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23. Dezember 2008 20:00 Uhr
Weihnachtsgottesdienste nur für Kirchensteuerzahler?
Jungpolitiker nimmt Christmetten-Idee zurück
Weihnachtsgottesdienste nur für Kirchenmitglieder? Dieser seltsame Vorschlag des Freiburger CDU-Jungpolitikers Thomas Volk sorgte für ein bundesweites Echo samt Synchron-Kopfschütteln über alle Konfessionsgrenzen hinweg.
Der Vorschlag löste jedenfalls ein großes Medienecho aus – und einhellige Ablehnung. Jeder der zahllosen Gegenkommentare enthielt Worte wie " Blödsinn, Käse, Quatsch" – oder sogar alle drei dieser Vokabeln. Wer auch gar nicht amüsiert ist: die Freiburger CDU. Am Mittwochabend distanzierte sich Volk nun von seiner Christmetten-Idee.
Eines muss man festhalten: Sogar höchstrangige Kirchenleute haben Stellungnahmen abgegeben, selbst Radio Vatikan opferte gestern etwas von seiner geheiligten Sendezeit für den Vorschlag, der da so ganz direkt aus dem Volk gekommen war. Für ihn gab es scharfen Gegenwind aus dem ganzen Land. Manche vermuteten hinter Volks Äußerung einen April-Scherz im Dezember."Das war nicht beabsichtigt, das habe ich nicht gewollt", sagt Thomas Volk nun selbst. Zerknirscht hat er sich am Mittwochabend von seiner so viel Wirbel verursachenden Äußerung distanziert. Gedruckt hatte den "Weihnachten-nur-für-Mitglieder"-Spruch" am Montag die Bild-Zeitung. Das Blatt, sagt Volk, sei auf ihn zugekommen. Volk ist CDU-Ortsvorsitzender im Stadtteil Brühl-Beurbarung und Landesvorsitzender des Rings Christlich Demokratischer Studenten (RCDS). Kraft diesen Amtes hat er auch einen Sitz im CDU-Landesvorstand. Bei Bild kannte man den Jungunionisten, weil er jüngst als RCDS-Chef schon ein rechtes Medien-Tamtam angezettelt hatte, nachdem der Freiburger Juraprofessor Hefendehl in einer alten DDR-Trainingsjacke im Audimax zur Vorlesung aufgekreuzt war. Nun habe er mit dem Blatt in einem längeren Gespräch über den Stellenwert des Glaubens in der Gesellschaft gesprochen. Das habe Bild weggelassen und alles nur auf diesen einen Satz zugespitzt.
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Bei Freiburgs Christdemokraten gab es gestern längere Gespräche über den künftigen Stellenwert von Thomas Volk in der CDU. Eigentlich soll Thomas Volk auf Vorschlag der Jungen Union für die CDU-Kommunalwahlliste nominiert werden. Das ist offenbar aber nach seinem Weihnachts-Rohrkrepierer nicht mehr so ganz sicher. "Das ist absoluter Käse und ein großer Blödsinn", kommentierte ein merklich um Fassung ringender JU-Chef und CDU-Bundestagskandidat Daniel Sander Volks Christmetten-Vorschlag. "Klar daneben gegangen" – so urteilte auch CDU-Kreischef und Landtagsabgeordneter Klaus Schüle. Natürlich, sagt er, müsse die Kirche für alle Menschen da sein. Schüle glaubt aber fest, dass Volk mit etwas Abstand dies auch richtig sehe – und fügt hinzu: "Richtig sehen muss". Wendelin Graf von Kageneck, der Fraktionsvorsitzende im Freiburger Gemeinderat, meint Volks Aussage sei eine Privatmeinung und habe mit der CDU gar nichts zu tun. Abschließend hält er zu diesem Fall noch eine Art Weihnachtsbotschaft parat: "Der liebe Gott möge ihm verzeihen – er hat schon größeren Sündern verziehen."
Autor: Joachim Röderer
