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29. Mai 2009 18:13 Uhr
Nach Bundestagsbeschluss
Karlsruher Heroin-Modellprojekt bald in Freiburg?
Der Bundestag hat am Donnerstag beschlossen, das künstlich hergestellte Heroin Diamorphin zur Behandlung Schwerstabhängiger zuzulassen. Freiburg ist ein möglicher Standort für eine ambulante Behandlungsstelle. Deren Kosten schätzt die AWO auf 400 000 Euro.
Nachdem die Karlsruher Arbeiterwohlfahrt (AWO) seit 2002 in einem wissenschaftlich begleiteten Modellprojekt ambulant Diamorphin ausgibt, wird nun Freiburg als einer von sieben neuen baden-württembergischen Standorten für die Diamorphinbehandlung ins Spiel gebracht.
Das Modell sei eine Überlebenshilfe und für Süchtige die Möglichkeit, "ein einigermaßen normales Leben" zu führen, glaubt Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Auch Jack Huttmann, Geschäftsführer der Freiburger AWO, die für die Drogenhilfe mit der Jugend- und Drogenberatungsstelle Drobs und dem Kontaktladen verantwortlich zeichnet, würde die Ausweitung der Diamorphinvergabe begrüßen: "Ich freue mich über die Bundestagsentscheidung."
Ziele der Behandlung sind die Befreiung von der Sucht, ein besserer Gesundheitszustand, eine bessere soziale Integration und mehr Distanz zur Drogenszene. Diamorphin-Patienten – auch das ein Ergebnis der Karlsruher Studie – werden deutlich weniger straffällig. "Die kriminellen Begleiterscheinungen fallen weg", ist sich Huttmann sicher. Zudem ist die Abbruchquote geringer als bei Methadonkonsumenten.
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In Freiburg gibt es laut Huttmann großen Bedarf nach einer kontrollierten Diamorphinverabreichung. Denn: "Heroin spielt in der Stadt eine große Rolle." Bis zu 50 Menschen, schätzt der AWO-Geschäftsführer, kämen in Freiburg für eine Behandlung mit dem Heroin-Ersatzstoff in Frage; realistisch sei, dass 20 bis 25 an einem solchen Projekt teilnehmen. Sowohl Huttmann als auch von Kirchbach glauben, dass man in Baden-Württemberg am Standort Freiburg, wo im vergangenen Jahr 22 Drogentote gezählt wurden, nicht vorbeikommt. "Einige davon", glaubt Huttmann, "hätte man mit Diamorphin retten können."
Diamorphin muss zwei bis drei Mal täglich eingenommen werden. Zur Behandlung gehört neben einer medizinischen auch eine psychosoziale Betreuung. Entsprechend hoch ist der personelle Aufwand – auf rund 400 000 Euro schätzt Jack Huttmann die Kosten für eine ambulante Variante. Dazu müssten Räume angemietet werden, der Kontaktladen in der Rosastraße eignet sich dafür nicht. Denkbar ist aber auch eine stationäre Variante in einer Klinik, wobei auch Sozialbürgermeister von Kirchbach das ambulante Modell bevorzugt. "Die AWO", sagt Geschäftsführer Huttmann, "würde das gerne machen."
Bleibt die Frage nach der Finanzierung: Während von Kirchbach auf Hilfe vom Land hofft ("das wäre gut und wichtig"), ist Huttmann skeptisch: "Auf die Stadt käme eine große Aufgabe zu." Über die Finanzierung entscheiden muss in jedem Fall der Gemeinderat. Mitte 2010, glaubt von Kirchbach, könnte eine Diamorphin-Einrichtung eröffnet werden.
Autor: Frank Zimmermann
