Kooperation

In Vörstetten könnten 42 Wohneinheiten entstehen – weil in Freiburg kein Platz ist

Joachim Röderer und Max Schuler

Von Joachim Röderer & Max Schuler

Fr, 02. Februar 2018 um 13:17 Uhr

Freiburg

In kleinen Schritten gegen die Wohnungsnot: Weil in Freiburg Bauland fehlt, will Freiburg Baukontingente an Umlandgemeinden abtreten. In Vörstetten könnte das zuerst klappen.

Weil die Stadt Freiburg nicht genug Raum für neue Baugebiete hat, können Umlandgemeinden Flächenkontingente aus Freiburg für eigene Baugebiete übernehmen. So sieht es ein regionales Kooperationsmodell vor, das seit 2016 läuft und auf Freiwilligkeit basiert. Als Zwischenergebnis liegt bislang nur eine Fläche in Vörstetten für 42 Wohneinheiten auf dem Tisch, wenn es von Vörstetter Seite denn klappt. Dort gab es nun erst einmal leichte Irritationen.

In Vörstetten könnten 42 Wohneinheiten entstehen

Die Verhandlungen laufen seit zwei Jahren

Im Freiburger Gemeinderat wurde am Dienstag kontrovers diskutiert. OB Dieter Salomon wies dabei energisch den Vorwurf gescheiterter Regionalpolitik zurück. Klar ist: Seit zwei Jahren verhandelt die Stadt Freiburg mit den beiden Nachbarlandkreisen und mit acht Kommunen im Elztal und im Markgräflerland über die Kooperation bei der Wohnbaupolitik. Im Gemeinderat wurde jetzt ein Zwischenfazit gezogen.

Am weitesten sind die Gespräche mit den Nachbarn in Vörstetten gediehen. Dort wurde eine 1,2 Hektar große Fläche im Gewann Krummacker als mögliches Neubaugebiet ausgeguckt. 42 Wohneinheiten könnten dort entstehen, hieß es dazu in der Sitzungsvorlage über die Voruntersuchungen. Kurios: Die Vörstetter Bürger wussten bisher nichts von den Standortplänen, die jetzt im Freiburger Stadtrat vorgestellt wurden.

"Der Ablauf passt für uns, die Kooperation verläuft gut" Vörstetter Gemeinderat Thomas Schonhardt
Die Diskussionen in der Nachbargemeinde verliefen bislang nichtöffentlich. "Es gibt in dieser Sache auch noch keinen Beschluss vom Gemeinderat", betont SPD-Gemeinderat Thomas Schonhardt auf BZ-Nachfrage.

Noch gehört das Gelände Vörstetten

Die Fläche im Krummacker befindet sich auch nicht im Besitz der Gemeinde. Bürgermeister Lars Brügner fühlt sich nach eigener Aussage dennoch nicht überrumpelt vom Vorgehen des Freiburger Rathauses. "Der Ablauf passt für uns, die Kooperation verläuft gut", sagt er. In nichtöffentlicher Sitzung habe sich der Krummacker als Favorit herauskristallisiert. Brügner will demnächst die Ergebnisse des Abschlussberichts öffentlich vorlegen: "Ob, wann und wie wir die Fläche nutzen, entscheidet alleine der Gemeinderat Vörstetten." Da zuerst noch zwei andere Baugebiete entwickelt werden sollen, könnte es aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis durch die Kooperation mit Freiburg zusätzlicher neuer Wohnraum in Vörstetten entsteht.

Vörstetten ist aber nicht die einzige Option. Im Gespräch ist auch eine Zusammenarbeit mit der Stadt Neuenburg, wo weitere Baugebiete entstehen könnten.

Die Zwischenbilanz wurde im Gemeinderat unterschiedlich bewertet. "Der Berg kreißte und gebar ein Mäuschen", urteilte SPD-Gemeinderat Walter Krögner. Er sprach von Freiburg als Kraftzentrum ohne Kraft. Von der Region Freiburg sei nicht mehr viel zu spüren.

"Man muss stärker regional denken, auch hier im Rathaus", so Krögner. Viel Papier und viele Worte würden aufgewandt für einen überschaubaren Erfolg, meinte auch Johannes Gröger (Freie Wähler). Er verwies auf einen Paragrafen der Gemeindeordnung, wo es um eine mögliche Erweiterung des Gemeindegebiets ging – ohne genau zu erklären, was er damit meinte.

In kleinen Schritten gegen die Wohnungsnot

Wolf-Dieter Winkler (Für Freiburg/ Freiburg Lebenswert) äußerte die Befürchtung, dass durch flächenfressende Neubaugebiete im Umland die Landwirte noch mehr Flächen verlieren würden. Und Winkler zitierte, was das Grundgesetz über den Schutz der Natur sagt. Das brachte ihm eine bissige Replik von Patrick Evers (FDP) ein. Er riet Winkler, er solle doch das Bundesverfassungsgericht anrufen, falls die 42 Wohneinheiten in Vörstetten eine verfassungswidrige Siedlungsentwicklung darstellen würden.

"Wir wollen nichts bestimmen, nichts überstülpen" OB Dieter Salomon
Eckart Friebis (Grüne) bezeichnete das Kooperationsmodell als ein Mosaiksteinchen im Kampf gegen die Wohnungsnot. "Das ist jetzt ein Anfang, auch wenn es noch nicht der große Knaller ist." Auch Bernhard Schätzle (CDU) hält gemeinsames Vorgehen für besser, als wenn jeder "sein eigenes Süppchen kocht".

Baubürgermeister Martin Haag verteidigte das Erreichte. Es gehe eben nur mit kleinen Schritten. Für ihn steht fest: "Der Wohnungsmarkt ist schon jetzt regional." Und OB Dieter Salomon verwies auf das gute Miteinander mit dem Umland – das sei vor 25 Jahren noch anders gewesen, als die Nachbarn noch fürchteten, über den Tisch gezogen zu werden. "Wir wollen nichts bestimmen, nichts überstülpen", so der OB. Natürlich wollten die Nachbarn auf deren Gemarkung nicht die Freiburger Probleme lösen. Man werbe um Vertrauen, viele Vorurteile hätten abgebaut werden können. "Wir sollten die regionale Zusammenarbeit, die wir hegen und pflegen, nicht durch loses Geschwätz kaputtmachen", sagte Salomon zu den Kritikern im Rat.

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