Fall Maria L.

Hussein K. wohl im Oktober 2015 aus der Haft entlassen

Frank Zimmermann, Felix Lieschke, dpa, aktualisiert um 15.52 Uhr

Von Frank Zimmermann, Felix Lieschke, dpa & aktualisiert um 15.52 Uhr

Mi, 14. Dezember 2016 um 00:40 Uhr

Freiburg

Ist der im Fall Maria L. verdächtige Hussein K. wegen versuchten Totschlags auf Korfu verurteilt worden? Noch steht das nicht fest. Dennoch werden immer mehr Details über den damaligen Fall bekannt. Hussein K. schweigt weiter und soll mittlerweile im Gefängniskrankenhaus sein.

Freiburger Polizei kennt Hinweise aus Griechenland

Die Freiburger Polizei geht bereits seit Längerem Hinweisen aus Griechenland nach und steht in Kontakt mit den dortigen Kollegen. Ob es sich bei dem Täter auf Korfu um denselben Mann wie denjenigen handelt, der Maria L. an der Dreisam vergewaltigt und getötet hat, können die Freiburger Ermittler noch nicht bestätigen. Die Abgleichungen laufen. Von der Polizei auf Korfu hieß es am Mittwoch nur, dass sie vom damaligen Täter lediglich die Fingerabdrücke genommen hätten. "Der Staatsanwaltschaft Freiburg ist noch nicht bekannt, unter welchem Namen Hussein K. in Griechenland gelebt hat und verurteilt wurde", sagt Erster Staatsanwalt Ralf Langenbach auf BZ-Nachfrage. "Sie hat auch noch kein juristisches Rechtshilfeersuchen an Griechenland gestellt." Man arbeite daran und trage zusammen, was man alles wissen wolle.

Es sei juristisch noch immer nicht erwiesen, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Dies müsse noch abgeklärt werden. Ein Fotoabgleich reiche da nicht aus.

Verdächtiger ins Gefängniskrankenhaus verlegt

Mittlerweile soll sich Hussein K. nicht mehr in der JVA Freiburg befinden. Die Bild-Zeitung berichtete am Mittwoch davon, dass Hussein K. ins Gefängniskrankenhaus Hohenasperg verlegt wurde, da er Andeutungen gemacht habe, dass er sich etwas antun könnte. Die Staatsanwaltschaft Freiburg wollte sich nicht dazu äußern.

Robin Schray, Sprecher des baden-württembergischen Justizministeriums, sagt auf Nachfrage der BZ, ob Hussein K. nach Hohenasperg verlegt wurde: "Wenn es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt, können wir dazu nichts sagen. Erst wenn das Urteil rechtskräftig ist." Auch die Freiburger Staatsanwaltschaft macht keine Angaben zum Aufenthaltsort von Hussein K. "Wir hatten heute schon viele Anfragen, aber wir machen grundsätzlich keine Angaben dazu."

Griechische Anwältin hat keinen Zweifel

Alles spricht dafür, dass Hussein K. derselbe Mann ist, der im Mai 2013 eine 20 Jahre alte Studentin in Korfu, der Hauptstadt der gleichnamigen griechischen Insel, eine etwa acht Meter hohe Klippe hinuntergestoßen hat und dadurch schwer verletzte.

Die Bild-Zeitung berichtet darüber in ihrer Mittwochausgabe (nur für Abonnenten). Sie hat der damaligen griechischen Anwältin von Hussein K., Maria-Eleni Nikolopoulou, ein Foto von diesem vorgelegt. Ihre Reaktion: "Das ist definitiv dieselbe Person. Ich bin sprachlos." Auch der Deutschen Presse-Agentur bestätigte sie am Mittwoch: "Ja, das ist der junge Mann, den ich 2013 verteidigt habe. Ich habe keine Zweifel."

Junge Griechin stürzte acht Meter in die Tiefe

Laut griechischer Medien überlebte das damals 20 Jahre alte Opfer, weil sie als Bergsteigerin wusste, wie man beim Fallen den Kopf schützt. Hussein K. war der griechischen Geschichtsstudentin, die auf dem Heimweg aus einer Bar war, nachts begegnet: "Er stand plötzlich vor mir. Ich gab ihm meine Handtasche. Als die Scheinwerfer eines Autos auftauchten, zog er mich zurück", zitiert "Bild" die Studentin.

Der griechische TV Sender Alpha zitierte 2014 das damalige Opfer im Rahmen seiner Prozessberichterstattung weiter mit den Worten: "Dann hat er mich an der Hüfte und den Beinen gepackt, hochgehoben und runtergeschmissen." Die Frau stürzte etwa acht Meter in die Tiefe und überlebte schwer verletzt.

Nach eineinhalb Jahren unter Auflagen freigelassen

Am 12. Februar 2014 kam es zum Prozess. Die Anklage damals lautete Diebstahl und versuchter Totschlag. Am Ende wurde Hussein K. zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Da er 2013 von den griechischen Behörden schon damals in einem Altersgutachten als zwischen 16 und 17 Jahre alt eingestuft worden war, wurde er in einem Jugendgefängnis auf dem Festland untergebracht. Die Pressestelle der Polizei der Ionischen Inseln bestätigte am Mittwoch auf Anfrage der BZ, dass der damalige Täter bereits am 31. Oktober 2015 auf Bewährung entlassen wurde. Er sei damals angewiesen worden, sich in regelmäßigen Abständen mit einem zuständigen Bewährungshelfer zutreffen.

"Wie er nach Deutschland kam, kann ich nicht sagen", meinte die Anwältin. Recherchen des Stern hatten am Dienstag die Frage aufgeworfen, welche kriminelle Vorgeschichte Hussein K. hat – und wer er wirklich ist.

Prozessvideo des griechischen Nachrichtendiensts Enikos auf dem nationalen TV-Kanal Alfa:



Laut einer Pressesprecherin der Stadt Freiburg sei Hussein K. am 12. November 2015 verläufig durch das Jugendamt Freiburg in Obhut genommen worden. Zur Tatzeit, der Tötung der Freiburger Medizinstudentin Maria L. am 16. Oktober, soll Hussein K. 16 Jahre alt gewesen sein. Den griechischen Angaben müsste er allerdings inzwischen 19 oder 20 sein. Das tatsächliche Alter eines Menschen zu bestimmen, ist laut Experten aber nicht möglich.

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