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19. August 2010
50 Mal Freiburg
Automaten-Emma: Jederzeit Speis und Trank
Sie ist die Mutter aller Spätkäufe: An der Automaten-Emma gibt es seit Jahrzehnten rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr Speis und Trank sowie die wichtigsten Dinge des täglichen Bedarfs – und das ohne jegliches Personal.
Freiburg ist sich ja oft selbst genug. In der Gemütlichkeitsfalle schmort es sich ganz gut im eigenen Saft. Frischer Wind, dem anderswo schon längst die Puste ausgegangen ist, bläst auch schon mal Jahre später als der neue Trend durch die Stadt.
Doch in einem Fall war Freiburg ganz, ganz vorne dabei. Als sich in der Metropole Berlin die Institution des Spätkaufs – das sind privat betriebene Mini-Supermärkte, die bis in die Nacht offen sind – gerade erst durchsetzte, hatte Freiburg schon längst die Automaten-Emma. Sie ist die Mutter aller Spätkäufe: Hier gibt es schon seit Jahrzehnten rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr Speis und Trank sowie die wichtigsten Dinge des täglichen Bedarfs – und das ohne jegliches Personal.
Ursprünglich waren die Emmas zu zweit. Die Filiale in der Schwarzwaldstraße musste in den 1990ern einem Laden für portugiesische Delikatessen weichen – kein Wunder, die dem Mediterranen zuneigende Wiehre beginnt direkt dahinter.
Bleibt die Emma in Zähringen. Hinter einer Glasscheibe steht ein Regal mit gut 150 Schubfächern, in denen die Waren lagern: Bier für 1,20 Euro, Schokoriegel für 70 Cent, Feuerzeuge für einen halben Euro, dazu Klopapier, Texastopf, Chips, Erdnüsse, Toastbrot oder frische Eier. Selbst an Vierbeiner ist gedacht: Ganz unten links im Regal liegen Katzenfutter und "saftige Brocken" für den Hund – selbstredend in "leckerer Soße".
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Das Sortiment ist auf Bewohner von Fernsehsesseln, Nachtschwärmer und Vergessliche ausgerichtet, die ohne die Emma mit leerem Magen ins Bett gehen müssten und auch kein Frühstück bekämen. Der Verkauf läuft vollautomatisch. Geld einwerfen, die Nummer des Artikels eintippen. Danach setzt sich ein rechteckiger Korb in Bewegung, fährt zum entsprechenden Fach, die Ware plumpst in den Korb und kann kurz darauf aus einem Schacht genommen werden.
Aber die dralle Emma, die sich auf dem Firmenschild im Dirndl zeigt, hat auch Feinde. Anwohner ärgern sich, wenn die nächtliche Kundschaft, die zu einem beträchtlichen Teil aus passionierten Bierfreunden besteht, lautstark palavert. Andere sehen in dem Verkaufsraum, einem Traum aus melierten Kacheln und stumpfem Stahlblech, einen Hort des Rechtsbruchs. Tatsächlich aber genügt Emma dem Jugendschutzgesetz. Wer Alkohol kaufen will, muss seinen Personalausweis durch einen Schlitz ziehen und nachweisen, dass er alt genug ist. Es scheint also alles mit rechten Dingen zuzugehen. Bleibt nur eine Frage offen: Wann wird sie endlich unter Denkmalschutz gestellt?
Und sonst? Emmas Verwandte in Karlsruhe an der Kriegsstraße 5 heißt Erna und ist deutlich jünger.
Autor: Peter Disch


