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16. September 2009

Wahlserie "Stimmen 2009"

Gernot Erler tankt Kraft im Sternwald

BZ-Serie "Stimmen 2009" (4): Unterwegs mit dem Bundestagskandidaten und Staatsminister Gernot Erler (SPD)

  1. Frühsport: Staatsminister Gernot Erler macht Liegestützen im Sternwald. Foto: Michael Bamberger

Die SPD setzt auf den Endspurt. Auch Gernot Erler, Staatsminister im Auswärtigen Amt und Freiburger Bundestagsabgeordneter, drückt aufs Gas. Auf den letzten Metern der frühmorgendlichen Joggingrunde durch den Sternwald stürmt er geradezu zurück zum Ausgangspunkt an der Brücke beim Wiehrebahnhof. Wann immer es geht, beginnt Erler den Tag mit einer Laufrunde. Konditionell steht er gut da – aber auch politisch, so hofft er. Er will das Rennen um das Freiburger Direktmandat für Berlin auch dieses Mal gewinnen.

BZ: Was bedeutet das für Sie, den Sternwald so nah vor der Haustür zu haben?
Gernot Erler: Ich habe das Privileg, nah an der Innenstadt und nah am Wald zu wohnen. Der Sternwald ist meine Erholungslandschaft, nach der ich mich auch überall, wo ich hinkomme, zurücksehne. Weil ich immer die gleiche Strecke laufe, ist das Laufen automatisiert, ich kann so sehr gut Gedanken und Probleme verarbeiten.

7.30 Uhr, Richard-Kuenzer-Straße in der Wiehre. Hier im neuen Wohngebiet in der Oberwiehre lebt Gernot Erler. Die Joggingstrecke im Sternwald liegt also direkt vor der Haustür. Es ist der Montagmorgen nach dem Kanzlerduell im Fernsehen und einem Laufwettbewerb in Freiburg. "Die Rieselfeldmeile steckt mir noch ein bisschen in den Knochen", berichtet Gernot Erler. Zum achten Mal hat er an dem Lauf teilgenommen. Am Ende durfte er auf der Bühne noch dem ältesten Teilnehmer die Urkunden überreichen – und auch den langsamsten. Im Sternwald beginnt er mit ein paar Dehnungsübungen und 30 Liegestützen, die an diesem Morgen vom BZ-Fotografen festgehalten werden. Eine Spaziergängerin mit Hund grüßt freundlich und schaut staunend herüber. "Das sind die Dreharbeiten für den neuen James Bond", scherzt der Staatsminister, dem jetzt schon die ersten Schweißperlen auf der Stirn stehen. Und los geht’s – mit Tempo erst bergauf, dann wieder bergab zum Waldsee, der an diesem Morgen einsam im Nieselregen liegt. "Schwitzen Sie wenigstens auch ein bisschen?", fragt der Staatsminister nach hinten zum Reporter, der ihm nur mit Mühe auf den Fersen bleibt.

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Als Abgeordneter im Wahlkampf kann man keine Zeit verlieren: Ein Termin jagt den nächsten. Als Staatsminister absolviert Erler Termine zwischen Oldenburg und Lörrach. Am Sonntag war er erst in Schönwald im Schwarzwald, dann sprintete er durchs Rieselfeld, gratulierte der neuen Kaiserstühler Weinprinzessin in Opfingen und sah sich abends in der "Burse" mit Genossen das Kanzlerduell an.

BZ: Waren Sie mit dem Auftritt Ihres Chefs zufrieden?
Erler: Bundesweit scheint es gelungen zu sein, die Unentschlossenen zu überzeugen. Anscheinend haben es Steinmeier die meisten nicht zugetraut – für mich war es keine Überraschung. Wichtig ist, dass dadurch nun auch die eigenen Leute wieder motiviert werden.

Von einem Wahlsieg der SPD will Gernot Erler als Realist nicht reden. Schwarzgelb zu verhindern, das sei möglich. Es sei taktisch richtig, als Ziel auszugeben, dass an der SPD vorbei keine Regierung gebildet werden kann.

Der Laufweg führt vorbei an der Weißer-Felsen-Hütte. Hier sitze oft ein Gitarrespieler, erzählt Gernot Erler en passant. An der Bahnbrücke folgt noch eine Einheit Liegestützen. "Ich bin ein Rotgrüner", so Erler. Deswegen schmerzt ihn, den linken SPDler, auch die Erststimmenkampagne der Grünen in Freiburg, durch die das Rennen offen wird. Erler kämpft. "Dass es für mich als Titelverteidiger schon irgendwie klappen wird, darauf will ich mich nicht verlassen." Es gehe zur Sache – auch weil am Ende ein mögliches Freiburger Überhangmandat für die CDU die Wahl mitentscheiden könne.

Zum Erholen geht es langsam zu Fuß zurück nach Hause. Durch das Arbeitszimmer aus Arve (Zirbelkiefer) geht es eine Treppe hoch. Lebensgefährtin Marion Jegal wartet mit dem Frühstück. Vorher zeigt Gernot Erler noch drei vom Balkon aus sichtbare Sehenswürdigkeiten: das Wasserschlösschen, den Schlossbergturm und die Windräder auf dem Rosskopf.

BZ: Was treibt Sie an, weiter Politik zu machen?
Erler: Es gibt viele schwierige Themen, die noch nicht erledigt sind: Afghanistan, Iran, das Verhältnis zu Amerika, Klima- und Energiefragen – ich habe das Gefühl, da kann ich mit meiner Erfahrung noch etwas beitragen. Auch bei den regionalen Themen wie drittes und viertes Gleis und Stadttunnel will ich mein Gewicht einbringen.

In der Wahlnacht 2005 hatte er angekündigt, keinesfalls Angela Merkel wählen zu wollen. Er glaube nicht, räumt er offen ein, dass er das wiederholen werde. Er habe mit der Kanzlerin keine schlechten Erfahrungen gemacht. Er ist, wenn der Außenminister unterwegs war, als Steinmeiers Vertreter im Kabinett oft neben ihr gesessen. Merkel habe es verstanden, in den Kabinettssitzungen eine Team-Atmosphäre zu schaffen. "Das macht sie respektabel", lobt Erler.

Autor: Joachim Röderer