Interview

Joachim Scheck ist Chef und Gründer des nun 25 Jahre alten Vereins Vistatour

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 14. Juni 2018

Freiburg

In die Tiefe zu gehen statt immer gleiche Klischees zu zeigen – an Orten, die unbekannt oder auf den ersten Blick unscheinbar sind: Das ist seit 25 Jahren das Ziel der Führungen des Vereins Vistatour. Natürlich auch beim Jubiläumsprogramm, das am Samstag mit ungewöhnlichen Straßenbahnfahrten startet.

Im Herbst stehen unter anderem die Parkhäuser und Tiefgaragen der Altstadt und das Industriegebiet Nord auf dem Programm. Anja Bochtler hat mit dem Vistatour-Chef Joachim Scheck (58) gesprochen – er hat den Verein 1993 gegründet.

BZ: 25 Jahre Vistatour – gehen da nicht
langsam die Ideen aus?
Scheck: Nein, im Gegenteil. Wenn wir nicht auf die Finanzierung und den Aufwand schauen müssten, könnten wir jedes Jahr 30 neue Führungen dazu nehmen. Die Themen sind uferlos. Uns fällt selber immer wieder was ein, und wir bekommen oft Anregungen, zum Beispiel von alteingesessenen Freiburgern. Außerdem melden sich auch immer wieder Externe bei uns, die Führungen zu irgendwelchen Spezialthemen anbieten, die nehmen wir dann meist auch noch mit dazu. Es gibt aber auch Klassiker, die immer wieder gut laufen. Die Kartaus ist so ein Fall, die ist fast seit Anfang an dabei, und wir bieten dort immer noch zwei oder drei Führungen im Jahr an. Mit dem United World College ist inzwischen noch ein neuer Aspekt dazu gekommen.
BZ: Das Motto von Vistatour ist "Freiburg auf den zweiten Blick", die Führungen sollen vom Üblichen abweichen und auch mal sperrig sein – was war bisher am Sperrigsten?
Scheck: Die "Überraschungen entlang der Rennpiste", da sind wir neben der B 31 von Himmelreich nach Hinterzarten gegangen. Diese Strecke wäre so jetzt gar nicht mehr möglich, weil es den Fußgängertunnel am Hirschsprung nicht mehr gibt. Aber diese Tour war ein typisches Beispiel für unser Anliegen: Dort fährt man normalerweise immer nur mit dem Auto oder Zug vorbei, und niemand mehr bemerkt auf dieser vielbefahrenen Verkehrsachse die vielen interessanten Relikte, die es dort gibt. Wer sich die Zeit nimmt, kann in eine völlig andere Welt eintauchen: Wir waren damals unter anderem in der Nikolauskapelle vor dem Hirschsprung, in der früher Reisende auf ihrem Weg durchs gefährliche Höllental eingekehrt sind und gebetet haben. Eine Frau, die gegenüber wohnt, hat den Schlüssel für die Kapelle. Doch den holt inzwischen fast nie mehr jemand ab.
BZ: Zum Jubiläumsprogramm gehören unter anderem eine Sommernacht auf dem Schauinsland und eine Exklusivführung durch das Rathaus mit dem Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach – was ist Ihr persönliches Highlight?
Scheck: Vielleicht die Straßenbahnfahrt am Samstag. Wir fahren mit der Nummer 56, einem der ältesten Wagen der Freunde der Freiburger Straßenbahn aus den 1920ern. Er ist schön alt mit Holzbänken. Während der Fahrt auf der Linie 1, immer hin und her zwischen Landwasser und Littenweiler. Ich erzähle spontan am Mikro, was mir zu der Strecke einfällt, angelehnt an mein Straßenbahn-Buch, das ebenso gestaltet ist. Gegen 16 Uhr löst mich meine Kollegin Carola Schark ab.

Samstag, 16. Juni, 14 bis 18 Uhr: Jubiläumsfahrt in der historischen Straßenbahn. Start um 14 Uhr beim Straßenbahndepot, Urachstraße 5, Weiterfahrt zunächst nach Landwasser über den Bertoldsbrunnen (ab 14.12 Uhr). Die Fahrt ist kostenlos, Spenden möglich. Fahrplan und Infos zum Jubiläumsprogramm: http://www.vistatour.de