HINTERGRUND: NRW-Strecke als Vorbild

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Von Fabian Vögtle, Sebastian Wolfrum & dpa

Do, 12. Juli 2018

Freiburg

Nordrhein-Westfalen als Vorreiter

Nicht nur die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg hat die Förderung von Radschnellwegen auf ihre Agenda gesetzt. Auch in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bremen, Berlin und Niedersachsen gab es zuletzt Vorstöße, Pilotprojekte und von den Landesregierungen finanzierte Machbarkeitsstudien. Die erste Radschnellverbindung wurde in Nordrhein-Westfalen gebaut. Im November 2015 wurde das erste Teilstück des insgesamt auf 100 Kilometer angelegten Radschnellwegs Ruhr RS1 eingeweiht. Dort fahren Pendler seitdem zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr elf Kilometer lang auf einer Art Autobahn für Radler. Bis 2020 soll die komplette Strecke zwischen Duisburg und Hamm fertig sein. 2016 wurde in Nordrhein-Westfalen das Straßen- und Wege-Gesetz geändert. Seitdem werden Radschnellwege genauso wie Landesstraßen für Autos behandelt. Da der Bau der Radtrassen damit oft in der Baulast des Landes liegt, übernimmt dieses die Kosten komplett oder fördert zumindest einen Großteil. Dazu gehört neben dem Ausbau auch die Unterhaltung, unter anderem die Beleuchtung. Diese ist laut eines Berichts der WAZ auf einer Teilstrecke sehr schwach.

ADFC fordert Geld aus der Lkw-Maut

Die Radschnellwege tauchen in weiteren aktuellen Diskussionen auf. In Stuttgart sollen ab 2019 Dieselfahrverbote greifen. Radvorrangrouten sind eine Maßnahme, über die nachgedacht wird, um die Luft in der Landeshauptstadt sauberer zu bekommen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert unterdessen, erwartete Mehreinnahmen aus der Lkw-Maut auch in Radschnellwege zu stecken. Das Geld dürfte nicht ausschließlich für den konventionellen Straßenbau verwendet werden, so der ADFC. Mindestens zehn Prozent der erwarteten Mehreinnahmen von 2,5 Milliarden Euro jährlich, also 250 Millionen Euro, sollten investiert werden.

Vorreiter bei Radschnellwegen sind die Niederlande, Belgien und Dänemark. Dort wurden schon in den 1980er Jahren teilweise spezielle Rad-Routen getestet, um den Pkw-Verkehr zu entlasten.