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23. Oktober 2013 08:04 Uhr

Güterbahnhofsgelände

Jüdische Kita eröffnet in Freiburg

Friedliches Lernen mit und ohne Kipa: Auf dem Freiburger Güterbahnhofsgelände wurde mit der Kita Shalom die erste jüdische Bildungseinrichtung seit 1945 eingeweiht.

  1. Die jüdische Kultur soll in der Kita Shalom deutlich sichtbar werden. Foto: Ingo Schneider

Die Kinder trugen blaue Schleifen auf weißen Oberteilen und machten damit sichtbar, dass jüdisches Leben in Freiburg von nun an "wieder als Normalität erfahrbar ist". Vorsitzende Irina Katz und andere Vertreter der Israelitischen Gemeinde strahlten mit den übrigen Gästen um die Wette, unter ihnen Oberbürgermeister Dieter Salomon, Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik, Stadträte und Vertreter von Behörden: Am Dienstag wurde mit der Kita Shalom auf dem Güterbahnhofgelände erstmals seit 1945 wieder eine jüdische Bildungseinrichtung in Südbaden feierlich eingeweiht.

50 Ganztagsplätze stehen zur Verfügung

Ihren Betrieb aufgenommen hat sie schon im Mai dieses Jahres. Im September kam zu den beiden Gruppen für Drei- bis Sechsjährige noch eine für unter Dreijährige dazu, so dass jetzt 50 Ganztagsplätze zur Verfügung stehen, die alle vergeben sind. Bislang sind nur drei jüdische Kinder darunter, fünf weitere sind angemeldet. Masha Radbil, die auch im Elternbeirat engagiert ist, ist glücklich, dass sie ihre beiden Söhne in eine solche Einrichtung schicken kann: Hillel Aharon (4) und Nachum Benjamin (3) tragen Schläfenlocken und ziehen ihre Kippa nur aus, wenn sie schlafen gehen. Mutter und Söhne bekennen sich offen zu ihrem orthodoxen jüdischen Hintergrund. Aber, betonte Irina Katz, "hier wird nicht Abgrenzung, sondern Öffnung praktiziert". Die war schon nötig während der gemeinsamen Planung mit der Stadt, dem Jugendhilfswerk (JHW) als konfessionslosem Träger und der Uni als weiterem Kooperationspartner. "Im Planungsprozess sind wir gute Freunde geworden", so Katz.

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So ähnlich könnte es auch bei den Kindern vor sich gehen mit ihren unterschiedlichen Hautfarben, Kulturen und Konfessionen: Die Kita Shalom nimmt alle auf und unterscheidet sich darin nicht von anderen Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt. Für Oberbürgermeister Dieter Salomon ist sie deshalb eine wunderbare Ergänzung in der "vielfältigen Bildungslandschaft" Freiburgs. "Warum sind wir nicht schon früher darauf gekommen?" Für Rabbi Avram Radbil hätte der Name passender nicht gewählt werden können: Shalom bedeutet "Frieden", und der müsse von innen wachsen, im Lernen mit- und übereinander.

Keine Bekehrung zum Judentum

Es soll keine Bekehrung zum Judentum stattfinden, aber die jüdische Kultur solle deutlich sichtbar werden, erklärte Kitaleiterin Birgit Werner. Unter ihren dreizehn Mitarbeitern sind zwei jüdischen Glaubens. In den Gruppenräumen des von einem privaten Eigentümer gemieteten und liebevoll sanierten historischen Gebäudes in der Kantinenstraße sind jüdische Kinderbücher zu entdecken, das hebräische Alphabet und Laubhüttenbilder, die die Kinder gemalt haben. "Evenu Shalom" (wir bringen Frieden) sangen die Kinder und tanzten den israelischen Palmentanz für ihre Gäste.

Die pädagogische Basis soll laut Ulrich Gruler das reformpädagogische Konzept sein, nach dem in allen JHW-Kitas gearbeitet werde. Für Erheiterung sorgte ein Versprecher des JHW-Vorsitzenden: Als "Kita Salomon" stellte er die neue Einrichtung vor. Was laut Rabbi Radbil gar nicht mal so verkehrt gewesen wäre: König Salomon sei auch als Shlomo bezeichnet worden, was wiederum von Shalom abgeleitet sei.

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Autor: Anita Rüffer