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27. Dezember 2008

"Ich picke mir aus beiden Kulturen das Beste heraus"

BZ-INTERVIEW mit Silvia Ljubicic von der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft darüber, wie das Miteinander in Freiburg denn so klappt

Wie bunt ist Freiburg? Wie fühlen sich in der verschiedenen kulturellen Gruppen aufgenommen? Darüber hat Silvia Ljubicic (34), Vorsitzende der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft, mit Veronika Keller gesprochen. Sie verrät auch, welches badische Dialekt-Wort einen kroatischen Ursprung hat.

BZ: Ist Freiburg eine Multikulti-Stadt?
Silvia Ljubicic: Ich mag den Begriff Multikulti nicht. Das klingt so, als ob man alles in einen Topf schmeißt und kräftig umrührt, und am Ende hat man nur noch eine Suppe, die unter Umständen ungenießbar ist. Ich würde eher von Vielfalt sprechen. Und die gibt es in Freiburg tatsächlich. Das Schöne ist, dass die unterschiedlichen kulturellen Gruppen hier wenig Vorbehalte gegeneinander haben. Vorurteile gibt es immer, aber Freiburg ist durch seine junge und offene Bevölkerung eine recht tolerante Stadt. Da die Kroaten sich in ihrer Geschichte oft an politische und kulturelle Gegebenheiten anpassen mussten, fällt es ihnen vielleicht auch leichter, sich hier zu integrieren. Außerdem ist ihr Hintergrund gar nicht so anders: Sie sind katholisch, es gab eine Regierung der Habsburger, und sogar im badischen Dialekt gibt es kroatische Spuren: Das Wort "Krummbiere", das im hiesigen Dialekt "Kartoffel" heißt, ist auch im Kroatischen nicht unbekannt. Dort heißt die Kartoffel "Krumpir".

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BZ: Inwiefern unterscheiden sich Deutschland und Kroatien?
Ljubicic: Der größte Unterschied ist wohl die Lebensweise. In Deutschland ist man oft gehetzt und termingebunden. Wenn mich kroatische Freunde besuchen, sind sie oft überrascht, dass man einen Termin ausmacht, um sich mit Freunden zu treffen. In Kroatien macht man das eher spontan und mit einer gewissen Leichtigkeit. Selbst die meisten Geschäfte werden in gelöster Atmosphäre im Café abgewickelt. Was das angeht, haben die Kroaten eher die südländische Herangehensweise. Ein weiterer Unterschied ist der enge Zusammenhalt in kroatischen Familien. Die Familie ist sehr wichtig, und zwar nicht nur die Kernfamilie, sondern auch Tanten, Onkel und sogar Trauzeugen. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass mehrere Generationen zusammen im selben Haus leben. Ich selbst bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe aber kroatische Eltern. Deshalb picke ich mir aus beiden Kulturen jeweils das Beste heraus. Bei den Kroaten wäre das die Leichtigkeit und die Fröhlichkeit, bei den Deutschen die Zielgerichtetheit; und bei beiden die Warmherzigkeit.
BZ: Was macht die deutsch-kroatische Gesellschaft?
Ljubicic: Den Verein gibt es seit 16 Jahren und er hat etwa 130 kroatische und deutsche Mitglieder. Er verfolgt sowohl humanitäre als auch kulturelle Ziele. Besonders während der Kriegsjahre haben wir zusammen mit der Caritas Spenden organisiert und waren wohltätig aktiv. Auch heute laufen noch mehrere wohltätige Projekte. Gerade in letzter Zeit richten wir unser Augenmerk aber auch auf die kroatische Kultur: Bei Kroatien denken viele nur an Urlaub und Meer. Wir möchten zeigen, dass das Land mehr zu bieten hat. Durch seine Position zwischen Byzanz und dem römischen Reich hat es eine sehr reichhaltige Kultur. Hier in Freiburg haben wir schon kroatische Kulturtage veranstaltet, im Friedrichsbau kroatische Filme gezeigt, klassische Konzerte und Lesungen von kroatischen Schriftstellern organisiert. Im nächsten Frühjahr wird es eine Ausstellung über Faust Vrancic geben. Er ist sozusagen der Leonardo da Vinci von Kroatien und hat unter anderem den Fallschirm erfunden. Seit der Erfindung hat sich der Fallschirm gar nicht so sehr verändert. Die wenigsten wissen, dass die Idee von einem Kroaten stammt.