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17. Juli 2009
Kulturarbeit der Studentenwerke: Kabarett zieht nicht mehr
Eine Tagung des Deutschen Studentenwerks zum Thema Kultur
58 Studentenwerke sind bundesweit für 360 Hochschulen zuständig – sie kümmern sich um die finanziellen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Belange der Studierenden. 50 Expertinnen und Experten von Studentenwerken aus ganz Deutschland nahmen in den vergangenen beiden Tagen im Haus zur Lieben Hand an einer Tagung teil. Auf der wurde über die Kulturarbeit von Studentenwerke gesprochen.
"Alles, was den Alltag der Studenten besser bewältigen lässt, ist gut. Dazu gehört auch die Kultur, seien es Konzerte, Theater oder Partys", beschreibt Stefan Grob, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, den kulturellen Auftrag der gemeinnützigen ausgerichteten Studentenwerke. Das Freiburger Studentenwerk zählt zu denen, die sich vom reinen, klassischen Kursangebot verabschiedet haben und Kultur mitten ins studentische Leben – in die Mensa an der Rempartstraße – geholt haben. "In diesem Bereich", lobt Stefan Grob, "ist Freiburg an der Spitze." Seit dem Wintersemester 2003 gibt es die Mensabar, in der während des Semesters jede Woche kulturelle Veranstaltungen stattfinden, pro Jahr sind es rund 160. Im Schnitt kommen 150 Besucher pro Abend.Werbung
"Die kulturellen Interessen der Studierenden haben sich verändert", sagt Birgit Mandel, Professorin am Institut für Kulturpolitik in Hildesheim, und führt ein Beispiel an: "Politisches Kabarett zieht nicht mehr." Gefragt seien eventartige, kommunikative Formen. "Die Leute wollen auf den Veranstaltungen Kontakte knüpfen", weiß auch Renate Heyberger, stellvertretende Geschäftsführerin des Freiburger Studentenwerks. Wichtig sei auch der interkulturelle Aspekt: "Wir wollen mit unserem Kulturangebot ausländische Studierende erreichen."
Formate mit vielen kleinen Beiträgen funktionierten heutzutage am besten, weiß Heybergers Kollege Ulrich Stelter, der sich um Hochschulgastronomie und Kultur kümmert. Publikumsrenner in der Mensabar sind zum Beispiel die Video-Slams – der Video Slam ist ein Forum für junge Filmemacher – und die Slam-Supreme-Abende, eine Mischung aus Musik, Kabarett, Literatur und Comedy. Stets rappelvoll war die Mensabar bei den "Blaue-Couch"-Abenden von Comedian Florian Schroeder von 2004 bis 2007 (mittlerweile hat er sein Comedy-Talk-Format ins Fernsehen verlagert); ein ähnlich populärer Nachfolger wurde bislang nicht gefunden. "Das war aber schon eine Ausnahme", räumt Stelter ein. Während der Internationale Club mit seinen Länderabenden donnerstags sein Publikum ebenso gefunden hat wie das sonntägliche Tatort-Public-Viewing, geht das eine oder andere Experiment auch mal daneben – so zum Beispiel die Impro-Seifenoper "Egonstraße".
Neben all diesen Formaten, die es gemeinsam mit Studentinnen und Studenten entwickelt, unterstützt das Freiburger Studentenwerk Gruppen – etwa Theaterensembles und Nachwuchsbands – mit Räumen und technischer Ausrüstung. Zudem unterhält es als einziges in Deutschland eine eigene Musicalgruppe: die Mondo Musical Group. Insgesamt kümmern sich beim Studentenwerk fünf Mitarbeiter und zehn bis 20 Tutoren um das Kulturprogramm. Wie viel Geld das Studentenwerk für Kultur ausgibt, kann Heyberger nicht sagen, einen eigenen Kulturetat gibt es nicht.
Als Konkurrent zu den kommerziellen Kulturveranstaltern in der Stadt sieht sich das Studentenwerk nicht, eher als Ergänzung. Etwa, wenn an Freitagabenden in der Mensa Nachwuchsbands auftreten. "Das Jazzhaus kann sich so etwas kaum noch leisten. Uns geht es nicht ums Geldverdienen", erklärt Renate Heyberger und fügt hinzu: "Man kann auch mit wenig Geld viel machen." Die Abende des Internationalen Clubs kosten im Jahr gerade einmal 1200 Euro.
Autor: Frank Zimmermann
