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17. Oktober 2017 07:35 Uhr

Freiburger Buchladen

Jos Fritz mit Deutschem Buchhandlungspreis ausgezeichnet

Es ist die erste Auszeichnung in 42 Laden-Jahren: Die Freiburger Buchhandlung Jos Fritz ist mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden. Was macht Laden und Kunden aus?

  1. Tina Bolg (links) und Heidemarie Schlenk lesen, was auf den Tisch kommt – natürlich immer in Absprache mit dem ganzen Team – das spielt hier bis heute die wichtigste Rolle. Foto: Thomas Kunz

Diese erste Auszeichnung in den bislang 42 Laden-Jahren kommt gerade richtig, wie Buchhändlerin Tina Bolg erklärt: "Der Preis ist Anerkennung für das, was wir hier machen." Und das ist: Eine Umgebung schaffen, in der das Buch im Mittelpunkt steht, anspruchsvoll und ansprechend, ein paradiesischer Ort für die ganze Fülle von gutem Lesestoff.

Da aber fängt das Dilemma einer ehrgeizigen Buchhandlung eigentlich auch schon an: Was ist guter Lesestoff? Heidemarie Schlenk, mit 27 Arbeitsjahren in diesem Buchladen, ist die dienstälteste unter den derzeit neun Buchhändlerinnen bei "Jos Fritz". Sie erklärt, wie die jeweilige Auswahl aus der Fülle der Neuerscheinungen funktioniert: Diejenigen, die die Tische mit Lesestoff decken, beraten sich mit dem ganzen Team, sobald die Neuerscheinungen rauskommen.

Den politischen und literarischen Ansprüchen treu bleiben

"Früher haben dann auch schon mal fünf von uns mit dem Verlagsvertreter stundenlang zusammengehockt und einzelne Titel diskutiert", erzählt Heidemarie Schlenk, "das gibt’s heute nicht mehr, heute arbeiten wir eben doch effektiver, professioneller – und agieren dennoch als Team."

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Dass ihnen beides geglückt sei, betont auch Tina Bolg: Den politischen und literarischen Ansprüchen treu bleiben und sich doch weiterentwickeln. Per Fax Bücher bestellen? Zentnerschwere Kataloge wuchten? "Das wünscht sich keine von uns zurück", sagt Tina Bolg.

Der Laden ist ein sozialer Ort

Und auch eine Zeit ohne Online-Option erscheint nicht mehr wünschenswert. Der Buchhandlungspreis allerdings will "kleinen Buchläden Aufmerksamkeit verschaffen, die auch dabei hilft, Online-Kunden in die Buchläden zu holen."

Die Online-Kunden kämen aber ohnehin meistens auch selber ins nun preisgekürte Geschäft, berichten die Buchhändlerinnen, "zum Beispiel bestellt jemand nachts noch schnell was, das ihm gerade in dem Moment einfällt – und zwei Tage später holt er das bei uns ab."

Schneller als die großen Internet-Versender könne ein Buchladen nicht liefern – aber viele Jos-Fritz-Kunden seien den Giganten der Branche gegenüber kritisch eingestellt, so Bolg, und wählten deshalb bewusst die Online-Bestellung über ihre Buchhandlung: Auf der Jos-Fritz-Webseite kann man wie im Laden selbst gut beraten stöbern. In der Buchhandlung findet man aber mehr: "Der Laden ist einfach ein sozialer Ort, ein Treffpunkt."

7000 Euro Preisgeld

Dort findet man inzwischen außer dem exquisit sortierten Lesefutter auch fair gehandelten Kaffee und einige wenige italienische Lebensmittel, bio, versteht sich, aus einer Kooperative mit Anspruch. "Die wollten wir aus politischen Gründen unterstützen", sagt Heidemarie Schlenk. Sogar das passt zur Historie des Ladens: "Zu Gründungszeiten haben sich hier die undogmatischen Spontis versammelt – dem sind wir treu geblieben, kritisch und konstruktiv."

In diesem Sinne werden auch die Lesungen organisiert, die den Laden etwa ein Dutzend Mal im Jahr abends in eine Lesebühne verwandeln, für hiesige und fremde Autorinnen und Autoren und immer mit Riesenzuspruch. Auch das war preiswürdig. Und dafür werden nun die 7000 Euro Preisgeld auch angelegt.



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Autor: Julia Littmann