11. Mai 2010
Waldhof in Littenweiler: Geheimtipp hinter Bäumen
Der "Waldhof" feiert die Tatsache, dass es ihn seit 60 Jahren gibt, mit einem Tag der offenen Tür.
Hinter den höchsten Mammutbäumen der Stadt und anderen Baumdenkmalen ist sie kaum zu sehen. Vielen gilt die 1897 für den Berliner Fabrikanten und Kommerzienrat Rudolf Henneberg gebaute herrschaftliche Villa am Hang über Littenweiler deshalb als Freiburgs "ältester Gehimtipp". Seit sechs Jahrzehnten nämlich ist hier "der Waldhof" ein Ort, wo Menschen zusammenkommen und fürs Leben gern lernen.
"Es gibt uns immer noch", sagt Waldhof-Leiter Karl Kunibert Schäfer, "und das ist gar nicht selbstverständlich." Denn die Zeiten haben sich gewandelt. Und mit ihnen diese Einrichtung, die 1950 unter der Bezeichnung "Volksbildungsheim" begann. Vor zehn Jahren wurde daraus der Name "Waldhof – Haus der Weiterbildung und Begegnung". Mittlerweile ist auch der Zusatz "Begegnung" weggefallen. Zu groß, lächelt Karl Kunibert Schäfer, sei die Verwechslungsmöglichkeit mit einer Seniorenbegegnungsstätte gewesen.Und das will der Waldhof wahrlich nicht sein, auch wenn die etwa 5000 Gäste pro Jahr überwiegend zur Generation "50 plus" gehören. Doch es kommen auch Jüngere, vor allem zu den Kreativ-, Tanz- und Musikkursen, zu den Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer, zur Weiterbildung unterschiedlichster Berufsgruppen. "Die Leute halten sich gern hier auf, weil sie hier finden, was sie suchen: einen Ort der Ruhe." Dafür sorgt nicht zuletzt eine Vielfalt von mehr als drei Dutzend Bäumen, Büschen und Sträuchern – das Arboretum, ein Baumlehrpfad im Park rund um die alte Villa.
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Wie die Bäume sich im Laufe der Zeit verändert haben, hat auch der Waldhof immer wieder versucht, sich dem gewandelten gesellschaftlichen Umfeld anzupassen. Als die Menschen in den 1950er und 1960er Jahren Wissen aufholen wollten, ging’s um reine Wissensvermittlung in Vorträgen.
In den nächsten beiden Jahrzehnten stand die Persönlichkeitsbildung im Vordergrund. Seit 1990 nun beobachtet Karl Kunibert Schäfer ein bis heute anhaltendes Interesse an philosophischen und theologischen Themen, an spirituellen Fragen. Begleitet von der Neugier auf allgemein verständlich vermittelte neueste Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften. "Je spezieller, umso interessanter", erfährt der Waldhof-Leiter und sagt: "Bei allen Verschiebungen im Angebot war uns seit Beginn bis heute durchgängig wichtig, immer Kopf, Herz und Hand anzusprechen, also den ganzen Menschen."
Und der lässt sich offensichtlich auch gern vom Essen der hauseigenen Küche sowie von den Übernachtungsmöglichkeiten in der Villa und im 1984 erbauten Gästehaus ansprechen (41 Einzel- und sieben Doppelzimmer). Um das geistige und leibliche Wohl der Gäste kümmern sich im Waldhof 15 Frauen und Männer, acht davon als Hauptamtliche. Finanzieren muss der Waldhof seinen Jahres-Haushalt in Höhe von etwa 650 000 Euro zu zwei Dritteln aus Kursgebühren, Übernachtungen, Tagungen. Zum Leidwesen von Karl Kunibert Schäfer nämlich zahlt nur das Land Baden-Württemberg etwa ein Drittel des Etats als Zuschuss. "Ein grundlegendes Missverständnis" nennt der Leiter jedenfalls die Beurteilung des Waldhof durch die Stadt Freiburg als "private Schule" – und weil es hier keine eingeschriebenen Schüler gibt, gibt’s eben auch keine städtische Förderung. Dennoch soll’s im Waldhof weitergehen. Zum Beispiel mit einer Reihe "Neues Denken". Und seinen Sechzigsten zu feiern, lässt sich der "Geheimtipp" auch nicht nehmen: mit einem Festakt am 12. und einem Tag der offenen Tür am 16. Mai.
Autor: Gerhard M. Kirk




