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16. Dezember 2009 21:37 Uhr

Lärmminderung

Gemeinderat schnürt großes Tempolimit-Paket

Am Ende hat es nur die drei Gegenstimmen der drei anwesenden FDP-Stadträte gegeben. Der Gemeinderät verabschiedete das große Tempolimit-Paket – und bezog gleich noch die Paduaallee mit ein.

  1. Tempo 30 – der Freiburger Gemeinderat bremst Autofahrer aus. Allerdings nur nachts. Foto: Norbert Sedlak

Von Mitte 2010 an soll in Freiburg auch auf Abschnitten von Bundesstraßen nachts Tempo 30 gelten, auf der Paduaallee ganztags Tempo 60 statt 80. Das Regierungspräsidium muss den Freiburger Plänen noch zustimmen – in Freiburg geht man davon aus, dass dies geschieht.

Grüne, CDU, SPD, Unabhängige Listen, Freie Wähler und Grüne Alternative waren sich einig: Freiburg braucht mehr Lärmschutz.

Deswegen sollen Autos und Lkw gebremst werden: Unter anderem nachts zwischen 22 und 6 Uhr auf der B31 an den Dreisamuferstraßen auf Tempo 30, tagsüber auch auf dem Zubringer-Mitte gestaffelt von Tempo 100 bis Tempo 50. Nachträglich wurde nun auch die Paduallee auf Antrag von fünf Ratsfraktionen noch ins Brems-Programm aufgenommen: Zwischen dem Zubringer-Mitte und dem Gescheidsteg zwischen Landwasser und dem Stadtteil-Mooswald soll die Geschwindigkeit ebenfalls gedrosselt werden.

INTERAKTIVE KARTE TEMPOLIMIT

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"Unsere Stadt soll leiser werden", gab Grünen-Stadtrat Helmut Thoma als Losung aus. Er hofft, dass das Regierungspräsidium die Freiburger Pläne absegnet – er sieht gute Chancen: "Man hat den Eindruck, dass das Regierungspräsidium bereit ist zu helfen".

Das Projekt Lärmschutz durch Tempolimit stehe und falle mit der Überwachung – so sieht es der Grüne Thoma und dem pflichtete auch CDU-Stadtrat Hansjörg Sandler bei. "Wir müssen die Akzeptanz der Bevölkerung suchen", meinte Sandler mit Blick auf die bereit geäußerte und noch zu erwartende Kritik am Freiburger Vorstoß.

Die SPD fordert, dass ein noch weitergehendes Konzept für Tempo 30 erarbeitet wird, sowie weitere Verkehrsberuhigung. "Und das Amt für öffentliche Ordnung muss so ausgestattet sein, dass der Verkehr auch wirklich überwacht werden kann", so Stadträtin Gabi Rolland.

Noch nicht das Ende

Hendrijk Guzzoni (Unabhängige Listen) nimmt für sich selbst aus übergeordneten Lärmschutzgründen einen um 30 bis 40 Sekunden längeren Weg zur Arbeit in Kauf. Auf Antrag der UL sollen bei der zweiten Phase des Lärmaktionsplanes die Bürger noch mehr beteiligt werden: "Die Stadt Essen hat da gute Erfahrungen gemacht".

Für Lärmschutz ist auch die FDP – allerdings bezweifelt Stadtrat Sascha Fiek, dass die Tempolimits die erhoffte Entlastung bringen: "Wer mit niedriger Drehzahl langsam in einem niedrigen Gang fährt, ist lauter als der 50 im vierten Gang fährt", meinte Fiek, von Beruf Fahrlehrer: "Der Lärm hängt sehr von der Fahrzeugbedienung ab". Und er sieht beim Tempolimit auf dem Zubringer-Mitte auch Probleme mit der Glaubwürdigkeit: Weil hier nicht genügend Dezibel erreicht werden können, wurden als neues Argument verkehrliche Gründe aus dem Hut gezaubert – obwohl es offenbar gar keine verkehrlichen Probleme gebe: "Die Verwaltung hat da einfach mal gewürfelt", meinte der FDP-Stadtrat.

Das Tempolimit ist das Herzstück eines Lärmaktionsplanes, der aufgelegt worden ist. Danach sind in Freiburg 23 800 Menschen, die von Lärm an Hauptverkehrsstraßen belastet sind, 3400 davon mit über 70 Dezibel. Zum Vergleich: Das ist in etwa die Lautstärke, die ein Staubsauger in einem Meter Entfernung verursacht. Durch Bahnlärm sind knapp 67500 Freiburgerinnen und Freiburger belastet.

Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen ist bislang nicht weit verbreitet – eine Ausnahme bildet Berlin, wo die Regelung nach Ansicht der Stadt gut funktioniert.

Autor: Joachim Röderer (aktualisiert)