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23. April 2010 20:35 Uhr

Gartenstrasse

Hausbesetzung in der Freiburger Innenstadt

Rund 100 Autonome haben ein Haus in der Freiburger Gartenstraße besetzt und wollen dort – pünktlich zur OB-Wahl am Sonntag – ein Nichtwähler-Lokal einrichten. Die Szenerie ist weiterhin ruhig.

  1. Ein schwarzes Banner mit eindeutiger Botschaft prangt über der Gartenstraße: Dort wurde am Freitagabend das Haus Nr. 19 von rund 100 Autonomen besetzt. Foto: Joachim Röderer

"Wir wollen länger bleiben", sagte einer der Aktivisten am Freitag gegenüber der Badischen Zeitung. Das besetzte Gebäude liegt nahe der Abzweigung Erbprinzen- und Gartenstraße. Bis vor etwa fünf Jahren befand sich hier ein Second-Hand-Geschäft, seit dessen Auszug steht das einstöckige Häuschen leer. Nach Informationen der BZ lebt der Besitzer im Rheinland.

Die Gartenstraße liegt in der Freiburger Innenstadt, unweit des Universitätsviertels. Eine beliebte Wohngegend, umsäumt von Straßencafés und kleinen Geschäften. Anwohner berichten: Mit einer Hausbesetzung habe hier niemand gerechnet. Bis zum Freitagabend. Dann, zwischen 18 und 20 Uhr, wurde die Freiraumkampagne "Plätze, Häuser, Alles" aktiv.

Blockierte Straße, verschmutzte Gärten

Die Freiraumkampagne ist ein loser Zusammenschluss von vorwiegend jungen Leuten, die auf ihrer Internetseite das Motto ausgibt: "Besetzen, kollektivieren, selbst verwalten." Dieses Motto setzt die linke Gruppierung nun in die Tat um: Das Haus Gartenstraße 19 wurde pünktlich zur Oberbürgermeisterwahl am Sonntag besetzt. Ein Zufall ist das wohl nicht: Am Wahlsonntag wollen die Besetzer das Haus in ein Nichtwähler-Lokal umfunktionieren. Viele von ihnen tragen Dieter-Salomon-Masken, die sie aus Wahlplakaten gefertigt haben, und verbreiten Partystimmung. Am Freitag hörten sie laut Techno-Musik, beklatschten den Auftritt einer Trommel-Combo und richteten es sich im Inneren wohnlich ein. Spätabends brannte ein Lagerfeuer in der Gartenstraße, Hausbesetzer verteilten Flyer und informierten die Anwohner.

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Polizei beobachtet das Geschehen

Neben den rund 100 Besetzern waren zunächst knapp 20 Polizeibeamte vor Ort. Harry Hochuli, Leiter des Polizeireviers Nord, verschaffte sich am Abend einen Überblick und suchte das Gespräch mit den Haus- und Straßenbesetzern. Hierbei ging es wohl auch um ganz praktische Probleme: Die Linksautonomen hatten es sich nicht nur im, sondern auch vor dem besetzten Haus bequem gemacht und blockierten die Durchfahrt durch die Gartenstraße. Das ist zweifellos genauso wenig im Sinne der Anwohner wie die Tatsache, dass angrenzende Gärten als Ersatz für die spärlichen sanitären Anlagen herhalten müssen.

Allein diese beiden Beispiele zeigen: Es schlummert ein gewisses Konfliktpotenzial in der bunten Szenerie. Die Freiburger Polizei hielt sich im weiteren Verlauf des Abends allerdings dezent im Hintergrund. Am späten Freitagabend waren noch ein halbes Dutzend Beamte zu sehen, gegen Mitternacht nur noch ein parkender Streifenwagen in einer Seitenstraße.

Aktivisten feiern auch am Samstag weiter

Das Bild hatte sich am Samstag nicht wesentlich verändert. Nach einer langen und lauten Feier in die Nacht waren am Vormittag bereits erneut viele Leute in und um das besetzte Haus versammelt. Die Polizei beobachtet das Geschehen weiter.

Die bis dato letzte Hausbesetzung in Freiburg hat sich vor knapp einem Jahr zugetragen: Damals besetzten Autonome ein Gebäude in der Kirchstraße, das die Polizei am 19. Mai räumte.

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Autor: Karl Heidegger, Joachim Röderer, Markus Hofmann – letztes Update: Sonntag, 11:30 Uhr