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20. Januar 2015 11:18 Uhr

Wohnungsmarkt

In Freiburg werden Sozialwohnungen dringend benötigt – aber kaum gebaut

Freiburg braucht günstige Mietwohnungen. Doch für Investoren sind sie wegen niedriger Zinsen uninteressant. In den letzten zwei Jahren wurden nur 18 Sozialwohnungen gebaut – geplant hatte die Stadt 300.

  1. Freiburg braucht dringend günstige Mietwohnungen. Doch für Investoren ist es völlig reizlos, solche Sozialwohnungen zu bauen. Foto: dpa

Freiburg braucht dringend günstige Mietwohnungen, vor allem geförderte. Doch für Investoren ist es völlig reizlos, solche Sozialwohnungen zu bauen. Wie reizlos, zeigt ein Blick auf die Statistik der landeseigenen L-Bank, die sehr günstige Förderdarlehen dafür vergibt: Im Jahr 2013 wurden Freiburger Anträge für sechs Wohnungen bewilligt, im Jahr 2014 für zwölf. Zur Erinnerung: Gemeinderat und Stadtverwaltung wollen pro Jahr mindestens 150 neue Sozialwohnungen sehen, besser noch 300.

Geförderte Mietwohnungen werden in Freiburg dringend gebraucht. Das sagt auch die neue "Studie Wohnen", die die Stadtverwaltung am Freitag vorgestellt hat. Doch kann das sein, dass in den vergangenen zwei Jahren nur so wenige Sozialwohnungen entstanden sind? Die Nachfrage bei der städtischen Wohnbaugesellschaft Stadtbau und beim Amt für Wohnraumversorgung erbringt zwar andere Zahlen, die Größenordnung aber bleibt die gleiche: 2013 sollen es zwölf Wohnungen gewesen sein, 2014 – gar keine.

"Geförderter Wohnungsbau ist zur Zeit wenig attraktiv, freiwillig investiert niemand", bestätigt Gudrun Fehrenbach vom Amt für Wohnraumversorgung. "Für uns ist das natürlich nicht schön." Die Zurückhaltung hat zwei Gründe: das niedrige Zinsniveau und der angespannte Freiburger Wohnungsmarkt.

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Miete mit 33 Prozent ist unattraktiv

Baut jemand eine normale Mietwohnung, bekommt er von den Banken sehr günstige Darlehen um drei Prozent und könnte für die ortsübliche Vergleichsmiete plus 20 Prozent vermieten – und in Freiburg würde er das auch kriegen. Würde dieser Investor dagegen eine geförderte Mietwohnung bauen wollen, bekäme er von der L-Bank ein noch günstigeres Darlehen, könnte aber nur die ortsübliche Vergleichsmiete minus 33 Prozent verlangen. Im Extremfall wären das mehr als 50 Prozent Differenz – kein Wunder also, dass sich das Geschäft mit geförderten Wohnungen praktisch erledigt hat.

Zwar schreiben die baulandpolitischen Grundsätze der Stadt Freiburg vor, dass bei Neubauten 30 Prozent Sozialwohnungen dabei sein müssen, doch das gilt nur für neue Baugebiete, wo neues Baurecht geschaffen wird. Bei Nachverdichtungen entfällt diese Pflicht.

Das einzige Unternehmen, das in Freiburg noch kontinuierlich Sozialwohnungen baut, ist die Stadtbau. Geschäftsführer Ralf Klausmann sagt: "Renditeobjekte laufen nicht im sozialen, sondern im frei finanzierten Wohnungsbau", weshalb er Sozialwohnungsbau mit dem Verkauf von Eigentumswohnungen subventioniert.

Allerdings, sagt Klausmann, würden trotzdem mehr geförderte Wohnungen gebaut, als es laut Statistik scheine. So hat die Stadtbau selbst im vergangenen Jahr 130 Sozialwohnungen fertiggestellt; die Bewilligungsanträge bei der L-Bank für die Fördermittel waren aber schon Jahre vorher nach Stuttgart geschickt worden. Für die Berliner Allee waren 2011 zum Beispiel Anträge auf 180 Wohnungen bewilligt worden, diese wurden dann innerhalb von vier bis fünf Jahren gebaut.

Viele Sozialwohnungen fallen aus der Mietbindung

Trotzdem: 2014 hat auch die Stadtbau keinen Antrag gestellt. "Wir wollten 21 Wohnungen in dem Achtgeschosser an der Sulzburger Straße unterbringen", so Klausmann. Nach Bürgerprotesten hat der Gemeinderat das Vorhaben erst einmal zurückgestellt. Doch von 2015 bis 2019 will die Stadtbau Fördermittel für 610 Sozialwohnungen beantragen, unter anderem für Projekte auf dem Güterbahnhofgelände sowie in Haslach an der Belchenstraße, auf Gutleutmatten und für die ersten Abschnitte der ECA-Siedlung.

2013 und 2014 seien weniger als 1000 Sozialwohnungen in ganz Baden-Württemberg gebaut worden, "erschreckend wenig", so Klausmann. Gleichzeitig aber fallen immer mehr alte Sozialwohnungen aus ihrer Mietpreisbindung und nähern sich den marktüblichen Mieten an.

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Autor: Simone Lutz