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23. August 2014

In der Seelsorge "in den Arm genommen"

Verein "Herzklopfen" finanziert an der Uni-Kinderklinik den evangelischen Seelsorger Jens Terjung.

  1. Im Gespräch: Seelsorger Jens Terjung auf der Herzstation Noeggerath in der Uni-Kinderklinik Foto: Michael Bamberger

Wenn ein Kind einen Herzfehler hat, steht für Familien die Welt still. Das Leben ändert sich schlagartig. Viele Stunden verbringen sie meist nicht Zuhause, sondern an der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie, die in der Uni-Kinderklinik Freiburg untergebracht ist. Unterstützung in der schwierigen Zeit bekommen Eltern beim Verein "Herzklopfen" – und beim evangelischen Seelsorger Jens Terjung. Seit kurzem finanziert der Verein dessen Halbtagsstelle, zunächst für zwei Jahre.

Jens Terjung greift in die Saiten seiner Gitarre. "Heut’ ist dein Entlasstag, darum feiern wir", singt der Seelsorger gemeinsam mit dem Pflege- und Ärzteteam der Station Noeggerath. Entlasstag ist heute für den dreijährigen Paul. Lange war die Freiburger Uni-Kinderklinik sein Zuhause: Gemeinsam mit seiner Familie wartete Paul ein halbes Jahr auf ein Spenderherz. Heute lacht der Dreijährige, bei seinen Eltern rollen Tränen. Auch Jens Terjung verabschiedet die Familie mit einem weinenden, aber vor allem einem lachenden Auge. Paul darf endlich nach Hause. Terjung hat miterlebt, wie es dem Jungen immer schlechter ging, oft hat er mit den Eltern gesprochen. Im Gespräch, sagt der Seelsorger, könnten viele loslassen.

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Auch Professorin Brigitte Stiller ist zum Abschiedssingen gekommen. Seit sechseinhalb Jahren arbeitet sie in Freiburg und leitet die Kinderkardiologie (siehe Info-Box). "Viele leben in der Angst, dass ihr Kind stirbt", sagt sie. Um so wichtiger sei es, wenn sich jemand wie Jens Terjung um Eltern kümmere – egal ob evangelisch, katholisch, muslimisch. "Er sieht den Mensch", sagt Stiller. Das ist einer der Gründe, warum der Verein "Herzklopfen" die Stelle finanziert. Seit 1995 gibt es die Elterninitiative, die vom Elterntreffen über Ausflüge bis zur Kinderherzsportgruppe Verschiedenes anbietet.

Jens Terjung ist im Notfall Tag und Nacht erreichbar

Dank Spenden kann der Verein nicht nur zeitweise Erzieherin Karin Knöpfer engagieren, sondern halbtags die nächsten zwei Jahre – dank Hilfe der "Stiftung Kranken Begleiten" der evangelischen Landeskirche – auch Jens Terjung. "Wenn jemand Anteil nimmt, gibt das Kraft", sagt Vereins-Geschäftsführerin Petra Huth. Und warum kein Psychologe? "Bei der Seelsorge fühlt man sich in den Arm genommen." Tag und Nacht sei Terjung im Notfall erreichbar, "das ist so wertvoll".

Jens Terjung lächelt bescheiden: "Es gehört zu meinem Berufsbild." Der Familienvater ist evangelischer Diakon, seit 13 Jahren arbeitet der Angestellte der evangelischen Landeskirche in der Seelsorge der Uni-Klinik. "Ich bringe den Blick auf das Leben und den Tod mit." Und er hört sich alles an, was den Menschen auf der Seele liegt. Außerdem hilft er bei Alltagsproblemen, kommuniziert mit Ärzten – ab und zu tauft er auch ein schwer krankes Baby auf der Station. "Es gibt traurige Zeiten, da habe ich einen tränenreichen Job." Trotzdem: Jens Terjung ist bekannt dafür, gute Laune zu verbreiten. Sein Büro hat er mitten auf der Station Noeggerath, zwischen herzkranken Kindern und ihren Eltern. Viele verbringen dort Wochen, Monate. Petra Huth kennt das Krankenhausleben. Sie war selbst mit ihrer heute 15-jährigen Tochter Jessica dort. "Es geht nicht immer gut aus – gerade dann brauchen Eltern Betreuung."

Klinikseelsorger kümmern sich normalerweise im Schnitt um 600 bis 800 Betten. Diakon Jens Terjung kann sich viel mehr Zeit für Kinder und Eltern nehmen. Und die können auf seine Schweigepflicht zählen: "Was man mir erzählt, bleibt bei mir."

Mehr Infos zum Verein gibt es auf http://www.herzklopfen-ev.de.

KINDERKARDIOLOGIE

An der Uni-Kinderklinik werden in der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie im Jahr rund 4000 Kinder und Jugendliche von einem Team mit etwa 15 Ärzten um Professorin Brigitte Stiller behandelt – ambulant und stationär. Auf der Station Noeggerath versorgen sie rund um die Uhr Patienten – vom Baby bis zum Teenager – mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern. Manche warten auf eine Herztransplantation oder haben sie hinter sich. 200 OPs finden jährlich statt, 300 Herzkatheter werden gelegt. Eltern bekommen Hilfe vom Verein "Herzklopfen". Die Elterninitiative finanziert über Spenden verschiedene Angebote – auch einen Seelsorger.  

Autor: ywe

Autor: unsrer Redakteurin Yvonne Weik