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02. März 2011
In einem Kleid aus Zeitungen zur Schule
Nach einem bewegten Leben feiert Franziska Klatz heute ihren 100. Geburtstag.
An ihre Schulzeit in Neustadt erinnert Franziska Klatz sich noch genau – und mit gemischten Gefühlen. "Niemand wollte neben mir sitzen. Man nannte mich die Östrische, wie meine Eltern aus Österreich kamen und ich etwas anders sprach als die anderen Kinder." Schon sechs Monate nach ihrer Geburt war die Familie von Oberösterreich in den Südschwarzwald gezogen, weil der Vater in der Papierfabrik Arbeit bekommen hatte. Heute feiert Franziska Klatz ihren 100. Geburtstag.
Der Schulbesuch war ihr auch noch aus einem anderen Grund unbehaglich: Sie musste steife, empfindliche "Zeitungskleider" tragen, die ihre Mutter für den Schulbesuch anfertigte. Drei große Bögen Zeitungspapier wurden gebügelt und mit einer klebrigen Flüssigkeit verbunden. Aus diesem "Stoff" schneiderte die Mutter ein Kleid. Drei bis vier Kinder ihrer Klasse hatten solche Kleider, das waren die aus den besonders armen Familien. Doch gehänselt wurden die Kinder nicht unbedingt: Der interessanten Bilder wegen, die man auf ihnen finden konnte, wünschten sich manchmal auch wohlhabendere Mädchen solche Zeitungskleider.
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Mit 16 Jahren verließ Franziska die Schule und arbeitete als Haushaltshilfe und Kindermädchen, später auch beim Kadus-Werk in Neustadt. Kurz nach dem Krieg lernte sie den Maschinenschlosser Hermann Klatz kennen, den sie 1948 heiratete. Trotz der schweren Zeiten genossen sie ihre Liebe: "Es war schön. Wir sind miteinander fortgegangen, sind gewandert, wir haben nichts vermisst."
Sie zog zu ihm nach Freiburg und bekam eine feste Stelle beim Erzbischöflichen Ordinariat. "Als Putzfrau! Ich schäm mich nicht, das zu sagen." Dort und im Dompfarramt war sie insgesamt 19 Jahre beschäftigt und hat sich wohlgefühlt. 1950 und 1954 kamen ihre Söhne zur Welt, von denen der Ältere schon mit 40 Jahren überraschend an einer Hirnblutung verstarb. Auch ihr Mann starb früh, in den 70er Jahren.
Der zweite Sohn Hubert und seine Familie kümmern sich bis heute treu um sie. Hubert staunt immer wieder über die Zähigkeit, mit die zerbrechliche Mutter Stürze und Krankheiten übersteht: "Erst wollte sie unbedingt die Geburt ihres Enkels noch erleben. Dann seine Einschulung. Dann die Kommunion." Mit solchen Zielen vor Augen hat sie sich bis kurz vor ihrem 99. Geburtstag sogar in der eigenen Wohnung im Stühlinger selbst versorgen können.
Doch nach einem Sturz wollten die Beine nicht mehr, sie kam zur Kurzzeitpflege ins Senovum und blieb. "Ich wundere mich ja selbst, dass ich so alt geworden bin. Wahrscheinlich, weil ich so brav war und nie gefaulenzt habe! Ich habe immer geholfen, wenn mich jemand gebraucht hat", sagt Franziska Klatz und es liegt ein wenig Stolz in ihrer Stimme. Was sie ihren Angehörigen vor allem wünscht? "Sie sollen auch so schön alt werden, und dann an mich denken, wenn sie es sind!"
Autor: schs
