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05. November 2009 17:24 Uhr

Mildes Urteil

Keine Strafe für Merzhauser Schul-Brandstifter

Der junge Freiburger, der Ende Februar die Merzhauser Hexentalschule in Brand setzte, ist vom Jugendschöffengericht schuldig gesprochen worden. Er bleibt aber ohne Strafe, weil er seit der Tat sein Leben in den Griff bekommen hat.

  1. Das Werk von betrunkenen Zündlern: Beim Brand der Hexentalschule entstand in der Nacht zum 28. Februar ein Schaden von 1,5 Millionen Euro. Foto: Patrick Seeger

  2. Foto: Patrick Seeger

  3. Foto: Patrick Seeger

  4. Foto: Patrick Seeger

  5. Foto: Patrick Seeger

  6. Foto: Patrick Seeger

Das Verfahren hat jetzt am Freiburger Amtsgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Vor Gericht mussten sich zwei junge Männer verantworten, die zum Zeitpunkt der Tat 16 und 17 Jahre alt waren. Sie waren in der Nacht zum 28. Februar auf der Suche nach Alkohol in die Schule eingebrochen. Der Prozess endete nun für beide mit einem so genannten Schuldspruch. Der geständige 17-Jährige wurde wegen fahrlässiger Brandstiftung, Sachbeschädigung und versuchtem Diebstahl schuldig gesprochen. Der 16-jährige Täter wegen Sachbeschädigung und versuchtem Diebstahl. Er hatte in jener Nacht das Schulgebäude bereits verlassen, als sein Begleiter das Feuer legte.

Ein Schuldspruch ist eine Möglichkeit, dies das Jugendstrafrecht bietet. Er hat keine Freiheitsstrafe mit Bewährung unmittelbar zur Folge. Sie kann aber nachträglich verhängt werden, wenn die Jugendlichen erneut straffällig würden oder sich nicht an die Auflagen des Gericht halten. Falls die Jungen ihre Ausbildung abbrechen sollten, müsste der ältere Täter 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, der jüngere 60 Stunden.

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Die beiden jungen Männer hatten in der Tatnacht ordentlich Alkohol getankt, der Brandstiftung war ein nächtliches Trinkgelage auf dem Schulgelände vorausgegangen. Bei dem Großbrand entstand am Schulgebäude ein Schaden von 1,5 Millionen Euro. Knapp sechs Monate lang mussten die Schülerinnen und Schüler der Hexentalschule in anderen Gebäuden untergebracht werden. Erst im Oktober konnten sie wieder ins Schulgebäude zurückkehren.

Der Staatsanwalt hatte für die Täter Jugendstrafen von einem Jahr und von einem halben Jahr, jeweils mit Bewährung, gefordert. Das Jugendschöffengericht entschied sich dann aber für die mildere Variante eines Schuldspruchs – auch weil das laufende Strafverfahren auf die jungen Männer einen "erheblichen Eindruck" gemacht habe, berichtet Richter Rukopf, Pressesprecher des Amtsgerichtes. Beide Jungen haben nach der Tat ihre Hauptschulabschlüsse nachgeholt. Der 16-Jährige begab sich nach der Brandnacht freiwillig in eine stationäre Einrichtung der Jugendhilfe. Er wird demnächst auch eine Lehre beginnen. Der 17 Jahre alte Brandstifter bekam einen Betreuer zur Seite gestellt und absolvierte ebenfalls eine sogenannte "intensivpädagogische Maßnahme". Seine Handwerkerlehre läuft bereits.

In der Hauptverhandlung wurde auch noch einmal das Geschehen in jener Nacht vom 27. auf den 28. Februar aufgearbeitet. Eine Gruppe von Jugendlichen hatte demnach auf dem weitläufigen Schulgelände in der Merzhauser Ortsmitte gefeiert und dabei offenbar Unmengen an Alkohol konsumiert. Zunächst Wodka, später dann auch noch Bier. Bei einem mitfeiernden 15-jährigen Mädchen stellte die Polizei später einen Alkoholpegel von 2 Promille fest. Die Jungen leerten beim an Wochenenden üblichen "Komasaufen" nach ihrer eigenen Schilderung regelmäßig zu zweit eine Flasche Wodka. Trotz hoher Alkoholwerte sei den Jungen auch in jener Nacht äußerlich nichts anzumerken gewesen, war den Ermittlern aufgefallen. Die Jugendlichen waren also offenbar geübte Trinker.

Beide Jungen waren auch vor der Tat schon polizeibekannt."Die brutale Sauferei führt immer wieder zu Straftaten", berichtet Oberamtsanwalt Harald Sobiera, Vertreter der Anklage in diesem Verfahren.

"ICH SPIELE JETZT FLAMMENWERFER"

So war es auch in jener Nacht: Gegen 23 Uhr war den jungen Leuten an der Merzhauser Schule der Alkohol ausgegangen. Der 16-Jährige hatte davor schon mit einem Stein die Scheibe eines Klassenzimmers eingeschlagen. Gleiches passierte nun auch am Hausmeisterbüro, das ebenfalls im Erdgeschoss liegt. Dort hatten die Jugendlichen von außen einen Kühlschrank erspäht, in dem sie Alkohol vermuteten. Sie stiegen durch das eingeschlagene Glasfenster ein – fanden jedoch nicht, was sie suchten. Der 17-Jährige entdeckte aber eine Dose mit Anti-Graffiti-Spray. Er hielt das Feuerzeug in den Sprühstrahl: "Ich spiele jetzt Flammenwerfer", sagt er, während er auf einen Papierstapel zielte.

Der Papierstapel geriet in Brand. Der Brandstifter versuchte noch mit der Hand zu löschen, allerdings vergeblich. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Wenige Augenblicke später rief der jüngere Täter per Handy die Feuerwehr an. Dort hatten aber bereits Anwohner Alarm geschlagen. Mehrere Klassenzimmer wurden durch das Feuer verwüstet. Die Freiburger Feuerwehr konnte nur durch einen beherzten Großeinsatz verhindern, dass das Feuer auf das gesamte Gebäude übersprang.

Autor: Peter Sliwka und Joachim Röderer