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Gottfried Haufe ist Mitgründer des Lesungskonzertprojekts „Nachhall“

Julia Dannehl

Von Julia Dannehl

Sa, 09. Dezember 2017

Freiburg

„Ursprünglich stand der gemeinnützige Zweck gar nicht im Mittelpunkt“, sagt Gottfried Haufe, Gründer des Lesungskonzertprojekts „Nachhall“. „Wir hatten einfach Lust, unsere Texte und Songs vorzutragen und wollten ein eigenes Projekt auf die Beine stellen.“ Da sie keinen Eintritt nehmen wollten, beschlossen sie, stattdessen Spenden für einen gemeinnützigen Zweck zu nehmen.

Haufe hat Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert und arbeitet beim Uni-Radio. Er hat viele Interessen und einen vollen Terminkalender. Trotzdem beschloss er Anfang des Jahres, dass er seine eigenen Vortragsabende organisieren wollte. "Das Format, literarische Texte und Musik miteinander zu verknüpfen, ist natürlich nicht neu. Aber hier in Freiburg gab es das, in der Form, wie wir es machen, noch nicht."

Haufe und sein Kollege Robert Wolf schreiben und lesen Texte. Danny McClelland, der Freiburgern als Sänger der Band "Redensart" bekannt ist, ist als Singer-Songwriter Teil der Gruppe. So wird es nicht langweilig. "Robert Wolf und ich haben einen sehr unterschiedlichen Schreibstil. Daher sind sich unsere Texte nicht zu ähnlich." Für Abwechslung ist also gesorgt.

Der heute 27-Jährige schreibt eigene Texte, seit er 15 war. Damals wusste er noch nicht, wie viel Spaß es ihm machen würde, seine eigenen Texte vor einem Publikum vorzutragen. Blut geleckt hat er bei von der Literaturzeitschrift "The Freiburg Review" organisierten Lese-Abenden in der Erika-Bar. "Mir war ziemlich schnell klar, dass ich solche Abende selber organisieren und ein eigenes Projekt auf die Beine stellen möchte."

Wichtig war ihm dabei, dass es keinen Wettbewerbscharakter gibt. "Wir bei Nachhall verstehen uns als Team. Jeder macht sein Ding, aber wir gehören trotzdem zusammen. Deshalb möchten wir nicht miteinander in Konkurrenz treten."

Jeder Abend hat ein bestimmtes Thema, an dem die drei Künstler ihre Darbietung orientieren. Während die Themen anfänglich noch recht konkret waren (der erste Abend stand unter dem Motto "Nichts mit Liebe"), werden sie mittlerweile immer abstrakter: Beim nächsten Auftritt am Montag, 11. Dezember, im Alten Klavierdepot wird das Thema "Punkte und Streifen" sein. "Darunter kann sich jeder etwas anderes vorstellen", erklärt Haufe. "Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Themen offener zu gestalten. So haben einerseits wir mehr Freiraum in der Gestaltung unserer Texte und andererseits weiß das Publikum nicht, was es erwartet. So bleibt mehr Raum für Überraschungen."

Nicht überraschend, aber trotzdem spannend ist die Tatsache, dass der ganze Abend von den Gebärdensprachendolmetscherinnen Bea Blumrich und Barbara Herold simultan übersetzt wird. "Wir wollen uns mit jedem Auftritt weiterentwickeln. Wir sind stolz darauf, dass dieses Mal auch Leute den Abend genießen können, die uns nicht oder nur schlecht hören können."

Soziales Engagement und Inklusion sind ihnen wichtig. Deshalb wird für jede Veranstaltung eine andere Organisation gewählt, die sich für soziale Belange einsetzt und die die Spendengelder erhält. Die Spenden von der Veranstaltung am Montag kommen dem Verein "Frauenhorizonte gegen sexuelle Gewalt" zugute. "Wir haben uns nicht für diesen Verein entschieden, weil sexuelle Belästigung und Gewalt gerade in den Medien sehr präsent sind", betont Haufe. "Es ist einfach ein wichtiges Thema und ein toller Verein, der Unterstützung verdient."

Lesungskonzert Nachhall, Montag, 11. Dezember, 20.30 Uhr, Altes Klavierdepot (Untere Schwarzwaldstraße 9). Übersetzung in Gebärdensprache. Eintritt frei, Spenden für den Verein "Frauenhorizonte – gegen sexuelle Gewalt" erbeten.