giuliana Farfalla

GESICHT DER WOCHE: "Es ist unglaublich"

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

So, 14. Januar 2018

Freiburg

Im sanften Abendlicht umgeben von Palmen, Laternen und kostbaren Möbeln posiert eine nackte junge Frau mit blonder Mähne. Ihr Gesichtsausdruck ist leicht ironisch, verspielt, heiter. "Germanys next Dschungel-Queen" hat die Playboy -Redaktion die im berühmten Lantern House in Los Angeles fotografierte Bildstrecke in ihrer aktuellen Ausgabe genannt. Zu sehen ist dort und auf dem Cover Giuliana Farfalla. Die 21-Jährige aus Herbolzheim ist das erste Transgender-Model auf dem Titel der deutschen Ausgabe des Magazins. "Es ist unglaublich, einfach unbeschreiblich und eine Ehre", sagt sie im dazugehörenden Interview. Bisher ist die als Pascal Radermacher geborene Frau, die sich schon als Kind im falschen Körper fühlte und später einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog, vor allem als Teilnehmerin von Heidi Klums Fernsehsendung "Germany’s next Topmodel" aufgefallen. Seither inszeniert sie sich für ihre Fans und Freunde auf Instagram und Facebook, lässt sich von RTL-Exklusiv zur Nasen-OP begleiten und zieht nun kommende Woche ins "Dschungelcamp" ein, um sich ab 19. Januar mit anderen Prominenten aller Erfahrung nach beim Knutschen, Streiten und Madenessen beobachten zu lassen. Vor diesem Hintergrund ist das Playboy -Cover durchaus etwas Besonderes, denn auch und gerade heute, wo Nacktheit und Pornografie jeder Art nur einen Klick entfernt sind, ist das Blatt, für dessen Erwerb Jungs früher ihr Taschengeld und ihren Mut zusammennehmen mussten, eine Institution geblieben. Eigentlich wolle sie als Frau und nicht als Transgender wahrgenommen und respektiert werden, bestätigt Giuliana Farfalla im Interview, doch sie verstehe, dass die Leute "der biologische Aspekt" nun mal interessiert. Und so ist ihr Auftritt in Zeiten, in denen über die Abschaffung der Kategorie "Geschlecht" diskutiert wird, die Ehe für alle möglich ist und der #metoo-Aufschrei scheinbar ewige Machtverhältnisse in Frage stellt, auch ein gesellschaftspolitischer: für die Rechte und die Schönheit derer, die nicht der Norm entsprechen.

Sigrun Rehm