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16. Januar 2015

Mahnwache auf dem Augustinerplatz am Samstag

Juden können nicht zur Charlie-Hebdo-Demo - weil Schabbat ist

Vorsitzende der jüdischen Gemeinde nennt Termin für Kundgebung am Samstag "sehr unglücklich".

  1. Irina Katz in Paris Foto: Hayoun

Die Freiburger Solidaritätskundgebung für die Opfer des Terroranschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo und auf einen jüdischen Supermarkt in Paris nennt Irina Katz sehr unglücklich terminiert. Die Vorsitzende der jüdischen Einheitsgemeinde in Freiburg machte als einen der federführenden Veranstalter Ibrahim Sarialtin (Die Grünen) darauf aufmerksam, dass die Demonstration am Samstag, 17. Januar um 14 Uhr genau in die Schabbat-Gottesdienstzeit der jüdischen Gemeinde falle – da stand der Zeitpunkt aber schon fest. Während der Planung der Demo habe man die jüdische Gemeinde bedauerlicherweise nicht einbezogen, so Katz, sonst hätte man das Schabbat-Gebot berücksichtigen können.

Insgesamt sei die Aufmerksamkeit für die Juden in Freiburg erstaunlich gering, wenn es um die aktuellen Vorgänge in Frankreich ginge, erklärt die Vorsitzende: "Andernorts wurden die jüdischen Gemeinden von den Medien in die Berichterstattung einbezogen, in Freiburg richtet sich das Augenmerk fast ausschließlich auf die muslimischen Gemeinden, deren Befindlichkeit und Stellungnahmen." Sie selbst ist am Sonntag – solidarisch mit sämtlichen Opfern sämtlicher Konfessionen – zur großen Kundgebung nach Paris gefahren. Dort habe man so geplant, dass Muslims und Juden haben teilnehmen können. "Diese ganze große Veranstaltung war beeindruckend", sagt Irina Katz, "besonders bewegend war für mich die Gedenkfeier in der Großen Synagoge mit mehr als 2000 Menschen. Dort betonte der Vorsitzende des französischen Zentralrats der Juden, dass die französischen Juden sehr, sehr patriotisch seien." Gesungen wurde folglich auch nicht nur die Hymne Hatiqwa, sondern auch die Marseillaise. Einige Medien hätten in den Tagen danach abgefragt, wie sehr sich auch deutsche Juden vom nachdrücklichen Angebot Netanyahus angesprochen fühlen, nach Israel auszuwandern. Für die Freiburger Gemeinde kann Irina Katz keinen Auswanderungstrend ausmachen. Wohl aber fühle man sich auch hier sehr beunruhigt. Mit einem Schreiben an den Freiburger Polizeipräsidenten bittet die Gemeinde um ein Gespräch, um gemeinsam über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen nachzudenken.

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Zunächst einmal aber haben auch die Gemeindemitglieder die Demonstrationen im Blick – auch die Anti-Pegida-Demonstration in der Folgewoche ist so geplant, dass jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wegen des Samstagtermins nicht daran teilnehmen können. Das Dilemma für die Veranstaltung am 17. Januar habe sie salomonisch gelöst, sagt Irina Katz, indem sie einen solidarischen Redebeitrag schriftlich verfasst habe, der dort vorgetragen werden soll. Dennoch sei es ihr Anliegen, dass das Versäumnis wahrgenommen werde: "Sieben der Opfer waren Juden – da ist es ein Unding, ohne die jüdische Gemeinde ein Gedenken zu organisieren!"

Autor: Julia Littmann