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08. Februar 2010

Großer Andrang bei der Mundologia

Am Wochenende besuchten 16 000 die "Mundologia" im Konzerthaus / Reisevorträge sowie Foto-, Outdoor- und Reise-Messe

  1. Auch faszinierend: Die Fotoausstellungen auf der Mundologia. Foto: michael bamberger

  2. 27000 Euro für Haiti: OB Salomon (links) bekommt den Scheck von Tobias Hauser und David Hettich. Foto: Michael Bamberger

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Es kommen Abenteurer, Neugierige, Naturfans. Jedes Jahr mehr. Aus 4000 Gästen bei der ersten "Mundologia" 2004 wurden 16 000 am vergangenen Wochenende. Ein wachsender Markt, mit dem sich Geld verdienen lässt: Seit dem Umzug 2009 vom Bürgerhaus im Seepark ins Konzerthaus gesellt sich eine Reise-, Outdoor- und Fotomesse zu den Vorträgen über die große weite Welt. Diesmal gab’s zudem Solidarität für Haiti: OB Dieter Salomon bekam einen Scheck für "Südbaden hilft" – 25 000 Euro von der Sparkasse, 2000 Euro von der "Mundologia".

Glaubt jemand, die typischen "Mundologia"-Besucher seien allesamt jung und sportlich und reisen monatelang durch die Welt? Das passt vielleicht zu Tobias Hauser, dem Gründer und Leiter des Reise-Festivals, das er "Mundologia" genannt hat – "die Kenntnis von der Welt". Doch von denen, die am Samstagmittag auf dem Weg zu Vorträgen sind oder bei den Ständen der Messe hängen bleiben, sind die meisten eher um die 50, viele auch älter.

Darunter sind verkappte Reisefans wie Werner Hollstein, der zwar geschäftlich oft in Asien unterwegs ist, aber kaum dazu kommt, sich dort oder anderswo wirklich umzuschauen. Oder Campingbus-Touristen wie das Paar in den Fünfzigern, das durch die Outdoor-Abteilung schlendert und am Sonntag fest den Asien-Vortrag von Bruno Baumann eingeplant hat. Oder die zwei älteren Freundinnen, die am liebsten geruhsame Busreisen unternehmen und eigentlich nur wegen der Fotoausstellungen und ihrer Faszination von moderner Fototechnik auf der "Mundologia" gelandet sind.

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Im ausverkauften Rolf-Böhme-Saal erzählt unterdessen Gereon Römer von seiner ersten Norwegen-Reise vor 18 Jahren unter widrigen Umständen: Die meiste Zeit war sein Zelt damals vom Dauerregen voll gesogen wie ein Schwamm. Er hatte sich nämlich extra die letzten Augustwochen ausgesucht, weil das teure Land mit seiner knappen Reisekasse zu dieser Zeit am erschwinglichsten war – dass der norwegische Sommer da eigentlich vorbei ist, wusste er noch nicht. Trotzdem hat ihn sofort das "Nordlandfieber" gepackt, das ihn seitdem auf Trab hält. Die rauen Landschaften Norwegens mit Fjorden, Bergen, Wäldern, die einsamen Weiten mit wenigen Menschen und unberührten Bächen, die so rein sind, dass man daraus trinken kann: Da erfüllen sich Träume, die ihn immer begleitet haben.

Es ist diese tiefe Sehnsucht nach einem anderen Leben, das die "Mundologia"-Referenten in die Welt ziehen lässt, und die noch viel mehr Menschen in die Vortragssäle treibt. Egal ob Fahrrad-Rundfahrten durch Afrika, Einblicke in die Extreme Patagoniens, 5000-Kilometer-Ritte durch die Rocky Mountains, Wüstenabenteuer oder auch nur relativ nahe gelegene Wattenmeere und Hochgebirge im "wilden Deutschland": Fast alles ist ausverkauft.

Wahrscheinlich wächst das Bedürfnis, für ein paar Stunden an alldem teilzuhaben, mit der in zunehmendem Alter stärkeren Einsicht, dass nur sehr wenige ein Leben wie der legendäre Rüdiger Nehberg hinkriegen. Am Freitagabend hatte er das laut Tobias Hauser größte Reisereportage-Festival Europas mit einem Vortrag über sein Leben eröffnet. Auch für Lena Wagner war er lange "ein Idol". Als Kind dachte sie noch: "Das mache ich alles auch mal." Bisher wurde daraus nichts – aber zumindest einmal im Jahr ziehen sie und ihre Freunde Ferdinand Bürk, Lukas Thiel und Tobias Keip, die alle Anfang 20 sind, mit einer Jugendgruppe ins Zeltlager: Kleine Expeditionen in die Natur, in ein Leben ohne Toiletten und mit Morgenwäsche am Bach.  

Autor: Anja Bochtler