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18. August 2017 16:42 Uhr

Starkregen

Heftiges Unwetter zieht über Freiburg hinweg – Feuerwehr muss 215 Mal ausrücken

Eine Unwetterfront mit Sturm und Starkregen hat in der Region Freiburg Bäume entwurzelt und einen Baukran beschädigt. Zeitweise standen der Straßenbahn- und der Straßenverkehr still. Die Retter waren mit 215 Einsätzen stark gefordert. Es gab einen Verletzten.

  1. Ein Kran im Baugebiet Gutleutmatten ist umgeknickt. Foto: Florian Kech

  2. Ein Sturm hat einen Baum am Zubringer-Mitte entwurzelt. Foto: Klaus Polkwoski

  3. Unwetter in Freiburg Foto: Rita Eggstein

  4. Unwetter in Freiburg Foto: Julia Dreier

  5. Unwetter in Freiburg Foto: Patrick Seeger

Es war kurz und heftig: Eine Unwetterzelle hat Freiburg gegen 16.20 Uhr überquert. Zwischenzeitlich nahm heftiger Starkregen den Menschen die Sicht. Begleitet war das Phänomen von Sturm und Donner. Innerhalb von Minuten standen Straßen unter Wasser, Bäume knickten um und Gegenstände wirbelten durch die Luft (Mehr Fotos). Heinz Haag vom Garten- und Tiefbauamt schätzt, dass es noch eine Woche dauern wird, bis alle Spuren des Unwetters in der Stadt beseitigt sein werden. Der stellvertretende Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, Philipp Golecki, kann sich nicht daran erinnern, während seiner Amtszeit von acht Jahren ein Unwetter mit derart massiven Auswirkungen erlebt zu haben.

Die Feuerwehr ist in der ganzen Stadt im Großeinsatz. Der Verkehr im gesamten Stadtgebiet war wegen der Rettungsarbeiten oder umgestürzter Bäume beeinträchtigt, teilweise standen die Autos. Die Straßenbahnen fuhren ab 19.30 Uhr wieder.

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Ein Mann, dem im Erlenweg in Freiburg-Haslach Baumteile auf sein Auto gestürzt sind, steht unter Schock. Er musste ins Krankenhaus gebracht werden. Weitere Verletzte sind bislang nicht bekannt geworden.



Einsätze von Feuerwehr und Polizei

Das Freiburger Polizei verzeichnete innerhalb kürzester Zeit mehr als 50 Einsätze. Überwiegend waren die Retter wegen umgestürzter Bäume oder vereinzelt auch wegen überfluteter Straßen unterwegs. Die Feuerwehr Freiburg spricht (Stand 20.38 Uhr) mittlerweile von 215 Einsatzstellen im Freiburger Stadtgebiet. 90 dieser Einsätze konnten noch nicht abgearbeitet werden. Insgesamt 140 Feuerwehrangehörige der Berufsfeuerwehr mit zwei Wachabteilungen (eine wurde aus dem Feierabend geholt) und der Freiwilligen Wehren Oberstadt, Unterstadt, Herdern, Zähringen, Rieselfeld, St. Georgen, Wiehre, Stühlinger und Opfingen sind mit 20 Feuerwehrwagen im Einsatz. Die Einsätze der Feuerwehr werden sich noch bis spät in den Freitagabend hinziehen.

In der Feuerwache an der Eschholzstraße wurde ein Führungsstab eingerichtet, um die Einsätze zu koordinieren. Sieben Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr sind am Abend im Einsatz. Der Schwerpunkt liegt bei umgestürzten Bäumen und Überflutungen. Zur Unterstützung ist auch das Garten- und Tiefbauamt mit den Kräften des Bauhofs sowie Energieversorger Badenova zur Beseitigung von umgestürzten Bäumen und verstopften Gullys im Einsatz.



Die Lage im Freiburger Umland

Im Freiburger Umland hat es nach jetzigem Stand keine Schäden gegeben. Alexander Widmaier, Kreisbrandmeister Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, erklärt am frühen Freitagabend gegenüber der BZ: "Es gibt keine Meldungen über Schäden im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald"

Die Lage in der Region Rheinfelden

Kurz aber heftig wütete am Freitag kurz vor 18.30 Uhr der Sturm am Hochrhein zehn Minuten lang. Starke Windböen bogen die Bäume und einige hielten dem Druck nicht stand. Es kam zu Stromausfällen in Karsau, Dossenbach und Schwörstadt.

Umgestürzte Bäume im Freiburger Stadtgebiet



Auf dem Zubringer Mitte wurden mehrere Bäume umgeworfen. Ein großer Baum liegt bei der Schnewlinbrücke quer auf der Fahrbahn. In der Wiehre stürzte ein Baum auf ein Haus.



Auch vor dem C&A-Gebäude in der Innenstadt ist ein Baum umgefallen. Im Bereich Rotteckring sind mehrere große Bäume umgestürzt. Im Bereich des Stadttheaters ist ein Baum auf die Oberleitung der Straßenbahn gestürzt. Deswegen ruht aktuell der Straßenbahnverkehr in Teilen. Unterbrochen sind auch mehrere Buslinien - unter anderem die Buslinie 14 und die Buslinie von und zur Messe. Alle Passagiere sind ausgestiegen, die Trams sind leer und bleiben stehen. Die Polizei ist vor Ort.

Ein großer Baum stürzte auch in der Nähe der Pestalozzi-Schule in Haslach um:



Am Rotteckring im Bereich Rathausgasse hat der Sturm zwei große, mehr als 20 Meter hohe Kastanienbäume umgeworfen. Großes Glück hatte ein Urlauberpaar aus Mailand, das gerade sein Motorrad geparkt hatte. Da hörten die Beiden das Knarzen des Baumes und konnte sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Kastanie traf das Motorrad und beschädigte dies schwer. Auch eine halbe Stunde nach dem Sturm standen den Besuchern aus Mailand, die in Freiburg ihren zweiten Ferientag verbringen, der Schock noch ins Gesicht geschrieben.

In der Freiburger Innenstadt am Stadttheater stürzte der Teil eines Baumes auf die Oberleitung der Straßenbahn:



Josefine Wießler und ihr Mann waren aus Horben zu einem Termin in Freiburg gekommen und hatten ihr Auto in der Goethestraße in der Wiehre abgestellt. Als sie nach dem Unwetter zu ihrem Auto zurückkamen, fanden sie es unter zwei großen schweren Ästen. Die hatten die Windschutzscheibe durchschlagen, auch im Bereich der Motorhaube ist der Wagen stark beschädigt.

Umgeknickter Kran

Im Baugebiet Gutleutmatten ist ein Kran abgeknickt. Der Ausleger liegt teilweise auf dem Boden. Nähere Einzelheiten zu dem Unglück im Freiburger Stadtteil Haslach sind nicht bekannt. Es hat wohl keine Verletzten gegeben.

An der Tennenbacher Straße ist die Unterführung mit Wasser vollgelaufen. Ein Auto hängt dort fest, bestätigt Polizeisprecher Dirk Klose der Badischen Zeitung.

Der Sturm fegte auch über den Münsterplatz:



Das sagt der Wetterdienst

In Freiburg wurden laut Deutschem Wetterdienst (DWD) Windspitzen von 64 Stundenkilometern gemessen. "Das entspricht Windstärke 8, eine stürmische Böe", sagt Marco Puckert vom DWD in Stuttgart. Insgesamt gibt es zwölf Windstärken, die höchste gilt für einen Orkan.

Eine Kaltfront überquert derzeit Baden-Württemberg und trennt schwülwarme Luft aus dem Osten und Süden mit deutlich kühlerer Atlantikluft, so Puckert. Vor der Front bilden sich Gewitter mit sogenannten Fallböen. In anderen Teilen Baden-Württembergs seien diese heftiger gewesen als in Freiburg. Richtung Schwarzwald fiel Puckert zufolge auch mehr Regen.

Die Luft hat seit dem Gewitter deutlich abgekühlt und wird laut Puckert weiter abkühlen. Gegen 18 Uhr hatte es noch rund 21 Grad. Die Gewitter ziehen derzeit weiter nach Osten.

Auf der Internetseite Kachelmannwetter von Jörg Kachelmann hat es eine Vorab-Warnung gegeben. Beim so genannten Stormtracking war von möglichen Sturmböen von bis zu 80 Stundenkilometern die Rede. Nach den Informationen ist das Gewitter gegen 16.10 Uhr bei Bad Krozingen registriert worden. Es zog mit 93 Stundenkilometern Richtung Nordosten und hat um 16.12 Uhr Freiburg erreicht (Wetter-Radar).

Für die Region Freiburg gilt weiter eine amtliche Unwetterwarnung. Die Meteorologen rechnen mit etwa zwei Zentimeter großen Hagelkörnern und Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Die Warnung gilt zunächst bis 20.00 Uhr.

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Autor: Text: Julia Dreier, Sina Gesell, Oliver Huber, Joachim Röderer, Fabian Vögtle, Videos: Florian Kech, Patrick Seeger