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19. November 2012

Großer Konsens für Kompromiss zur Maienstraße 2

Genossenschaft soll das geschichtsträchtige Gebäude sanieren und die oberen zwei Stockwerke kaufen / Start im Herbst 2013.

Überraschend einmütig hat die Stadtsynode am Samstag den Teilverkauf des denkmalgeschützten Gebäudes Maienstraße 2 in der Wiehre beschlossen. Den Zuschlag soll die Genossenschaft "Bogenständig" aus Titisee-Neustadt erhalten. Der in der Region bekannte Sanierer Willi Sutter will das erste Obergeschoss und das Dachgeschoss herrichten und an kirchennahe Einrichtungen vermieten. Das Erdgeschoss will er zum Festpreis sanieren – es bleibt im Besitz der Kirche.

Seit eineinhalb Jahren ringt die Evangelische Kirche in Freiburg um eine Lösung für das sanierungsbedürftige Haus mit Geschichte und unter Denkmalschutz. In der Maienstraße 2 der Christusgemeinde trafen sich während der nationalsozialistischen Herrschaft Mitglieder des oppositionellen "Freiburger Kreises". Die ursprüngliche Idee, aus dem Gebäude das zentrale Haus der evangelischen Kirche zu machen, war vom Tisch, nachdem ein renommiertes Freiburger Architekturbüro die Sanierungskosten berechnet hatte: zu teuer. Das Haus komplett zu verkaufen, stieß auf Widerstand von Gemeindemitgliedern. "Freunde der Maienstraße" gründeten einen Verein.

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Nach langen und harten Diskussionen kristallisierte sich heraus, dass das Erdgeschoss im Besitz der Kirche bleiben und saniert werden soll. Für die oberen beiden Etagen legte der Stadtkirchenrat (das Leitungsgremium der Evangelischen Kirche in Freiburg) mehrere Varianten auf den Tisch, über die die Stadtsynode (die Vertretung der Pfarrgemeinden) zu entscheiden hatte: Sanierung in Eigenregie, Sanierung durch den Verein sowie Projekte zweier Investoren, die Wohnraum schaffen wollten (die BZ berichtete).

Nachdem die Synodalen mit 47 Ja- und gegen 3 Neinstimmen und 2 Enthaltungen klar den Teilverkauf beschlossen hatten, gaben sie einstimmig den Zuschlag an die Genossenschaft. Das Erdgeschoss will Sutter für die Kirche zum Fixpreis von 576 000 Euro sanieren. Die oberen Geschosse will er für 1,3 Millionen Euro sanieren und an Einrichtungen des Diakonischen Werks vermieten, darunter den Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche (ABC), der sich um geistig behinderte junge Menschen kümmert.

Die Diskussion zuvor war kurz und sachorientiert. Irmgard Müller vom Förderverein des ABC wollte das "positive protestantische Erbe" nicht veräußert sehen. Knuth Stemmer aus Hochdorf, lange Jahre im Ältestenkreis der Christuskirche engagiert und heute Vorsitzender des Ältestenkreises der Pfarrgemeinde West, präsentierte eine Sanierungskalkulation des Vereins "Freunde des Maienhauses 2", wonach nur eine 3000 Euro große Finanzierungslücke pro Jahr klaffen würde, die Mitglieder auffangen könnten.

Damit vertraten sie eine Minderheitenposition. Ein Erbe bestehe nicht aus Gebäuden, sondern zeige sich in der Haltung, sagte Achim Korthaus (Pfarrgemeinde Südost). Pfarrer Jochen Kunath von der Melanchthongemeinde in Haslach wertete die Lösung mit der Genossenschaft als "verantwortungsvollen Umgang". Dekan Markus Engelhardt jedenfalls freute sich über den breiten Konsens und hofft nun auf eine Befriedung.

Derzeit befinden sich in der Maienstraße 2 zwei Studenten-Wohngemeinschaften, Büros, Sitzungsräume und Räume des ABC. Die Sanierung soll im Frühherbst nächsten Jahres beginnen.

Autor: mac