Geschichtrallye mit Tablets

Freiburger Schüler erkunden mit der Landeszentrale für politische Bildung Freiburgs Weltkriegs-Geschichte

Konstantin Görlich

Von Konstantin Görlich

Do, 07. Mai 2015

Freiburg

Schüler erkunden mit der Landeszentrale für Politische Bildung Freiburgs Weltkriegs-Geschichte.

Philipp Faller und die Brüder André und Nicolas Apsel sind am Mittwoch in Freiburg unterwegs. Die 16-jährigen Zehntklässler von der Hansjakob-Realschule haben ein iPad und einen Umschlag mit Papier und Stiften dabei. Sie erkunden nicht nur Freiburg – das kennen sie schon – sondern auch die Geschichte der bundesdeutschen Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg. "Wir hätten gedacht, dass es langweiliger ist", gibt André zu.

Die Tab-App-Rallye ist ein Projekt der Landeszentrale für Politische Bildung (LPB). "Mit den iPads ist es möglich, regionale Ereignisse und Geschichts-Orte zu erleben und sie in den globalen Zeitstrahl einzuordnen", umreißt Thomas Waldvogel das Projekt. Der 29-Jährige ist Fachreferent bei der LPB und hat die 21-köpfige Klasse am Morgen zur Rallye begrüßt. Nach Kennenlern- und Einführungsrunden im Stuhlkreis ging es in sieben Gruppen direkt auf die Straße und damit in die Geschichte der Stadt.

Philipp, André und Nicolas haben eine Tour zugelost bekommen, die sich um die Nachkriegszeit dreht. Das iPad weist mit einer Karte den Weg zum Rathausplatz. Hier befindet sich die erste Station, wo ein Wahlplakat gestaltet werden soll, was auch bei der ersten freien Wahl nach dem Krieg hätte hängen können. Andere Gruppen beschäftigen sich mit der Judenverfolgung oder dem Bombenangriff auf Freiburg. Später trifft sich die Klasse im Seminarraum der LPB wieder, um die Ergebnisse zusammenzutragen und die Rallye gemeinsam auszuwerten.

"Manchmal sind die Fragestellungen etwas verzwickt", kritisiert Philipp die App, die es natürlich nicht zulässt, Antworten nachträglich zu verbessern. Es sei nicht immer klar, was genau falsch war, wenn es keine Punkte gibt. Aber das kommt selten vor. Die Jungs kennen sich in Grundgesetz und Nachkriegszeit offensichtlich bestens aus.

Das Projekt verbindet historisch-politische Bildungsarbeit mit dem Mediennutzungsverhalten der Jugendlichen. Volker Druba findet es cool. Der 41-Jährige ist der Geschichtslehrer der Rallye-Klasse. "Zwischen Abschlussprüfungen und Pfingstferien ist etwas Erlebnisorientiertes ein guter Unterrichtsbaustein", meint er. Ansonsten sei das Smartphone in der Lehre noch nicht angekommen. "Da geht es eher um Aufklärung, Stichwort Cybermobbing. Im Klassenraum bringt es keinen Mehrwert, draußen schon."

Dort haben die Jungs inzwischen die Kaiser-Joseph-Straße überquert – mit unbekanntem Ziel. Das iPad verrät jetzt nur Entfernung und Richtung zum nächsten Checkpoint. Ist es das Münster? Beinahe. Beim historischen Kaufhaus am Münsterplatz geht es weiter, hier tagte bis 1951 das Parlament des Bundeslandes Baden.

Nach etlichen weiteren Fragen zum Grundgesetz befindet die Gruppe, es sei Zeit fürs verdiente Mittagessen. Die Begeisterung hält an. "Und wir haben deswegen nachher kein Mathe!"