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06. März 2009

"Ich bin kein Fanatiker mehr"

BZ-Interview: Der Spitzenläufer Max Frei bereitet dieses Jahr Schülerinnen und Schüler auf den Freiburg-Marathon vor

Max Frei (32), mehrfacher Gewinner des Freiburg-Marathons, rennt bei dem Laufereignis am 29. März erstmals nicht für sich, sondern für seine Schüler mit. Derzeit bereitet der Sportlehrer am Rotteck-Gymnasium eine junge Lauftruppe auf das Rennen vor. David Weigend sprach mit ihm über den Wandel vom Spitzenreiter zum Laufpädagogen.

BZ: Herr Frei, was genau bereitet Ihnen beim Laufen Freude?
Max Frei: Das Alleinsein, das Einssein mit meinem Körper, das steht für mich im Mittelpunkt. Auf eine intime Art in der Natur zu sein. Wenn man schnell läuft, verengen sich die Gedanken, man ist nur noch bei seinem Körper und spürt die Natur. Das ist ein intensives Erlebnis. Oft wird man sich dessen auch erst später bewusst, wenn man zurückkommt.
BZ: Das klingt nach Meditation. Aber es ist doch auch Hochleistungssport, was Sie da machen.
Frei: Ja, aber das gehört auch ein wenig zusammen. Wenn du gut drauf bist und ein bestimmtes läuferisches Niveau erreicht hast, bekommst du die Fähigkeit, mit dem Tempo zu spielen. Du kannst es rollen lassen, dann wieder fliegen und preschen, dieses Laufen ist sehr lustvoll.

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BZ: Laufen Sie mit Musik?
Frei: Praktisch nie. Aber früher, als ich Deutsch studierte, habe ich Kassetten im Walkman gehört, auf denen Goethe gelesen wurde. Manchmal haben sich die Romanstellen mit bestimmten Naturstellen verbunden. Wenn ich heute durchs Katzental laufe, habe ich immer noch die Wahlverwandtschaften vor Augen.

BZ: Bislang haben Sie jeden Freiburg-(Halb)Marathon gewonnen oder wurden Zweiter. Welche Ambitionen haben Sie dieses Jahr?
Frei: Meine Schüler über die Halbmarathondistanz mit Spaß ins Ziel zu begleiten. Nachdem wir vergangenen Herbst bei unserem Sponsorenlauf am Rotteck merkten, dass wir viele talentierte Läuferinnen und Läufer haben, setzten wir uns das Ziel: "21 Schüler für die 21 Kilometer." Seit zehn Wochen trainieren wir.
BZ: Sie werden also am 29. März nicht im Spitzenfeld mitlaufen?
Frei: Nein. Wahrscheinlich eher tausend Startnummern und Nadeln organisieren, Blasen abkleben und so etwas. Ich werde mit einem Rucksack voller Traubenzucker und Getränke mit meinen Schülern joggen. Wir wollen das Ziel etwa in zwei Stunden erreichen.
BZ: Wie alt sind diese Schüler?
Frei: Größtenteils 14, sie gehen in die achte Klasse. Es sind auch ältere dabei.
BZ: Ist das für 14-Jährige nicht ein wenig zu viel verlangt?
Frei: Wie gesagt, vergangenes Jahr haben viele von ihnen gemerkt, dass es für sie gar kein Problem ist, diese Distanz zu laufen. Die Schüler machen das mit Begeisterung. Und organisch hat sich schon oft gezeigt, dass sie das durchhalten. Mein Job ist aber auch, zu sagen: Bei diesem Schüler sind die 21 Kilometer drin, bei jenem wäre es doch besser, wenn er nur die S'Cool Run-Staffel läuft.
BZ: Welche Zeiten laufen Ihre talentiertesten Schützlinge über 21,1 Kilometer?
Frei: Zwischen 1 Stunde und 45 Minuten und 1 Stunde und 50 Minuten. Das hängt ein wenig davon ab, wie sie meine Ratschläge für die letzten Wochen vor dem Lauf umsetzen.

BZ: Wie merken Sie, ob jemand das Zeug dazu hat, ein guter Läufer zu werden?
Frei: Weniger über die Leistung, mehr über den Laufstil. Die Leichtigkeit, die Ästhetik, mit der manch ein 14-Jähriger schon läuft. Aber viele Jungs haben in diesem Alter in erster Linie Fußball im Kopf. Ist ja auch okay. Viele kommen erst zurück, wenn sie älter werden.

BZ: Wie definieren Sie Talent?
Frei: Talent ist sehr viel mehr als die Anlage der Organe und der Muskulatur. Es gehört auch eine mentale Ausdauer dazu, gerade bei den Jüngeren. Im Spitzenbereich geht es dann um Verletzungsresistenz und Konsequenz im Training.
BZ: Wie oft trainieren Sie mit den Schülern?
Frei: Wir versuchen derzeit, das Laufen einmal in der Woche in den Sportunterricht einzubauen. Zusätzlich gibt es die Lauf-AG. Und dann sollten sie schon noch ein- oder zweimal laufen gehen. Vier Einheiten im Ausdauerbereich in dieser Trainingsphase sind wünschenswert.
BZ: Bei welchen Fragen brauchen die jungen Läufer Ihre Ratschläge?
Frei: Den Schülern mangelt es ein wenig am Respekt vor den 21 Kilometern. Ich muss ihnen vermitteln, dass sie es ruhig angehen und dass sie die zweite Hälfte schneller laufen als die erste. Sie müssen ein Gefühl dafür kriegen, wie man ruhig läuft. Kinder rennen wild und stürmen einfach los. So lang, bis sie nicht mehr können. Dann bleiben sie einfach stehen.
BZ: Wie alt waren Sie eigentlich bei Ihrem ersten Wettkampf?
Frei: Fünf. Das war beim Basler Stadtlauf. Mein Vater hat mich damals gefördert. Wobei er nicht einer dieser Sportväter war, wie man sie öfters sieht, die die ganz jungen Talente verheizen: Mit zehn Jahren die Sensation, nach der Pubertät dann ein drop out. Wir haben das ganz gut hinbekommen, sonst würde ich heute auch nicht mehr laufen.
BZ: Wie bekommen Sie Training, Schuldienst und Privatleben unter einen Hut?
Frei: An der Schule habe ich nur eine 75-Prozent-Stelle. Da ich noch nicht so lange im Schuldienst bin und die Routine erst noch kommen muss, stecke ich noch viel Zeit in die Unterrichtsvorbereitung. So geht es schon manchmal an die Substanz, wenn du erst um 18.30 Uhr an der Dreisam stehst, um dein Training zu starten.
BZ: Manche laufen ja auch frühmorgens.
Frei: Das pack’ ich nicht. Am liebsten laufe ich gegen Abend, nachdem ich die Arbeit erledigt habe. Computer runterfahren, Laufschuhe an. So beginnt der Ausklang des Tages. Aber gerade, wenn du hart trainierst, ist es schwer, die Spannung über den Tag zu halten.

BZ: Isoliert man sich nicht vom sozialen Leben, wenn man so viel läuft wie Sie?
Frei: Die Menschen um mich herum sind alle relativ sportbegeistert, so dass wir auch mal was zusammen machen können. Dieser Fanatismus, dieses Fixiertsein darauf, zweimal am Tag trainieren zu müssen, so bin ich nicht mehr. So war ich während meiner läuferischen Hochphase zwischen 18 und 21.
Eine lange Version des Interviews lesen Sie im Internet auf http://www.fudder.de .