so Dramaturgin Jutta Wangemann.

"Das Tier stand unter Stress"

Bei den einen löste der davon flatternde Schwan Vergnügen aus, bei anderen ernste Besorgnis. Am Tag nach der Aufführung hätten viele Menschen, darunter auch verärgerte Theaterbesucher und Orchestermitglieder, bei ihnen angerufen und sich beschwert, sagt Tierheimleiterin Tina Majdecki. Die Tierschützerin findet den Bühnenauftritt des Schwans bedenklich: "Trainerin hin oder her, das Tier hat Angst, wenn es laut und ungewohnt ist." Rathaussprecherin Edith Lamersdorf sagt, dass die Veterinärbehörde keine gravierenden Verstöße festgestellt habe, sagt aber auch: "Das Tier stand unter Stress." Die städtische Behörde, die den weiteren Einsatz der Vögel untersagt hätte, wenn die Theaterleitung ihr nicht zuvor gekommen wäre, hat nun als Folge des Vorfalls mit dem Schwan schriftlich darauf hingewiesen, dass Vögel, speziell Schwäne und Hühner, nicht mehr auf der Bühne eingesetzt werden sollten. Es könne bei ihnen zu Panikreaktionen kommen und sie könnten dann nicht mehr beherrschbar sein. Dies gelte – je nachdem, wo und wie sie auftreten – aber nicht für gut dressierbare Tiere: "Ein dressierter Hund könnte in einem Schauspiel schon noch auftreten, solange der Auftritt in einem kleinen Rahmen bleibt", sagt die städtische Pressesprecherin Edith Lamersdorf: "Aber auf keinen Fall mehr Vögel oder Hühner in der Oper."

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Tiertrainerin Tatjana Zimek widerspricht dieser Einschätzung: Der Schwan sei keineswegs gestresst gewesen, "er war seelenruhig und hat nicht mal geschnauft". Nichts Angst habe das Tier Reißaus nehmen lassen (in der betreffenden Szene geht der Chor singend auf den Schwan zu); schließlich habe sie es mehrere Wochen intensiv auf die spezielle Bühnensituation und die Musik vorbereitet. Vielmehr habe der Schwan sich bedrängt gefühlt, weil sich der Chor ihm zu schnell genähert habe, vermutet Zimek. Sie bedauert die Entscheidung der Theaterleitung: "Die Arbeit mit dem Schwan hat sehr viel Energie gekostet." Sie sei aber die Letzte, die etwas durchboxe: "Wenn ich merke, dass ein Tier sich nicht wohl fühlt, sage ich ,Stop’." Zimek weist darauf hin, dass sie eine gewerbliche Genehmigung habe und ihre 120 Tiere, die europaweit für Theater- und Filmarbeiten eingesetzt werden, sich auf ihrem Hof in der Nähe von Karlsruhe völlig frei bewegen.

"Wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass der Schwan entspannt stehen bleibt, ist die Gefahr für Mensch und Tier zu groß." Bettina Birk
Bettina Birk, Pressesprecherin des Theaters, begründet die Entscheidung mit der Verletzungsgefahr: "Wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass der Schwan entspannt stehen bleibt, ist die Gefahr für Mensch und Tier zu groß." Dass das Tier auf jeden Fall ruhig stehen bleibt, wollte Tiertrainerin Zimek nicht garantieren. Natürlich könne es passieren, dass ein Vogel wegspringe oder -fliege; dies gelte auch für die 25 Hühner, die in Joachim Schlömers Inszenierung von Jelineks "Winterreise" mitwirken sollten. Die Folge: Nicht nur der Schwan, sondern auch die Hühner wurden von ihren Aufgaben entbunden; die geplante Szene wurde gestrichen. BZ-Informationen zufolge war Regisseur Schlömer nicht angetan. "Lohengrin"-Regisseur Frank Hilbrich bedauert, dass der Schwan nicht in der Inszenierung bleiben konnte; angesichts der Schwierigkeiten sei dies "leider unmöglich". Es werde derzeit noch diskutiert, wie er ersetzt werde. "Entscheidend bleibt, dass das dargestellte Bild eine Metapher der Mystik und der Hoffnung ist." Der lebende Schwan sei "eine durchaus spektakuläre Möglichkeit" gewesen, dies darzustellen.

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Autor: Frank Zimmermann