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26. Mai 2014 20:05 Uhr

Freiburg

Handeln ohne Geld: Bundeskongress der Tauschringe

Von Mittwoch an findet in Freiburg der Bundeskongress der Tauschringe statt, die auf alternatives Wirtschaften ohne Geld setzen. Rund 350 Menschen sind in der Region bei diesem Ring aktiv.

  1. Tauschmärkte wie dieser sind eine wichtige Plattform für die Fans der Tauschwirtschaft in Freiburg. Foto: Privat

Rund 350 Menschen in Freiburg und im Freiburger Umland sind derzeit beim Talent-Tauschring Freiburg dabei. Der Verein praktiziert geldfreie Tauschökonomie – und sieht sich selbst als eine Mischung aus organisierter Nachbarschaftshilfe, einem Projekt für soziale Kontakte und mehr Menschlichkeit im persönlichen Umgang sowie aus einem Modell einer alternativen Wirtschaftsform. Am Wochenende bekommen sie Besuch von rund 100 Gleichgesinnten aus dem übrigen Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Denn auch andernorts ist Tauschen beliebt.

"Tauschen hat viele Vorteile", sagt Klaus Fournell. Der 52-jährige Sozialpädagoge, der beruflich als Betreuer für Menschen mit Behinderungen arbeitet, setzt sich privat für den Talent-Tauschring Freiburg ein, im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. "Wesentlich ist, dass die Ich-hab-kein-Geld-Engpässe bei Menschen gemildert werden, denn jeder hat ja etwas, was er zur Verfügung stellen kann – sei es im Garten helfen oder die Kinder zu hüten", erklärt Fournell.

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Verein seit 20 Jahren aktiv

Daher rühre auch der Name des Vereins: Talent-Tauschring. "Talent heißt unsere interne Verrechnungseinheit, steht aber auch für die verschiedenen Talente, die Menschen haben." Seit nunmehr 20 Jahren gibt es den Verein. Seine Ursprünge liegen in Saig im Hochschwarzwald, doch heute kommt die überwiegende Mehrheit der Mitglieder aus Freiburg.

Auch aus Anlass des runden Geburtstags der hiesigen Tauschinitiative kommen von Mittwoch bis Sonntag rund 100 weitere Anhänger der Tauschwirtschaft zu einem Kongress nach Freiburg, um sich über verschiedene Aspekte des Themas auszutauschen.

Die Teilnehmer stammen aus etlichen der etwa 350 Tauschringe und Tauschkreise, die es in Deutschland gibt und die schon seit mehreren Jahren zu Bundesarbeitstreffen zusammenfinden. Hinzu kommen heuer aber erstmals auch Vertreter von Initiativen aus der Schweiz, aus Österreich, Frankreich, Italien und Griechenland.

Das Tauschen unter den Mitgliedern funktioniert ganz einfach.Wer etwas anzubieten hat, seien es Waren oder Dienstleistungen, sei es einmalig oder regelmäßig, macht dies über verschiedene vereinsinterne Kanäle bekannt: über den E-Mail-Newsletter, der zweimal wöchentlich kommt, über die dreimal jährlich erscheinende Marktzeitung, bei den monatlichen Talenttreffen oder bei den gelegentlichen größeren Tauchmärkten.

Beim Tausch werden Talente-Einheiten gutgeschrieben, die später selbst wieder eingetauscht werden können.

Nicht nur Kapitalismuskritiker

"Steuerlich ist die Sache klar: Bei privaten Anbietern laufen Tauschringe als Nachbarschaftshilfe und sind steuerfrei. Gewerbliche Anbieter, die wir auch haben, müssen Gewinne versteuern", sagt Klaus Fournell. Die Steuern müssen dabei in Euro bezahlt werden, ebenso wie der Mitgliedsbeitrag des Vereins in Höhe von zwölf Euro pro Jahr. "Wir wollen wollen ja das herrschende Wirtschaftssystem nicht abschaffen, sondern sehen uns als Bereicherung und Ergänzung. Wir haben überzeugte Kapitalismuskritiker in unseren Reihen, aber nicht nur. Manchen geht es auch ganz pragmatisch um lohnende Tauschaktionen", so Fournell. Etwa ein Viertel der Mitglieder sei sehr aktiv und tausche laufend. Ein weiteres Viertel nutze die Möglichkeit praktisch nie. Der Rest bewege sich dazwischen.

"Am wichtigsten ist uns eigentlich der persönlich Kontakt beim Tauschen. Falls mehr Leute hinzukommen sollten, werden wir kleinere Untergruppen bilden. Im Stühlinger sind wir im Prinzip schon dabei", sagt Fournell. Eine größere Mitgliederzahl mache zwar das Angebot attraktiver, doch zugleich werde alles auch anonymer. Darum seien persönliche Treffen, wie der Tauschkongress so wichtig.
Der Tauschringkongress

Der Bundestauschkongress – in diesem Jahr erstmals auch mit Beteiligung aus anderen europäischen Ländern – findet vom Mittwoch, 28. Mai, bis Sonntag, 1. Juni, in der Michael-Schule in Freiburg statt (Kartäuserstraße 55). Öffentlich ist der Tauschmarkt am Samstag, 31. Mai, 11 bis 18 Uhr. Zeitgleich gib es verschiedene Seminare und Workshops rund um alternative Wirtschaftsformen.

Wer aktiv mittauschen will, muss allerdings zunächst Mitglied werden. Es gibt aber auch einen "Verschenktisch" und ein "Book-Crossing", wo man auch so Bücher hinbringen und wegnehmen kann. Weitere Infos zur Veranstaltung unter http://www.batt-aktiv.de

Autor: Holger Schindler