Henry Breit

GESICHT DER WOCHE: Glücklich mit der 50+1-Regel

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 25. März 2018

Freiburg

Der Aufsichtsratsvorsitzende des SC Freiburg, Henry Breit, hat allen Grund zur Freude: Die sogenannte 50+1-Regel im deutschen Profifußball bleibt bestehen. Sie besagt, dass in einem Fußballklub die Stimm-Mehrheit beim Verein liegt und nicht an einen Investor oder Mäzen gehen kann. Für den Bestand der 50+1-Regel stimmten auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) am Donnerstag in Frankfurt 18 von 34 Vereinen. Der SC Freiburg gilt als einer der vehementesten Verfechter des 50+1-Statuts.

Henry Breit, der neun Jahre lang auch dem DFL-Aufsichtsrat angehörte, ist erleichtert ob der Entscheidung: "Der Fußball ist nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, der Fußball hat auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb ist es sehr wichtig, dass er in den Händen der Menschen bleibt."

Ursprünglich war vorgesehen, dass in Frankfurt nur eine grundsätzliche Diskussion über die 50+1-Regel geführt wird. Denn in ihrer faktischen Anwendung gewährt diese gewisse Ausnahmen für die Werkklubs aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie für die von Dietmar Hopp sowie dem Konzern Red Bull finanzierten Bundesligisten aus Hoffenheim und Leipzig. Zudem wünschen sich vor allem Bayern München und Hannover 96 deren Abschaffung. Recht unverblümt gibt sich auch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert als ein Gegner der Regel aus, und argumentiert damit, ohne ihre Abschaffung seien deutsche Klubs auf Dauer international nicht konkurrenzfähig. Zudem gibt es Zweifel, ob die Regel juristisch einwandfrei sei und nicht gegen Wettbewerbsrecht verstoße.

Der 70-jährige Henry Breit, der sich nicht nur als SC-Verantwortlicher sondern auch grüner Kommunalpolitiker in Freiburg einen Namen gemacht hat, begrüßte zusammen mit anderen Vertretern einen Antrag des FC St. Pauli, der über die ursprüngliche Tagesordnung hinausging: Über die 50+1-Regel wurde nicht nur diskutiert, sondern gleich beschlossen, dass sie unantastbar sei. Der gebürtige Moselaner – in Wirtschaftswissenschaften und Soziologie promoviert – sagte nach der Entscheidung: "Ich fand es auch hervorragend, dass nicht weniger als 3 000 Fanclubs, darunter federführend auch einer aus Freiburg, sich so leidenschaftlich für die 50+1-Regel eingesetzt haben. Dies zeigt, wie in einer schwierigen Zeit der Fußball Menschen vereinen kann." TN