Gemeinderat verabschiedet Paket für Kinderbetreuung

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mi, 19. Oktober 2011

Freiburg

Ein Riesenpaket zum weiteren Ausbau der Betreuung von Krabbelkindern hat der Gemeinderat gestern einstimmig beschlossen. Allerdings ist die vorgegebene Betreuungsquote von 36 Prozent im nächsten Jahr nur mit einem Rechentrick zu erreichen.

Künftig sollen hundert Plätze in Spielgruppen in die Berechnung einfließen. In letzter Sekunde konnte die Rathausspitze einen Konflikt um eine geplante Kita an der Schwimmbadstraße entschärfen. Ein Gutachten soll klären, ob mit Verkehrsproblemen zu rechnen ist.

Der Protest gegen die "Casa dei Bambini", wo das Montessori-Zentrum Angell 30 Krabbel- und 60 Kindergartenkinder unterbringen will, hatte sich bereits in den Sommerferien erhoben. Die Nachbarn halten die Villa, in der einst der frühere Oberbürgermeister Eugen Keidel und seine Frau lebten, für ungeeignet. Und der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre kann sich nicht vorstellen, wie der Bringverkehr morgens in der kleinen Sackgasse funktionieren soll.

Die Fraktionen von CDU, SPD, Freien Wählern und FDP waren alarmiert und verlangten in Anträgen die Vorlage des Verkehrsgutachtens. Annette Schubert, Referentin des Oberbürgermeisters und Frau für schwierige Fälle, schaltete sich daraufhin ein und unterbreitete einen Vorschlag: Die Erzieherinnen müssen in der Hochgarage des Angell-Zentrums an der Kronenstraße parken. Und die Eltern sollen sich verpflichten, das Parkhaus zu nutzen, wenn sie ihre Kinder bringen. FDP-Fraktionsvorsitzender Patrick Evers bezweifelte, dass das in der Praxis funktioniert: "Die Bauverwaltung wird viel Spaß damit haben, die Einhaltung der Vorschrift zu kontrollieren."

Die "Casa dei Bambini" ist ein wichtiger Stein im Ausbauplan für Betreuungsplätze für die Unterdreijährigen. 36 Prozent von ihnen sollen zum 31. Dezember 2012 einen Platz haben, lautet die politische Maßgabe. 39 Prozent sollen es im Folgejahr sein, wenn zum 1. August ein Rechtsanspruch gilt. "Aber die Nachfrage ist so gigantisch, dass wir kaum nachkommen", sagt Abteilungsleiter Hans-Georg Thiele vom städtischen Amt für Kinder, Jugend und Familie.

Das liegt zum einen am Geburtenboom im vergangenen Jahr: 288 Kinder mehr als statistisch prognostiziert kamen in Freiburg auf die Welt. Zum anderen ist der Bedarf an Betreuungsplätzen größer als erwartet: In der jüngsten Elternumfrage gaben 60 Prozent an, sie benötigten einen Platz für ein Kind im Alter bis drei Jahren (die BZ berichtete). Das wären knapp 1300 Plätze mehr als die bislang angepeilten 39 Prozent. Und die werden schon schwer zu erreichen sein.

Wie auch die 36 Prozent fürs nächste Jahr. Ursprünglich sollten 250 neue Krippenplätze für dieses Ziel genügen. Doch den neuesten Statistiken zufolge läge die Versorgungsquote dann bei nur 33,6 Prozent. Nimmt man 102 Plätze in sogenannten Betreuten Spielgruppen dazu, die bislang nicht berücksichtigt wurden, weil sie nur eine Betreuung bis maximal 15 Stunden pro Woche bieten, dann steigt die Quote auf 35,2 Prozent. Werden weitere 50 Krippenplätze eingerichtet, ist die avisierte Quote von 36 Prozent erfüllt.

"Die Nachfrage
ist gigantisch."

Hans-Georg Thiele,
Amt für Familie
Allerdings: Die 102 Plätze in Betreuten Spielgruppen sind belegt. Sie neuerdings einzubeziehen, erhöht zwar die rechnerische Betreuungsquote, verringert aber nicht das Problem. Andererseits: In der Elternumfrage haben nicht wenige angegeben, dass dieses Angebot für sie passt. Ihre Kinder sind also durchaus versorgt, wie gewünscht.

Zwölf Millionen Euro sieht der Haushaltsplan im nächsten Jahr für die Betreuung der Unterdreijährigen in Krippen, Kindergärten, Tagespflege und Spielgruppen vor. Nach Lage der Dinge werden es 114 000 Euro mehr. Im Jahr 2013, in dem laut Beschluss von gestern weitere 130 Krippenplätze geschaffen werden sollen, werden es dann 16 Millionen Euro sein. Doch das Sozialdezernat denkt jetzt schon über eine "Anpassung des bisherigen Ausbauziels" nach. Und ist sich darin einig mit dem Gemeinderat.