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13. November 2008

Kein Boykott, dafür zwei Stunden Protest

An der EFH in Weingarten

Sie boykottieren dieses Jahr nicht mit, die Studierenden der Evangelischen Fachhochschule (EFH) in Freiburg-Weingarten – aber wenigstens ein bisschen gegen die Studiengebühren protestieren wollen sie schon: Rund 200 Studierende blockierten gestern Morgen zwischen acht und zehn Uhr den Haupteingang ihrer Hochschule. "Damit weisen wir auf den erschwerten Zugang zu akademischer Bildung hin", sagt Markus Biggel, Student der Sozialen Arbeit und Mitorganisator der Aktion.

Vor der Eingangstür hängt ein Transparent mit der Aufschrift "Für freie Bildung, gegen Kommerz", davor sitzen die Protestierer auf blauen Decken und machen es sich mit Kaffee, Glühwein und Kartenspiel so gemütlich wie möglich. Vor einem Jahr haben viele Studierende der EFH die Studiengebühren boykottiert – seither arbeitet ein Senatsausschuss der Hochschule an einer sozialeren Gestaltung des Satzung. "Bis zu 15 Prozent der Studierenden könnten dann von den Gebühren befreit werden", sagt Biggel.

Kein Boykott, weil derzeit Gespräche laufen

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Rosa Burgey ist zum ersten Mal beim Gebühren-Protest dabei, sie hat erst vor anderthalb Monaten ihr Studium der Sozialen Arbeit an der EFH begonnen. "Ich habe mir vorher schon überlegt, ob ich überhaupt studiere", sagt sie, das Thema Gebühren beschäftige sie persönlich: "Ich weiß noch nicht, wie ich das Geld für die nächsten Semester aufbringen werde." Die uneinheitliche Situation in Deutschland empfinde sie außerdem als ungerecht. Deshalb habe sie sich von Beginn ihres Studiums an für den Protest interessiert und mache nun auch mit.

Wegen der laufenden Gespräche mit der Hochschulleitung beteiligen sich die EFH-Studenten nicht an der Freiburger Boykott-Kampagne für das kommende Semester, zu der sich Studierende von Uni, Pädagogischer Hochschule und Katholischer Fachhochschule zusammengeschlossen haben. "Wir wollen unsere Solidarität mit den anderen ausdrücken", sagt Biggel, "und zeigen, dass zumindest kleine Erfolge zu erreichen sind." Die Studierenden der EFH seien aber auch mit der eigenen Hochschulleitung unzufrieden, die damals mit "sehr massivem Druck" auf den Boykott reagiert habe.

"Wir haben die Proteste sehr ernst genommen", sagt EFH-Rektor Reiner Marquard, "aber als private Hochschule haben wir keine Alternative zu den Gebühren." Dennoch hätten die Aktionen einiges in Gang gebracht: "Eine paritätisch besetzte Kommission soll künftig über soziale Härtefälle entscheiden." Zudem werde man Studierenden mit Hilfe der Landeskirche durch zinsfreie Darlehen helfen und BAFöG-Empfänger bei der Entschuldung unterstützen.

Autor: Thomas Goebel