Freiburg-Munzingen

Hotel Schloss Reinach: Aus der Insolvenz zum Erfolg

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

Mo, 12. März 2018 um 12:20 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Das Hotel Schloss Reinach in Freiburg-Munzingen hat eine rasante Wachstumsphase hinter sich. Eigentümer René Gessler hat den insolventen Betrieb in einen florierendes Unternehmen verwandelt.

René Gessler kannte Freiburg früher nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn. 2006 erhielt der Gastronom dann von der Sparkasse in Sinsheim, seinem Wohnort, den Hinweis, dass es in Freiburg einen interessanten Hotel- und Restaurantkomplex in Insolvenz gebe.

Es ging um das Schloss Reinach Munzingen. Gessler nahm das Anwesen in Augenschein – und unternahm erst einmal nichts. Der Betrieb mit rund 40 Beschäftigten und 60 Zimmern stellte sich als nahezu unrentabel heraus. Zudem gab es einen Sanierungsstau. Gessler, der sich zuvor mit einem Restaurant auf einem Schiff versucht hatte, ließ sich mit seiner Kaufentscheidung lange Zeit. Erst als er ein schlüssiges Konzept hatte, kaufte er. Bis heute hat Gessler mehr als acht Millionen Euro in den Gutshof aus dem 16. Jahrhundert investiert.

Die Zahl der Beschäftigten ist mittlerweile auf 130 gestiegen, die Zimmer auf 98. Das Hotel Schloss Reinach verfügt zudem über fünf unabhängig voneinander arbeitende Küchen. Vor vier Jahren kam ein Michelin-Stern für das "s Herrehus" dazu – neben dem Colombi-Hotel die zweite Sterneküche der Stadt. Zwischen 20 und 30 Prozent Wachstum erzielte das Hotel Schloss Reinach in manchen Jahren. Hinzu gekommen sind ein Wellnessbereich, eine neue Hotelhalle, ein großer Frühstücksraum, ein Hotelanbau, Seminar- und Veranstaltungsräume sowie ein 25-Meter-Edelstahlpool.

Ein treuer Kundenstamm, darunter viele Schweizer, beschert den Munzingern eine traumhafte Hotelauslastung, die mit 74 bis 75 Prozent deutlich über dem Freiburger Durchschnitt liegt. Inzwischen sind auch Fußball-Bundesligaclubs bei Auswärtsspielen in Freiburg Stammgäste. Der Munzinger Ortsvorsteher Rolf Hasenfratz bezeichnet die Familie Gessler als Glücksfall. Einen Leerstand der historischen Gebäude mitten im Ort will er sich nicht vorstellen. Stattdessen gibt es nun neben dem Metallbetrieb KNF Neuberger einen zweiten großen Arbeitgeber, der das kulinarische Angebot erweitert und mit den vielen Konzerten das Kulturleben bereichert.

Trotz der vielen An- und Umbauten hat die Familie im vergangenen Jahr noch Zeit gefunden, in Altglashütten im Schwarzwald auf den Grundmauern einer stillgelegten Klinik Ferienwohnungen der gehobenen Klasse zu bauen. 3,5 Millionen Euro ließ sie sich die "Black Forest Lodge" kosten.

Mit seinem Schwiegersohn Johannes Gessler (33) als Hoteldirektor und Co-Geschäftsführer hat René Gessler bereits einen gleitenden Übergang für die Nachfolge organisiert.