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01. Oktober 2010

Gute Chancen für neue Wasserschnecke

Regierungspräsident kompromissbereit: Wenn Fische profitieren, kann Kraftwerk kommen .

  1. Für Wanderfische wie den Lachs unüberwindbar: Wehr bei der Schwabentorbrücke. Foto: ingo schneider

Das Freiburger Rathaus lässt derzeit prüfen, ob in der Dreisam an der Schwabentorbrücke ein Wasserkraftwerk gebaut werden kann. "Aus unserer Sicht ist das eines der letzten Potenziale, das würden wir gerne nutzen", so Ralf Zähringer, stellvertretender Leiter des Umweltschutzamts. Ein Gutachten der Fischereiforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg bilanziert hingegen, dass es auch in der Dreisam "keine Möglichkeit zur Errichtung zusätzlicher Wasserkraftanlagen" gebe. Nun hat das Umweltschutzamt beim Regierungspräsidium (RP) angefragt, ob die Aussagen des Gutachtens in Stein gemeißelt seien oder es einen Kompromiss geben könne.

Wie beim Wind, so ist es jetzt auch beim Wasser: Naturschutz trifft auf Umweltschutz. Wasser- und Windkraftanlagen schonen mit regenerativer Energie die Umwelt, greifen aber in die Natur ein. Für Michael Wagner, der Freiburgs jüngstes Wasserkraftwerk am Sandfang gebaut hat, hat die Fischereiforschungsstelle ein "politisches Gutachten" verfasst, das neue Wasserräder verhindern soll: "Es kann doch nicht sein, dass die Landesregierung öffentlichkeitswirksam mehr regenerativen Strom fordert, aber neue Anlagen durch solche Gutachten und manchmal zehnjährige Genehmigungsverfahren blockiert."

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Ohne eine positive Stellungnahme des Regierungspräsidiums wird sich jedenfalls keine neue Wasserschnecke oder Turbine in der Dreisam drehen. Auf der einen Seite will Regierungspräsident Julian Würtenberger mehr Wasserkraft, auf der anderen muss das RP eine EU-Rahmenrichtlinie umsetzen, die die Durchgängigkeit der Flüsse für Wanderfische vorschreibt. "Wenn es am Schwabentor eine Verbesserung für die Fische gibt, dann muss da auch ein Wasserkraftwerk möglich sein", sagt Würtenberger. Damit erhöhen sich die Chancen rapide: Denn an der Schwabentorbrücke sind das Wehr und die flussbreiten Schwellen eine unüberwindbare Barriere für alle Langzeitwanderfische wie Lachs, Seeforelle oder Äsche. Zudem gibt es Zuschüsse aus dem Ausgleichstopf, in den die Deutsche Bahn für das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn einzahlt. Das Potenzial beim Einbau einer "fischfreundlichen" Wasserschnecke beziffert Wagner auf gut 350 000 Kilowattstunden jährlich. Fast das Doppelte könnte seiner Einschätzung nach am Rehmattenwehr unweit des Freiburger Wasserwerks in Ebnet realisiert werden. Dort gibt es indes bereits eine Fischtreppe. Wagner, der die Anlagen selber gar nicht betreiben will, sondern sich als Vorkämpfer sieht, wird nachweisen müssen, wie sich dort die Situation für die Fische verbessern kann, wenn die Wasserkraft genutzt wird. An der Schwabentorbrücke soll sich übrigens auch für Fußgänger Positives tun: Das Garten- und Tiefbauamt will – auf Initiative von Grünen-Stadtrat Helmut Thoma – auf der Nordseite der Dreisam das bislang fehlende Wegestück zwischen Mariensteg und dem Anschluss östlich der Schwabentorbrücke bauen. Das nötige Geld dafür müsste der Gemeinderat im kommenden Doppelhaushalt absegnen.

Autor: Lars Bargmann