ÖPNV

Freiburger Gemeinderat ist einstimmig für das Kurzstreckenticket

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Mi, 12. Dezember 2018 um 14:43 Uhr

Freiburg

Ab August 2019 sollen drei Stationen mit Bahn oder Bus 1,50 Euro kosten. Mehrere Fraktionen fordern jedoch Nachbesserungen. Ein Vorschlag: Das Ticket soll auf vier Stationen ausgeweitet werden.

Der Freiburger Gemeinderat hat am Dienstag für die Einführung eines Kurzstreckentarifs gestimmt. Damit schließen sich die 48 Stadträtinnen und Stadträte dem Regio-Verkehrsbund Freiburg an. Dieser will seinen Kunden ab August 2019 ermöglichen, bei einer Strecke von drei Stationen mit Bus oder Straßenbahn 1,50 Euro zu zahlen (BZ berichtete).

Bisher gibt es in Freiburg kein solches Ticket für Kurzfahrten. Ein Einzelfahrschein der Stufe 1 kostet bisher 2,30 Euro. "Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass wir das überhaupt schaffen", freute sich Stefan Schillinger von der SPD-Fraktion. Er hoffe, dass mit dem neuen Ticket auch neue Nutzer gewonnen werden.

Das bezweifelt Michael Moos, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Listen (UL). Er sei zwar froh, dass es diesen überfälligen Schritt jetzt gebe, sieht aber Nachholbedarf, besonders bei der Anzahl der für das Ticket geltenden Haltestellen. Deswegen hat die UL zusammen mit der Fraktionsgemeinschaft Junges Freiburg, PARTEI, Grüne Alternative (JPG) die Stadtverwaltung beauftragt zu prüfen, ob man das Kurzstreckenticket nicht auf Fahrten für vier Stationen ausweiten könne.

"Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber unser Ziel muss sein, dass Bus und Bahn für die Leute langfristig attraktiv ist", sagte JPG-Stadträtin Monika Stein. Auch Martin Kotterer (CDU) findet die Einführung richtig, warnt aber davor, dass das Ticket bei einigen Kunden, die kurze Strecken fahren, die länger als drei Stationen sind, zu Enttäuschung führen könne.

"Das Ticket ist vernünftig, aber Begeisterung tritt bei mir nicht ein", sagte Grünen-Stadtrat Timothy Simms. Denn zum Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr werde das neue Angebot die Leute nicht animieren. Er warf die Frage auf, ob die Kostenaufteilung zwischen Stadt sowie den beiden Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen mit 90 zu zehn Prozent fair sei. Gerlinde Schrempp von Freiburg Lebenswert sieht darin auch ein Missverhältnis. Das Ticket sei ein Geschenk des Oberbürgermeisters zu Lasten des städtischen Haushalts, sagte sie mit Blick auf knapp 600 000 Euro, die jährlich durch Zuschüsse gedeckt werden müssten. "Wir stimmen nur mit Skepsis zu", betonte sie.

Ebenfalls nur halbherzig sei die Zustimmung bei den Freien Wählern, erklärte Johannes Gröger. Er glaube nicht, dass viele Neukunden gewonnen werden. Stattdessen würden einige Pendler künftig mit dem Auto in die Nähe einer Haltstelle fahren, um dann drei Stationen zu nehmen, so Gröger. FDP-Stadtrat Sascha Fiek sieht in dem Ticket nur eine Übergangslösung. Er plädiert für die Einführung eines digitalen Tarifsystems, das auch ermöglicht, pro Station jeweils eine andere Summe zu zahlen. OB Martin Horn sagte, dass er für Nachjustierungen offen sei. "Das Ticket ist keine Mobilitätsrevolution, sondern ein wichtiger Bestandteil", so Horn.